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Foodwatch: Wie Influencer Ungesundes an Kinder vermarkten

Mittwoch, 17. Februar 2021

Influencer Julia Beautx und Jonas Ems bewerben Produkte der Marke Milka (Mondelez) / Screenshot Deutsches Ärzteblatt

Berlin – Lebensmittelkonzerne setzen zunehmend auf sogenanntes Influencermarketing, um Süßigkeiten und Fast Food direkt an Kinder zu vermarkten. Davor warnt die Verbraucherorganisation Foodwatch nach einer Analyse der Social-Media-Kanäle von bei jungen Nutzern besonders beliebten Onlinestars und fordert Werbebschränkungen.

Influencer sind häufig selbst Teenager oder junge Erwachsene, die auf Plattformen wie Tiktok, Youtube und Instagram Bilder und Videos mit Eindrücken aus ihrem Leben präsentieren und in diesem Rahmen auch Produkte und Dienstleistungen testen und empfehlen. Je mehr Nutzer diese Kanäle abonniert ha­ben, umso interessanter sind die Influencer für Werbetreibende.

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Besonders problematisch sei dabei, dass diese Form des Marketing das junge Zielpublikum an der Kon­trolle der Eltern vorbei direkt auf Smartphones und Talets erreiche, erklärte Luise Molling von Food­watch bei der Vorstellung der Analyse in Berlin.

Jugendliche geben sich Online-Stars „bedingungslos hin“

„Eine Studie hat gezeigt, dass sich in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigte 11- bis 15-Jährige ihren Online-Starts bedingungslos hingeben und deren Aussagen vollstes Vertrauen entgegen bringen“, so Molling. Die Empfehlungen der Influencer seien für die Kinder und Jugendlichen mit den Empfehlungen von Freunden vergleichbar.

Zwar müssen bezahlte Produktvorstellungen von Influencern als Werbung gekennzeichnet werden und es dürfen keine direkten Kaufapelle ausgesprochen werden, darüber hinaus gebe es jedoch kaum recht­liche Beschränkungen für die Werbetreibenden, heißt es in dem Bericht von Foodwatch.

„Die Lebensmittelindustrie bewirbt zu zwei Dritteln ungesunde Lebensmittel“, so Molling. Für die Influ­encer sei eine Zusammenarbeit mit großen Namen wiederum besonders rentabel. Drei in der Analyse un­tersuchte Influencer mit je über einer Millionen Fans hatten etwa Verträge mit Coca Cola, McDonald's, Mondelez, Haribo oder Coppenrath und Wiese. „Bei der Gruppe diese besonders erfolgreichen Influencer war bei unserer Analye keiner dabei, der gesunde Produkte beworben hätte“, so Molling.

15 Prozent der Drei- bis Siebzehnjährigen übergewichtig

Im Hinblick auf die junge Zielgruppe sei das besonders dramatisch, erklärte Berthold Koletzko, Vorsit­zen­der der Stiftung Kindergesundheit an der Kinderklinik der Universität München, der die Vorstellung der Foodwatch-Analyse fachlich begleitete.

Mehr als 15 Prozent der Drei- bis Siebzehnjährigen seien übergewichtig, knapp sechs Prozent litten an Adipositas, so Koletzko. Über die Lebenszeit dieser Kinder- und Jugendlichen werde diese Disposition Kosten von 393 Milliarden Euro verursachen.

Studien würden darauf hinweisen, dass Werbung bei Kindern zu einem erhöhten Verzehr der beworbe­nen Lebensmittelgruppen führe und einen besonders großen Effekt auf Kinder und Jugendliche haben, die ohnehin schon übergewichtig seien.

Klöckner: Werbewirtschaft soll nachbessern

„Wir Kinder- und Jugendärzte fordern seit langer Zeit, die an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung – darunter auch die subtile und oft schwer durchschaubare Werbung über soziale Medien – zu beschrän­ken. Denn die allermeisten Produkte sind unausgewogen und fördern ernährungsbedingte Krankheiten wie Typ-2-Diabetes“, erklärte Koletzko.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte dazu heute, dass „weitergehende Beschrän­kungen notwendig“ seien, um Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, zu regulieren. Auch auf Social-Media-Plattformen müsse das Thema „stärker in den Blick“ genommen werden. „Werbung darf Kinder nicht dazu verleiten, sich ungesund zu ernähren“, sagte Klöckner.

Sie habe den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft deshalb aufgefordert, „die Verhaltensregeln zu verschärfen“. Konkret habe sie auf „Nachbesserungen bei der Altersgrenze und bei der Werbung für Lebensmittel mit ungünstiger Nährstoffzusammensetzung“ gedrungen, sagte Klöckner.

Dabei handele es sich aber weiterhin um eine freiwillige Regulierung, kritisierte Molling. Eine Studie, die über 14 Jahre die Auswirkungen von Werbebeschränkungen in 79 Ländern beobachtete, habe gezeigt, dass sich der Pro-Kopf-Verzehr von Junkfood in Ländern ohne Werbebeschränkungen im Studienzeitraum um fast 14 Prozent erhöhte und auch bei freiwilligen Werbebeschränkungen der Lebensmittelindustrie noch um 1,7 Prozent anstieg. Bei verpflichtenden Werbebeschränkungen sank der Verzehr den Angaben zufolge hingegen um 8,6 Prozent.

„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Werbung dazu führt, dass Kinder mehr Snacks und mehr Kalorien zu sich nehmen. Abermals zeigt sich, dass die freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie in keiner Wei­se eingehalten wird“, kommentierte Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK).

„Die Analyse der Influencer-Werbung zeigt in erschreckender Weise, wie Konzerne gezielt Kinder und Jugendliche zum Konsum ihrer ungesunden Produkte animieren. Das macht alle Bemühungen von Eltern und Schule für eine Erziehung zu gesunder Ernährung zunichte“, so Bitzer. Zum Schutz der kindlichen Gesundheit sei daher ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für ungesunde Produkte notwendig, wie es bereits in vielen Ländern Standard sei. © alir/aerzteblatt.de

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