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Medizin

Gezielte Wirkstoffkombination verlängert Überleben bei fortgeschrittenem Nierenkrebs

Dienstag, 30. März 2021

/SciePro, stock.adobe.com

Boston – Die Kombination aus dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab mit dem Kinasehemmer Lenvatinib hat in einer Phase-3-Studie das progressionsfreie Überleben von Patienten mit fortgeschrit­tenem Nierenzellkarzinom gegenüber zwei Standardtherapien verlängert und die 2-Jahres-Überlebensrate verbessert. Die Ergebnisse wurden auf einem Symposium der American Society of Clinical Oncology vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2035716) publiziert.

Die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich verän­dert. Zunächst haben Multikinasehemmer wie Sunitinib die frühere Therapie mit Interferon alpha oder Interleukin 2 verdrängt.

Inzwischen sind Checkpoint-Inhibitoren hinzugekommen, die sich untereinander kombinieren lassen (z. B. Nivolumab plus Ipilimumab) oder zusammen mit einem neueren Multikinase­hemmer eingesetzt werden können (z. B. Pembrolizumab oder Avelumab mit Axitinib oder Cabozantinib mit Nivolumab). Als wirksam haben sich auch die mTOR-Inhibitoren Temsirolimus und Everolimus erwiesen, die ebenfalls als Kombinationspartner infrage kommen.

Die Hersteller des Kinasehemmers Lenvatinib und des Checkpoint-Inhibitors Pembrolizumab haben ihre Wirkstoffe in den letzten Jahren in einer internationalen Phase-3-Studie (mit deutscher Beteiligung) an 1.069 nicht vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom testen lassen. Die CLEAR-Studie hatte 3 Therapiearme: 355 Patienten wurden mit Lenvatinib plus Pembrolizumab, 357 Patienten mit Lenvatinib plus Everolimus und 357 Patienten nur mit Sunitinib behandelt, das vor Beginn der Studie im Oktober 2016 noch als Therapiestandard betrachtet wurde.

Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben. Hier erzielten die beiden Kombina­tionen eine deutlich bessere Wirkung als die Monotherapie mit Sunitinib. Unter der Kombination mit Lenvatinib plus Pembrolizumab vergingen im Mittel 23,9 Monate bis zur erneuten Tumorprogression, unter der Kombination aus Lenvatinib plus Everolimus waren es 14,7 Monate und unter der Monotherapie mit Sunitinib 9,2 Monate.

Die Vorteile waren signifikant. Für die Kombination aus Lenvatinib plus Pembrolizumab ermittelt das Team um Toni Choueiri vom Dana-Faber Cancer Institute in Boston eine Hazard Ratio im Vergleich zu Sunitinib von 0,39, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,32 bis 0,49 signifikant war. Auch für die Kombina­tion Lenvatinib plus Everolimus zeigt die Hazard Ratio 0,65 (0,53 bis 0,80) einen eindeutigen Vorteil.

Unter der Kombination Lenvatinib plus Pembrolizumab sprachen 71 % auf die Behandlung an. Bei 16,1 % kam es zu einer kompletten Remission. Unter der Kombination aus Lenvatinib plus Everolimus betrug die Ansprechrate 53,5 % mit 9,8 % Vollremissionen. In der Sunitinib-Gruppe waren es 36,1 % und 4,2 %. Beide Kombinationen waren auch hier dem alten Therapiestandard überlegen.

Etwas anders waren die Ergebnisse beim Gesamtüberleben, das zu den sekundären Endpunkten der Studie gehörte. Nach 24 Monaten waren in der Gruppe, die mit der Kombination aus Lenvatinib plus Pembrolizumab behandelt wurde, noch 79,2 % der Patienten am Leben. In der Gruppe, die mit Lenvatinib plus Everolimus behandelt wurde, waren es 66,1 % und in der Sunitinib-Gruppe 70,4 %.

Für die Kombina­tion aus Lenvatinib plus Pembrolizumab zeigt die Hazard Ratio von 0,66 (0,49 bis 0,88) einen signifikanten Vorteil gegenüber der Monotherapie mit Sunitinib an. Unter Lenvatinib plus Everolimus war das Sterbe­risiko gegenüber Sunitinib bei einer Hazard Ratio von 1,15 (0,88 bis 1,50) dagegen tendenziell erhöht.

Diese Ergebnisse sprechen für Lenvatinib plus Pembrolizumab als erste Wahl. Die Kombination ist aller­dings mit einem Anstieg der Nebenwirkungen verbunden. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Durchfall (61,4 % versus 49,4 % in der Sunitinib-Gruppe) und Bluthochdruck (55,4 versus 41,5 %). Diese Nebenwirkungen führten bei 37,2 % der Patienten in der Lenvatinib plus Pembrolizumab-Gruppe zu einem Abbruch der Behandlung und bei 68,8 % der Patienten zu einer Dosisreduktion von Lenvatinib. Der Erfolg der Therapie dürfte deshalb auch davon abhängen, ob es gelingt, die Nebenwirkungen angemessen zu behandeln. © rme/aerzteblatt.de

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