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Draghi will Coronapandemie „mit allen Mitteln“ bekämpfen

Mittwoch, 17. Februar 2021

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Roberto Monaldo

Rom – Italiens neuer Ministerpräsident Mario Draghi hat sein Regierungsprogramm vorgestellt. Zur obersten Priorität erklärte der frühere Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) die Eindämmung der Coronapandemie.

Seine Regierung werde die Pandemie „mit allen Mitteln bekämpfen“, sagte er in seiner ersten Rede vor dem Parlament seit seinem Amtsantritt. Die Coronakrise sei auch eine Gelegenheit für den Wiederaufbau Italiens in einer stärker integrierten EU.

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Die Coronakrise ist nur ein Punkt auf einer langen Liste drängender Aufgaben, die auf die neue Regie­rung warten. Der ehemalige EZB-Chef, der in Italien unter dem Spitznamen „Super Mario“ bekannt ist, war nach dem Auseinanderbrechen der Vorgängerregierung eingesprungen und hatte eine Einheitsre­gie­rung gebildet, die Parteien von links bis rechts außen vereint.

Um die Coronaimpfkampagne im Land zu beschleunigen, kündigte Draghi den Einsatz von Freiwilligen, des Militärs und der Katastrophenschutzbehörde an. Die Kampagne hatte Ende Dezember einen starken Start hingelegt, verzögerte sich dann jedoch. Von den rund 60 Millionen Einwohnern haben bisher nur 1,3 Millionen die nötigen zwei Impfdosen erhalten. Mehr als 94.000 Italiener sind bereits nach einer Coronainfektion gestorben.

Italien ist in Folge der Coronakrise in die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gerutscht. Vergangenes Jahr schrumpfte die Wirtschaft um beinahe neun Prozent, fast 450.000 Menschen verloren ihren Job. „Wie die Regierungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit haben wir die Verantwortung, einen neuen Wiederaufbau zu beginnen“, sagte Draghi. „Das ist unsere Aufgabe als Italiener: Unseren Kindern und Enkelkindern ein besseres und gerechteres Land zu hinterlassen.“

Er warb zudem für eine „stärker integrierte EU, die in einen gemeinsamen Haushalt mündet und in der Lage ist, die Mitgliedstaaten in Zeiten der Rezession zu unterstützen“. Er hob hervor: „Ohne Italien gibt es kein Europa.“ Dabei bekräftigte er, die „strategischen“ Beziehungen zu Deutschland und Frankreich stär­ken zu wollen. Bis Ende April muss die Regierung Pläne für den Einsatz von 200 Milliarden Euro EU-Hilfsgeldern für den Wiederaufbau nach der Coronakrise vorlegen.

„Diese Mittel müssen mit dem Ziel ausgegeben werden, das Wachstumspotenzial unserer Wirtschaft zu verbessern“, sagte Draghi. Die Verwendung der Gelder ist ein heikles Thema, am Streit darüber war die Vorgängerregierung zerbrochen.

Im Gegenzug für die EU-Hilfsgelder muss die italienische Regierung wohl auch unpopuläre Reformen durchsetzen. Draghi kündigte Reformen der ausufernden Bürokratie, des undurchsichtigen Steuerrechts und der langsam waltenden Justiz an. Zudem versprach er, die Beschäftigung von Frauen zu fördern und sich für Bildung und Klimaschutz einzusetzen.

Der 73-Jährige hat sein Kabinett mit parteilosen Experten und Politikern besetzt. Schlüsselressorts wie Bildung, Justiz und Infrastruktur gab er in die Hände von Fachleuten. Nach einer Debatte über Draghis Ansprache wird der Senat voraussichtlich am Abend eine Vertrauensabstimmung über die neue Regie­rung abhalten.

In der Abgeordnetenkammer ist die Vertrauensfrage für Donnerstag angesetzt. Bei den Abstimmungen handelt es sich um eine Formsache, da Draghi die großen Parteien hinter sich weiß. Allerdings zeigten sich am vergangenen Sonntag bereits erste Spannungen innerhalb der Koalition. Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega kritisierte die Entscheidung des Ge­sund­heits­mi­nis­ters scharf, die Schließung der Skigebiete zu verlängern.

Zudem hat die Fünf-Sterne-Bewegung nach wie vor eine gespaltene Haltung gegenüber Draghi. Dutzen­de Abgeordnete der Fraktion haben gedroht, gegen ihn zu stimmen. „Die Einheit ist heute keine Option, die Einheit ist eine Pflicht“, mahnte Draghi. © afp/aerzteblatt.de

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