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Medizin

SARS-CoV-2: Nasenspray verhindert Infektion bei Frettchen

Donnerstag, 18. Februar 2021

/Manuel Schäfer, stock.adobe.com

New York – US-Forscher haben einen Fusionsinhibitor entwickelt, der die Infektion von Zellen durch SARS-CoV-2 verhindern kann. In einer experimentellen Studie in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abf4896) hat die intranasale Anwendung Frettchen vor einer ansonsten sicheren Infektion durch andere Käfigtiere geschützt.

Die Fusionsinhibitoren, die Matteo Porotto und Anne Moscona von der Columbia University in New York entwickelt haben, bestehen aus einem Cholesterinanteil und einem Peptid. Mit dem Cholesterinanteil verankern sich die Fusionsinhibitoren in der Membran der Zellen, die von den Viren angegriffen werden. Der Peptidanteil ragt nach außen. Er ist so gestaltet, dass er ein sich näherndes Virus in dem Moment fasst, in dem das Virus die Fusion mit der Zellmembran vorbereitet. Die Fusion wird verhindert und das Virus kann nicht in die Zelle gelangen.

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Das Prinzip hat in früheren Laborexperimenten bereits erfolgreich Infektionen mit dem Masernvirus, dem Influenzavirus und dem Nipahvirus verhindert. Zu klinischen Tests ist es jedoch niemals gekommen, weil die Erkrankungen vor allem in ärmeren Ländern auftreten und niemand ein wirtschaftliches Inter­esse an den Wirkstoffen angemeldet habe, berichten die Forscher.

Bei SARS-CoV-2 könnte dies anders sein. Das Virus breitet sich nach wie vor weltweit aus, effektive Medikamente wurden bisher kaum gefunden und die Schutzwirkung der Impfstoffe wurde zuletzt durch Virusvarianten infrage gestellt. Ein Fusionsinhibitor, der Menschen vor einer Infektion schützen könnte, wäre hier zweifellos willkommen.

Die beiden Forscher haben deshalb einen Fusionsinhibitor für SARS-CoV-2 entwickelt. Im Oktober stellten sie in mBio (2020; DOI: 10.1128/mBio.01935-20) erste laborexperimentelle Ergebnisse vor. Die Fusionsinhibitoren waren in einem 3D-Modell der menschlichen Lunge in der Lage, eine Infektion zu verhindern und die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Jetzt liegen erste tierexperimentelle Ergebnisse vor. An der Erasmus Universität in Rotterdam wurden Frettchen nach einer zweimaligen intranasalen Behandlung mit infizierten Tieren in einen Käfig gesperrt. Frühere Experimente mit SARS-CoV-1 hatten gezeigt, dass sich die Viren in den Käfigen rasch ausbreiten und alle Tiere innerhalb kurzer Zeit infizieren. Die Frettchen erkranken zwar nicht, die Infek­tionen können jedoch leicht durch Abstrich oder später anhand einer Serokonversion diagnostiziert werden.

In der aktuellen Testserie war dies bei allen 6 unbehandelten Tieren der Kontrollgruppe nach 24 Stun­den der Fall. Von den 6 Tieren, denen die Fusionsinhibitoren 2 Tage und 1 Tag zuvor 2 Mal mit einem Nasenspray verabreicht wurden, blieben alle von einer Infektion verschont. Auch die Antikörpertests, die 21 Tage später durchgeführt wurden, waren negativ.

Die Forscher, die ihre Ergebnisse bereits Anfang November auf bioRxiv (2020; DOI: 10.1101/2020.11.04.361154) vorgestellt hatten, haben die Versuche inzwischen mit der britischen Variante B.1.1.7 und der südafrikanischen Variante B.1.351 wiederholt. Auch diese Viren konnten durch die Fusionsinhibitoren gestoppt werden.

Die Mittel seien kostengünstig herzustellen, sie hätten eine lange Haltbarkeit und sie müssten nicht gekühlt werden, behaupten die Erfinder. Die Anwendung mit einem Nasenspray sei denkbar einfach. Das Spray könnte eingesetzt werden, um die Ausbreitung des Virus in Haushalten, Schulen, in Krankenhäu­sern oder gefährdeten Bereichen zu verhindern.

Eine Zulassung ist ohne die Ergebnisse klinischer Studien nicht in Sicht. Die Forscher planen derzeit weitere tierexperimentelle Studien, hoffen aber, die Fusionsinhibitoren am Menschen testen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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