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Neun Prozent der positiven Proben in Nordrhein-Westfalen sind Mutanten

Mittwoch, 17. Februar 2021

/picture alliance, Sebastian Gollnow

Münster – Laut einer Studie der Universitätsklinik Münster sind rund neun Prozent der in Nordrhein-Westfalen (NRW) positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getesteten Proben auf die als ansteckender geltenden Virusmutanten zurückzuführen. Das teilte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium des Landes heute mit.

Für die Studie wurden 933 Proben (Stichtag 27. Januar 2021) ausgewertet, die laut Ministerium weitge­hend als repräsentativ für die 53 Kreise des Landes gelten. Nicht alle Kreise konnten allerdings die ge­wünschte Anzahl von fünf bis sechs Proben pro 100.000 Einwohner liefern.

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In 73 Proben wurde die englische Variante B.1.1.7 entdeckt, in fünf die Mutante aus Südafrika. Die Vari­ante aus Südamerika ist nicht vertreten. Laut Mitteilung treten die Virusmutanten eher in den Ballungs­räu­men auf. Ländliche Regionen, auch die Grenzregion zu den Niederlanden, seien weniger betroffen.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Virusvarianten weniger über die grenznahen Regionen als vielmehr durch überregionale Mobilität hinein in die Ballungsräume getragen werden“, sagte Alexander Mellmann, Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster und Leiter der Studie.

Die in Großbritannien entdeckte, wohl deutlich ansteckendere Variante des Coronavirus breitet sich nach Angaben von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn in Deutschland schnell aus. Nach neuen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) stieg der Anteil der in Großbritannien entdeckten Mutation binnen zwei Wo­chen von knapp sechs auf mehr als 22 Prozent, teilte Spahn (CDU) heute in Berlin mit.

Vor allem die Mutante B.1.1.7, die nach konservativen Schätzungen 35 Prozent ansteckender ist, bereitet den Virologen Sorgen. Auch für andere Varianten wie die südafrikanische wird eine höhere Übertrag­barkeit angenommen, genaue Daten dazu gibt es aber noch nicht.

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Studie mit dem Titel „Molekulare Surveillance von SARS-CoV-2-Varianten in NRW“ mit 200.000 Euro. Ziel ist es, Ergebnisse zur tatsächlichen Verbreitung von Virusmutationen im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW zu erhalten.

Über das Ergebnis zeigte sich der Studienleiter nicht überrascht. „Tatsächlich entspricht im Ergebnis der hohe einstellige Prozentbereich genau dem, was ich so aus dem Bauch heraus geschätzt hätte“, sagte Mellmann in einer Mitteilung der Uniklinik. Mit dieser Einschätzung habe er aber nicht alleine gestan­den, betonte der Professor, „sondern namhafte Virologen, unter anderem Christian Drosten von der Charité haben das ähnlich vorhergesagt, allerdings ohne dass es bisher eine verlässliche Datenbasis gegeben hätte.“

„Nordrhein-Westfalen nimmt damit eine Vorreiterrolle in der molekularen Surveillance ein. Die Studie liefert erstmalig einen repräsentativen Überblick zur Verbreitung von Virusvarianten. Typisch für das Vi­rus: Dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen und die Bevölkerungsdichte hoch ist, verbreitet sich das Virus schneller – egal ob Mutation oder die uns bekannte Variante“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) laut Mitteilung.

Der Minister hatte Mitte Januar im Landtag angekündigt, sich einen schnellen Überblick über die Aus­breitung verschaffen zu wollen. Sorge hatte ihm damals der Nachweis von Mutationen bei zehn Prozent der Coronainfizierten im Nachbarland Niederlande bereitet.

In einzelnen Städten wie Düsseldorf liegt der Anteil der nachgewiesenen Mutanten an positiven Proben höher als im Landesschnitt. In der Landeshauptstadt wurde bei 27 Prozent der Nachweise die britische Variante gefunden. Das geht aus einer Antwort von Oberbürgermeisters Stephan Keller (CDU) an die Ratsgruppe Tierschutz/Freie Wähler zu möglichen Lockerungen hervor.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert von der NRW-Landesregierung, dass in Pflegeeinrich­tun­gen und Krankenhäusern alle Coronafälle auf die Mutanten hin untersucht werden. „Das muss das Ge­sund­heitsministerium jetzt anordnen und dafür auch die Kosten übernehmen“, teilte Stiftungsvorstand Eugen Brysch zur Studie aus Münster mit.

Mutationen werden bei den Coronatests nicht automatisch erkannt. Dafür ist ein besonderes und teures Analyseverfahren nötig. Erst mit der sogenannten Sequenzierung kann zum Beispiel die englische Variante nachgewiesen. © dpa/aerzteblatt.de

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