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Ausland

Israels Grüner Pass bringt Erleichterungen für Coronageimpfte

Montag, 22. Februar 2021

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu präsentiert auf einer gestrigen Pressekonferenz den grünen Impfpass für Coronageimpfte. /picture alliance, POOL Yediot Ahronot, AP, Tal Shahar

Tel Aviv – Israel hat gestern spezielle Erleichterungen für Bürger eingeführt, die gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft oder nach einer Erkrankung genesen sind. Mit einem Grünen Pass dürfen sie unter anderem wieder Fitnessstudios, Hotels, Theater oder Sportereignisse besuchen.

Israels Ge­sund­heits­mi­nis­ter Juli Edelstein schrieb bei Twitter, mehr als 3,2 Millionen Israelis könnten ab sofort diese Vorteile genießen. Ziel ist es, die Wirtschaft im Land wieder anzukurbeln. „Der Grüne Pass öffnet das Land schrittweise wieder“, sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu am vorgestern Abend.

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Die Impfkampagne in Israel ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr weit fortgeschritten. Das Land mit seinen 9,3 Millionen Einwohnern gilt als Vorreiter. Inzwischen kann sich jeder Bürger im Alter ab 16 Jah­ren impfen lassen. Die Infektionszahlen im Land sind weiterhin vergleichsweise hoch, in den vergan­ge­nen Wochen jedoch stetig gesunken.

Im Rahmen eines zweiten Öffnungsschritts nach einem wochenlangen Lockdown wurden gestern auch Einkaufszentren, Museen, Bibliotheken und Gebetshäuser für Nicht-Geimpfte geöffnet. Dort müssen wei­ter die Coronaregeln wie Maskenpflicht und Abstand eingehalten werden. Auch die Schulen wurden für weitere Klassen geöffnet.

In Israel kann sich jeder Genesene sowie jeder Geimpfte eine Woche nach der zweiten Impfung einen Impfausweis online erstellen. Persönliche Informationen sind mittels eines einfachen QR-Codes ablesbar. Besitzer eines solchen Impfausweises können sich dann einen Grünen Pass ausstellen lassen, unter an­de­rem über eine spezielle App.

Am ersten Tag verlief allerdings nicht alles glatt: Die App „Ramzor“, über die man auf Smartphones den Grünen Pass erstellen kann, stürzte etwa bei zahlreichen Anwendern immer wieder ab. Das Gesundheits­ministerium teilte daraufhin mit, in den ersten zwei Wochen könne alternativ auch der Impfausweis vor­gezeigt werden.

Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium hat mit der Polizei Maßnahmen vereinbart, die Fälschungen verhindern sollen. Bei Verstößen drohen Unternehmen saftige Bußgelder, Fälschern des Grünen Passes hatte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Juli Edelstein sogar mit Haftstrafen gedroht.

Von Elternseite gab es heftige Kritik daran, dass in den Mittelschulen der Fernunterricht per Videokonfe­renz-Software Zoom weitergeht, während die Einkaufszentren bereits geöffnet sind. Auch Impfgegner kritisierten die Vorteile, die der Grüne Pass ermöglicht, als ungerecht und illegitimes Druckmittel seitens der Regierung.

Die Leiterin einer Fitnesskette sprach dagegen gestern von einer „fantastischen Öffnung“. Die Geimpften, die nach Monaten wieder im Studio Sport machen könnten, seien „glücklich darüber, dass sie eine grüne Insel betreten, auf der ihnen keine Gefahr droht“, sagte sie der Nachrichtenseite ynet.

Das israelische Nationaltheater Habima in Tel Aviv stellte nach der Wiedereröffnung gestern am Eingang einen Bildschirm mit Gesichtserkennungssoftware auf. „In der Coronakrise können wir allen Einrich­tun­gen helfen, die rasch sehr viele Leute einlassen und ihre Identität überprüfen müssen“, erklärte Ejal Fi­scher vom Startup Preciate den Einsatz.

Die Software brauche nur eine Sekunde für die Erkennung und könne auch Fälschungen verhindern, sagte Fischer. Theaterbesucher könnten ihren Ausweis mit Bild entweder online einscannen oder sich beim ersten Besuch vor Ort registrieren lassen. Dem Nationaltheater habe man die Software gespendet, sie koste für gewöhnlich monatlich bis zu 1.500 Schekel (rund 380 Euro) pro Station mit Bildschirm.

Insgesamt wurden in Israel seit dem 19. Dezember rund 4,3 Millionen Erst- und fast drei Millionen Zweitimpfungen verabreicht. Zum Vergleich: Deutschland hat etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel. Dort erhielten bislang knapp 3,2 Millionen Menschen eine erste und knapp 1,7 Millionen auch eine zweite Impfung. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 23. Februar 2021, 09:11

Der israelische Feldversuch

Die israelische Strategie ist riskant. Aber es ist jedenfalls 1 Versuch, aus der virusbedingten Stagnation einen Ausweg zu finden. Es ist abzusehen, daß die deutschen Lockerungsstrategen versuchen werden, sich auf das israelische Experiment zu berufen. Daher sei nachdrücklich auf die Randbedingungen, unter denen die israelische Strategie stattfindet, hingewiesen - denn DIE werden die selbsternannten deutschen "Freiheitskämpfer" gerne übersehen. Der deutschen Regierung sei nachdrücklich empfohlen, an dem strikten Beschränkungskurs festzuhalten, dabei aber das israelische Experiment gut im Blick zu behalten - bis man belastbare Schlüsse daraus ziehen kann.
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