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Medizin

Sichelzellanämie: Gentherapiestudien nach Leukämiefall gestoppt

Mittwoch, 24. Februar 2021

Blutbild bei Sichelzellanämie /extender 01 stock.adobe.com

Cambridge/Massachusetts – Der US-Hersteller bluebird bio hat 2 klinische Studien zu einer neuen Gentherapie der Sichelzellanämie gestoppt, nachdem ein Patient an einer akuten myeloischen Leukämie erkrankt ist. Der Vertrieb der in Europa bereits zugelassenen Gentherapie der Beta-Thalassämie, die den gleichen Vektor benutzt, wurde vorerst eingestellt.

Die Sichelzellanämie und die Beta-Thalassämie gehören zu den angeborenen Hämoglobinopathien, die auf Mutationen in einzelnen Genen zurückzuführen sind. Sie eignen sich deshalb für Gentherapien, die die Stammzellen mit einer intakten Version des Gens ausstatten, was die Erkrankung zur Abheilung bringen kann.

Als Vektoren, die die Gene in die Zellen transportieren, werden häufig Viren eingesetzt. Zunächst wurden Retroviren verwendet, da sie ihre Fracht nicht einfach in den Zellen abladen. Die Gene werden vielmehr ins Erbgut integriert, was eine lebenslange Umsetzung der Gene in Proteine verspricht. Werden die Gene an der falschen Stelle eingebaut, kann es zum Krebswachstum kommen. Dies wird als Insertionsmuta­genese bezeichnet.

Vor 18 Jahren ist es nach der Gentherapie von Kindern, bei denen eine erbliche Immunschwäche­krankheit SCID-X1 mit Retrovirus-basierter Gentherapie korrigiert wurde, zu mehreren Leukämien gekommen.

Inzwischen werden Lentiviren verwendet, die als sicher eingestuft werden. Auch die im letzten Jahr in Europa zugelassene Gentherapie der Beta-Thalassämie (Zynteglo) verwendet ein Lentivirus. Bei der klinischen Entwicklung von Zynteglo wurden keine Hinweise auf eine Insertionsmutagenese gefunden. Auch nach der Zulassung sind nach Auskunft des Herstellers keine Fälle von Leukämien aufgetreten.

Dennoch hat der Hersteller die Auslieferung der Gentherapie jetzt gestoppt. Den Grund bildet die Erkrankung an einer akuten myeloischen Leukämie. Sie ist bei einem Patienten aufgetreten, bei dem vor 5 Jahren im Rahmen einer klinischen Studie eine Gentherapie der Sichelzellanämie durchgeführt wurde.

Die noch nicht zugelassene Behandlung verwendet denselben Vektor wie in dem zugelassenen Mittel Zynteglo zur Behandlung der Beta-Thalassämie, weshalb der Zwischenfall auch die Sicherheit dieser Gentherapie infrage stellt.

Hinzu kommt, dass es in einer Studie zur Sichelzellanämie in der letzten Woche zu einem weiteren Verdachtsfall gekommen war. Ein Patient war an einem myelodysplastischen Syndrom erkrankt, das eine Vorstufe der akuten myeloischen Leukämie ist. Beide Fälle werden derzeit untersucht. Bis zum Ergebnis hat der Hersteller alle Studien zur Gentherapie der Sichelzellanämie eingestellt. Betroffen sind die Phase-1/2-Studie (HGB-206) und die Phase-3-Studie (HGB-210), die derzeit in den USA durchgeführt werden (keine deutsche Beteiligung). © rme/aerzteblatt.de

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