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Medizin

Gonarthrose: Krafttraining allein kann Kniebeschwerden nicht lindern

Mittwoch, 7. April 2021

yodiyim - stock.adobe.com

Winston-Salem/North Carolina – Ein Muskelaufbau gehört zu den Grundprinzipien der Physiotherapie einer Gonarthrose. Doch ein intensives Muskeltraining allein konnte in einer randomisierten klinischen Studie die Beschwerden der Patienten nicht lindern, noch war nach den jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.0411) publizierten Ergebnissen eine Entlastung des Kniegelenks nachweisbar.

Adipositas und Bewegungsmangel sind wichtige Risikofaktoren für eine Gonarthrose. Vor 8 Jahren hatte ein Team um Stephen Messier von der Wake Forest University in Winston-Salem/North Carolina in der „Intensive Diet and Exercise for Arthritis“ oder IDEA-Studie zeigen können, dass die Kombination aus einer Reduktionsdiät mit sportlichen Übungen die Belastung des Kniegelenks beim Gehen senkt und die Schmerzen lindert. Auch die Entzündungsreaktionen im Körper gingen – gemessen an der IL 6-Konzentration – zurück.

Der größte Effekt wurde damals durch die Diät erzielt, unter der die Teilnehmer 8,9 kg abnahmen. Das Sportprogramm, eine Kombination aus Fitness- und Krafttraining senkte das Gewicht um 1,8 kg, hatte aber ohne Diät nur minimale Auswirkungen auf das Kniegelenk.

In der aktuellen Studie verfolgte das Team um Messier eine andere Strategie. Auf die (von den Patienten wenig geliebte) Diät wurde verzichtet. Das Sportprogramm konzentrierte sich allein auf ein Krafttraining, das jedoch intensiviert wurde.

Am „Strength Training for ARthritis Trial“ (START) nahmen 377 Patienten im Alter von im Mittel 67 Jahren teil, die bei einem mittleren Body-Mass-Index von 31 kg/m2 in der Mehrzahl adipös waren. Bei einem radiologischen Kellgren-Lawrence-Score von 2 bis 4 wiesen sie minimale bis schwere Gelenkverände­run­gen auf. Die Schmerzen gaben sie im WOMAC-Fragebogen („West Ontario McMaster Universities Osteoarthritis Index“) im Mittel mit 7 von maximal 20 Punkten (extremer Schmerz) an.

Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip auf 3 Gruppen verteilt. 2 Gruppen nahmen über 18 Monate an einem Krafttraining teil, die 3. Gruppe traf sich regelmäßig zunächst alle 2 Wochen, dann monatlich zu einer Gruppensitzung, in der sie Gesundheitstips erhielten.

Das Krafttraining fand 3 Mal in der Woche für jeweils 1 Stunde statt. Nach den ersten 4 Sitzungen wurde bei jedem Teilnehmer die maximale Kraft bestimmt, mit der sie das jeweilige Gewicht 1 Mal anheben konnten („1 Repetition maximum“, 1RM). In der „High-Intensity“-Gruppe wurde in der Folge versucht, die 1RM kontinuierlich zu steigern, in der „Low-Intensity“-Gruppe begnügten sich die Teilnehmer damit, die Übungen mit 30 bis 40 % der 1RM durchzuführen ohne den Ehrgeiz einer Verbesserung.

Zu den Übungen gehörten Beinbeugung, Beinstreckung und Beinpresse, sitzendes Wadenheben, Hüft­abduk­tion und Hüftadduktion. Hinzu kamen noch 4 Übungen für den Oberkörper.

Die primären Endpunkte waren die Schmerzen im WOMAC und die Kompressionskräfte auf das Knie beim Laufen. Dieser Wert wurde auf einer speziellen Plattform gemessen und mit dem Bewegungsablauf in Beziehung gesetzt. Ein niedriger Wert gibt eine geringe (gewünschte) Belastung des Kniegelenks an.

Nach 18 Monaten hatte sich der Knieschmerz in der „High-Intensity“-Gruppe war von 7,0 auf 4,9 Punkte verbessert. Das war allerdings weniger als in der „Low-Intensity“-Gruppe, wo der Schmerz von 7,4 auf 4,5 Punkte zurückging. In der Kontrollgruppe verbesserte sich der Schmerz von 7,2 auf 4,8 Punkte. Die Unter­schiede zwischen den beiden Gruppen waren nicht signifikant.

Bei den Kompressionskräften kam es in allen 3 Gruppen zu einer Verschlechterung. Sie fiel zwar in der „High-Intensity“-Gruppe mit 89 Newton geringer aus als in der „Low-Intensity“-Gruppe mit 116 Newton oder 162 Newton in der Kontrollgruppe. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant.

Dabei war das intensive Muskeltraining nicht ohne Wirkung geblieben. Die Kraft bei der Kniebeugung stieg von 35,0 auf 51,5 Newtonmeter. Das waren 7,6 Newtonmeter mehr als in der Kontrollgruppe. Noch besser war die Kraft mit 52,6 Newtonmeter jedoch in der „Low-Intensity“-Gruppe. Warum die „High-Intensity“-Gruppe hier tendenziell schlechtere Ergebnisse erzielte als die „Low-Intensity“-Gruppe, ist unklar. Möglich erscheint, dass die Gruppe den Bogen überspannt hat.

Ein günstiger Einfluss auf das Fortschreiten der Gonarthrose war nicht erkennbar. Der Gelenkspalt nahm in allen 3 Gruppen während der 18 Monate im Mittel um 0,2 mm ab, was dem natürlichen Verlauf der Erkrankung mit einem Rückgang um 4 bis 5 % pro Jahr entspricht. Auch im Entzündungsparameter IL-6 war kein Unterschied erkennbar.

Der fehlende Nutzen könnte mit den überraschend günstigen Ergebnissen in der Kontrollgruppe zusam­menhängen. Dort profitierten die Teilnehmer möglicherweise von den Tips zur Lebensführung. Der Vergleich mit der IDEA-Studie lässt jedoch auch den Schluss zu, dass eine Physiotherapie ohne Gewichts­reduktion keine große Wirkung erzielt. © rme/aerzteblatt.de

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