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Politik

Corona: Digitaler Impfnachweis soll auch in Deutschland kommen

Mittwoch, 24. Februar 2021

/Fokussiert, stock.adobe.com

Berlin – Auch in Deutschland soll es künftig einen digitalen Impfnachweis über eine erhaltene Corona­impfung gegen SARS-CoV-2 geben. Aktuell gehe man davon aus, dass dieses Angebot zum Ende des zweiten Quartals 2021 bereitgestellt werden könne, heißt es vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG).

Bereits am 21. Januar habe der Europäische Rat beschlossen, einen interoperablen, also mittels verschie­dener Systeme bedien- und einsehbaren, standardisierten Impfnachweis auf den Weg zu bringen. „Deutsch­land wird diese europäische Entscheidung nun schnell umsetzen“, so das BMG.

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Der digitale Impfnachweis soll ein freiwilliges Angebot sein. Jede Person mit Impfanspruch könne sich den Nachweis unabhängig von der Staatsbürgerschaft ausstellen lassen. Der Impfnachweis im gelben Impfpass aus Papier soll den Angaben zufolge weiterhin seine Gültigkeit behalten.

Ab dem 1. Januar 2022 werden Versicherte zudem die Möglichkeit erhalten, alle ihre Impfungen digital auf der elektronischen Patientenakte (ePA) speichern zu lassen. Der separate digitale Impfnachweis für die Coronaimpfung soll dann nicht mehr nötig sein.

2D-Code wird mit dem Smartphone eingescannt

Bei dem Nachweis wird es sich um einen 2D-Code handeln, den jeder Geimpfte sich laut BMG in der Arztpraxis oder in einem Impfzentrum erstellen lassen kann. 2D-Codes können beispielsweise QR-Codes sein.

Über eine Smartphone-App, die kostenfrei in gängigen Appstores bereit stehen soll, sollen Nutzer den Code abscannen können oder ihn als Ausdruck mitnehmen und zu einem anderen Zeitpunkt einscannen. Die App soll die Impfbescheinigung dann lokal auf dem Smartphone speichern.

Der 2D-Code soll den Angaben zufolge nur einmalig ablesbar sein, die Impfbescheinigung wird somit nur auf dem einlesenden Gerät gespeichert. Dazu, was Nutzer im Fall des Verlusts des Smartphones, bei einem Gerätewechsel oder bei versehentlicher Löschung der Daten unternehmen können, machte das BMG zunächst keine Angaben. Eine dauerhafte Speicherung in einem zentralen System ist nicht vorge­sehen.

Auch welche Informationen der digitale Impfnachweis enthalten soll, steht noch nicht fest. Er soll nach Angaben des BMG nur die Information enthalten, ob die Impfung gültig ist, „gegebenenfalls“ aber auch die Chargennummer, den Namen des Geimpften und „gegebenenfalls“ dessen Geburtsdatum.

Restaurants, Fluglinien, Hotels und andere Dienstleister sollen sich eine Prüf-App herunterladen können. „Damit kann der Impfstatus ähnlich wie ein Barcode eines Flug- oder Bahntickets dann gescannt wer­den“, heißt es in einer Erklärung der Behörde.

Zur Überprüfung sollen Geimpfte gegebenenfalls ergänzend einen Lichtbildausweis vorlegen. Der digita­le Impfnachweis soll kryptographisch vor Veränderung geschützt werden, auch die Bindung an ein Smart­phone solle die Vervielfältigung der Codes und somit Fälschungen verhindern, so das BMG.

Wer genau die App und das zugehörige System entwickeln wird, ist bislang noch nicht öffentlich be­kannt. Laut BMG soll über eine „Dringlichkeitsvergabe“ ein geeignetes Unternehmen direkt beauftragt werden. Ein Teilnahmewettbewerb entfällt damit.

In Israel, wo in der vergangenen Woche der sogenannte „Green Pass“ als digitaler Impfnachweis an den Start ging, hatte es zuletzt große Probleme mit Fälschungen gegeben. Experten kritisierten, dass der auf dem digitalen Dokument hinterlegte QR-Code nicht ausreichend verschlüsselt sei und Unbefugte leicht auf die dahinterliegenden Informationen zugreifen konnten, zu denen auch Name und Geburtsdatum der Geimpften zählen.

Mit finanzieller Förderung der Regierung hat in Großbritannien das auf Gesichtsverifikation spezialisierte Unternehmen iProov gemeinsam mit einem Entwickler von Identitätsmanagementlösungen, der Firma Mvine ein alternatives Impfzertifikat entwickelt, das ganz ohne Daten der Geimpften auskommen soll.

„Ein Impfzertifikat muss nur belegen, dass eine Person eine bestimmte Impfung erhalten hat, alle ande­ren zusätzlichen Informationen sind irrelevant“, erklärte iProov-CEO Andrew Bud. „Unsere Version enthält nur zwei Komponenten, ein validiertes Zertifikat, das kann ein QR-Code sein oder auch nur eine Zahlen­abfolge, und ein biometrisches Bild für eine anonyme Gesichtsverifikation. Sonst nichts. Dieses hohe Maß an Privatsphäre reduziert die Sorgen um die Sicherheit von Daten.“

„Impfnachweise auf Papier sind völlig veraltet“

Berlin – Fluglinien, Hotels oder Restaurants steht es frei, eine Impfung gegen COVID-19 zur Zutrittsvoraussetzung zu machen. Mit der wachsenden Zahl an Geimpften stellt sich zunehmen die Frage, wie der Nachweis über die Impfung möglichst fälschungssicher aber ohne großen logistischen Aufwand erbracht werden kann. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat für Deutschland nun einen digitalen Impfnachweis [...]

Die Zertifikate und biometrischen Bilddateien liegen zentral auf zwei verschiedenen Servern, auf die jeder per App zugreifen kann. Etwa bei einem Restaurantbesuch kann der Code dann abgescannt oder der Zahlencode eingegeben werden und per Gesichtsverifikation mit der Handykamera wird geprüft, ob das Gesicht der Person mit dem unter dem Code hinterlegten biometrischen Bild übereinstimmt.

Ein Smartphone ist für die Geimpften dabei nicht zwingend notwendig. „Ältere Menschen können sich die Zahlencodes beispielsweise in einem Notizbuch aufschreiben. Mit digitalen Lösungen, die technische Geräte voraussetzen oder nur auf den neusten Modellen funktionieren, kreiert man eine Zweiklassen­ge­sellschaft. Das wollten wir vermeiden“, so Bud.

Ob die britische Regierung das von iProov mitentwickelte Impfzertifikat einsetzen wird, ist noch nicht entschieden. Derzeit befindet sich die Anwendung in einer Testphase und kommt unter anderem in Teilen des Öffentlichen Nahverkehrs zum Einsatz. © alir/aerzteblatt.de

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