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Medizin

Rezeptormangel auf Immunzellen könnte mit schwerem COVID-19-Verlauf verbunden sein

Dienstag, 23. Februar 2021

/Siarhei, stock.adobe.com

Wien – Das Fehlen oder der Mangel eines Rezeptors auf natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) könnte mit schweren Verläufen von COVID-19 verbunden sein. Das berichten Wissenschaftler aus dem Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien im Fachmagazin Genetics in Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41436-020-01077-7).

Die antivirale Immunantwort durch NK-Zellen ist im Normalfall ein wichtiger Schritt, um die Virus­vermehrung bereits in der Anfangsphase der Infektion zu bekämpfen. Diese Killerzellen weisen auf ihrer Oberfläche spezielle aktivierende Rezeptoren auf, unter anderem den NKG2C-Rezeptor. Dies ist ein akti­vierender NK-Zellrezeptor, der vom sogenannten KLRC2-Gen kodiert wird und an HLA-E auf infizierten Zellen bindet, was zur NK-Zellaktivierung und letztlich zur Zerstörung der infizierten Zelle führt.

„Eine heterozygote oder homozygote KLRC2-Deletion (KLRC2del) kann natürlich vorkommen und ist mit einer signifikant niedrigeren oder fehlenden NKG2C-Expression verbunden“, berichten die Wissenschaft­ler. Aufgrund dieser Genvariation fehle bei 4 % der Bevölkerung dieser aktivierende Rezeptor NKG2C, bei circa 30 % der Population sei der Rezeptor vermindert. Auch die Ausbildung von HLA-E auf den Ziel­zellen unterliege genetischen Variationen.

Die Forscher um Elisabeth Puchhammer-Stöckl untersuchten das Vorkommen von NKG2C-Mangel oder -Fehlen sowie HLA-E-Variationen in einer Studienkohorte von 361 Patienten mit entweder leichtem (N = 92) oder schwerem (N = 269) COVID-19-Verlauf.

Sie zeigen in ihrer Arbeit, dass Personen, die mit COVID-19 hospitalisiert werden mussten, signifikant häufiger die dem Fehlen des Rezeptors zugrundeliegende Genvariation aufwiesen als Personen mit milden Verläufen.

„Besonders häufig war das Fehlen des Rezeptors bei Patienten die mit COVID-19 auf Intensivstationen behandelt werden mussten, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Auch genetische Variationen am HLA-E der infizierten Zelle waren mit der Schwere der Erkrankung assoziiert, wenn auch in geringerem Ausmaß“, so Puchhammer-Stöckl. „Beide genetischen Varianten waren unabhängige Risikofaktoren für schwere COVID-19“, so ihr Fazit.

Die Wissenschaftler folgern, dass diese genetischen Varianten in der NKG2C/HLA-E-Achse einen signifi­kanten Einfluss auf die Entwicklung von schweren SARS-CoV-2-Infektionen haben und helfen könnten, Patienten mit hohem Risiko für schwere COVID-19 zu identifizieren. © hil/aerzteblatt.de

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