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Politik

CRISPR/Cas: Nachholbedarf bei Translation von Forschungser­gebnissen

Mittwoch, 24. Februar 2021

Sergey Nivens - stock.adobe.com

Berlin – Deutschland ist bezüglich der CRISPR/Cas-Forschung international führend, hat aber deutliche Defizite bei der Anwendung und Kommerzialisierung der Genschere. Zu diesem Fazit kommt die Exper­tenkommission Forschung und Innovation (EFI)in ihren diesjährigen Jahresgutachten, das sie heute virtu­ell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergab.

Darin beschreiben die Experten, die seit 2008 die Bundesregierung wissenschaftlich beraten sowie die Stärken und die Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und im zeitlichen Vergleich aufzei­gen, die Bedeutung der Genschere CRISPR/Cas in der Medizin.

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Ein großes Potenzial liege insbesondere im Bereich der somatischen Gentherapie, erklärte Carolin Häuss­ler von der Universität Passau im Anschluss an die Übergabe. Hier gehe ein hoher Patientennutzen mit ökonomischen Wertschöpfungspotenzialen einher. Um diese heben zu können, bedürfe es jedoch weiterer großer Anstrengungen.

„In der Forschung zu CRISPR/Cas steht Deutschland im internationalen Vergleich nach der Anzahl wis­senschaftlicher Publikationen recht gut da und hat im Wesentlichen nur die USA und China vor sich“, er­läuterte der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation, Uwe Cantner von der Uni­versität Jena, dem Deutschen Ärzteblatt.

Bei der Weiterentwicklung der Erkenntnisse zu CRISPR/Cas aus der Wissenschaft in den Bereich der An­wendung falle Deutschland im internationalen Vergleich allerdings zurück. „Bei den Patenten liegt es nun auch hinter Ländern wie Südkorea, der Schweiz, Japan und Großbritannien zurück, die bei Publika­tionen zum Teil deutlich hinter Deutschland rangieren“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler.

Dies deute auf Probleme bei der Translation hin. Das Problem verstärkte sich noch, da Deutschland auch auf der weiteren Anwendungsstrecke mit der Anzahl der klinischen Studien international nicht mithalten könne, so Cantner.

Bürokratische Hürden erschweren Umsetzung

„Bei der Kommerzialisierung von CRISPR/Cas durch deutsche Unternehmen fällt auf, dass es sich hierbei eher um Großunternehmen handelt, während in den USA überwiegend junge, neugegründete Unterneh­men diese Aufgabe übernehmen.“ An Attraktivität verliere der Standort Deutschland für diese Art der Forschung und der Umsetzung aber auch aufgrund bürokratischer Hürden.

Nach Ansicht der EFI müssten alle Genehmigungsverfahren rund um CRISPR/Cas sowie klinische – „im­mer unter der Maxime der Wahrung von Sicherheit und ethischer Vertretbarkeit“ – so gestaltet werden, dass der administrative Aufwand für Forscherinnen und Forscher reduziert werde. Es sollte ermöglicht werden, miteinander verwandte Anträge und Genehmigungsverfahren zu bündeln, so Wirtschafts­wis­senschaftlerin Häussler.

Zudem regt die Kommission weitere Maßnahmen zur Stärkung der Forschung und Translation auf dem Gebiet der Genschere an. So sollten einige Leuchtturmprojekte an international wettbewerbsfähigen deutschen Standorten ausgebaut oder neu geschaffen werden.

Bei diesen Leuchtturmprojekten sollte insbesondere die Überführung der wissenschaftlichen Erkennt­nisse in die medizinische Anwendung einen hohen Stellenwert erhalten. Ferner sollten Kooperationen und Arbeitsgruppen initiiert und gefördert werden, die durch eine frühe Interaktion zwischen Forschung und klinischer Praxis die Überführung in die Anwendung unterstützen und Innovationen hervorbringen.

Um die Forscher zu vernetzen, empfiehlt die Kommission, ein deutsches Gentherapiezentrum einzu­rich­ten, das die Rolle eines Kompetenzzentrums für die Überführung von der Grundlagenforschung und prä­klinischen Forschung in die klinische Anwendung einnehmen könnte.

Zukunftsfonds schnell umsetzen

Aber auch auf finanzielle Aspekte geht die Kommission ein: Da die langen Forschungs- und Entwick­lungszyklen mit einem enormen Finanzierungsbedarf und hohem Risiko einhergingen, sei es ratsam, „die Rahmenbedingungen für die Bereitstellung von privatem Wagnis- und Wachstumskapital zu verbessern“.

Zu begrüßen sei die Einrichtung des „Zukunftsfonds“, der sowohl bahnbrechende Technologien, speziell im Bereich der Biotechnologie, als auch große Finanzierungsrunden für Start-ups und deren Skalierung unterstützen soll.

Dieser sollte nach Ansicht der Experten möglichst rasch umgesetzt werden. Wichtig sei es aber auch, die Gesellschaft regelmäßig über die mit CRISPR/Cas verbundenen Potenziale und Risiken zu informieren und die gesellschaftlichen Diskussionen dazu weiterhin zu führen. © ER/aerzteblatt.de

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