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Politik

„Viele wissen nicht, was sie mit einem positiven Schnelltest tun sollen“

Montag, 22. Februar 2021

Berlin – Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) bleibt in der Pandemie eine wichtige Stütze. Bei den Plänen für Schnelltests für alle Bürgern könnten neue Herausforderungen auf die Gesund­heitsämter zu kommen. Und dort ist die Digitalisierung von gemeinsamer Software noch nicht umge­setzt. Ute Teichert, Vorsitzende des Berufsverbandes der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesund­heits­dienst (BVÖGD), fordert klare Kommunikationskonzepte und fordert die Ämter auf, gemeinsame Systeme wie SORMAS zur Kontaktnachverfolgung zu nutzen.

Deutsches Ärzteblatt: Frau Teichert, sind Gesundheitsämter auf die Selbsttests, die kurz vor der Einführung auch für den Gebrauch zu Hause stehen, vorbereitet?
Ute Teichert: Wir brauchen hier ein klares Kommunikationskon­zept für die Bevölkerung. Was passiert, wenn ein positives Ergeb­nis angezeigt wird, wie sind dann die Abläufe? Es muss klare Re­geln geben, ob es bei einem positiven Test direkt ein Anrecht auf einen PCR-Test gibt. Und dass Menschen direkt zu Hause bleiben und sich konsequent isolieren, wenn sie Symptome haben.

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Auch das muss ein Jahr nach Beginn der Pandemie weiter aktiv kommu­niziert werden. Gerade auch in Bevölkerungsteilen, die we­gen Bil­dung und Sprachbarrieren bislang kaum erreicht wurden. Zusätz­lich müssen die Handlungsanweisungen an den ÖGD ein­heitlich sein, was in welchem Fall zu tun ist.

: Schnelltests gibt es ja bereits für Heime sowie in einigen Bun­­desländern für Schulen und Kindertagesstätten. Welche Erfah­rungen gibt es bereits mit den Abläufen bei positiven Selbsttests?
Teichert: Viele wissen bislang nicht, was sie mit einem positiven Schnelltest dann machen sollen. Daher muss sinnvolle Testkon­zepte geben, wie oft in den Einrichtungen per Schnelltest sowie per PCR getestet wird. Es muss weiter auch mit PCR-Pooling gearbeitet werden. Mit mehr Tests in den kommenden Wochen werden die Zahlen in den Statistiken zwar zunächst steigen. Aber das darf nicht irritieren. Ziel muss sein, die Infektions­ketten zu unterbrechen.

: Zur Digitalisierung: Nach all den Bemühungen auf politischer Ebene, wo liegt das Problem bei der Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdiensts?
Teichert: Das Problem ist vielschichtig: Viele Ämter haben sich digitale Lösungen selbst programmieren lassen oder sich mit der Situation arrangiert. Da ist es verständlich, dass man jetzt nicht mitten in der Pandemie ein anderes System will. Aber es ist schade, dass wir die Infektionsketten und Kontakte nicht besser überwachen können.

: Ihr Appell an die Ämter ist also klar, dass einheitliche Systeme genutzt werden sollen?
Teichert: Eindeutig ja, jetzt muss umgerüstet werden. Auch wenn es in diesem Moment zusätzliche Anstrengungen bedeutet. Dabei geht es nicht darum, dass alle Ämter perspektivisch ein System nutzen. Doch der sichere Austausch der Daten muss funktionieren, das heißt: Wir brauchen entsprechende Schnittstellen und Datenformate.

: Wenn Sie die Pandemieentwicklung seit einem Jahr beobachten, haben die politischen Entschei­dungs­träger gerade in Bezug auf den ÖGD zu wenig gelernt?
Teichert: Die Erkenntnisse in der Politik sind definitiv gewachsen. Sie müssen nur in der Praxis umge­setzt werden. Mit den zusätzlichen Hilfskräften passiert zwar kurzfristig etwas. Aber die Pandemie wird nicht an einem Tag X vorbei sein, das wird länger dauern. Und da wird es auch nicht am Tag X Lange­wei­le in den Ämtern geben, sie müssen jetzt langfristig ausgebaut werden. Der Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst läuft für fünf Jahre, aber auch darüber hinaus muss es weiter gehen. © bee/aerzteblatt.de

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