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Medizin

RKI: Über die Hälfte der Bevölkerung hätte bei COVID-19 ein erhöhtes Risiko

Donnerstag, 25. Februar 2021

/picture alliance, SvenSimon

Berlin – Jeder 2. Deutsche über 15 Jahre hätte im Fall einer SARS-CoV-2-Infektion ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf von COVID-19. Dies geht aus einer Studie im Journal of Health Monitoring (2021: DOI: 10.25646/7858) hervor. Unter den Gefährdeten sind überdurchschnittlich viele Männer und Men­schen mit einem niedrigen Bildungsniveau sowie Alleinstehende. Auch ein gewisses West-Ost-Gefälle ließ sich nachweisen.

Als Risikogruppe stuft das Team um Alexander Rommel vom Robert-Koch-Institut (RKI) pauschal alle Personen im Alter ab 65 Jahre ein, sowie solche, die bestimmte Risikofaktoren wie Adipositas und Blut­hochdruck haben, oder mit Vorerkrankungen wie koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus, Asthma, Bronchitis, Leberzirrhose und chronischen Nierenproblemen.

Von diesen Personen gibt es in Deutschland viele, nämlich 36,5 Millionen Menschen. Von denen zählen 21,6 Millionen zur Hochrisikogruppe, weil sie durch Diabetes mellitus, chronische Nierenkrankheiten oder einem Body-Mass-Index von 40 oder mehr besonders stark gefährdet sind. Auch alle Menschen über 65 Jahre zählen zur Hochrisikogruppe.

Da die meisten der genannten Risikofaktoren und Vorerkrankungen im Alter auftreten, sind jüngere Menschen seltener gefährdet. Es gibt jedoch auch unter den unter 60-Jährigen nicht wenige, die ein erhöhtes Risiko auf schwere COVID-19-Verläufe haben. Das RKI-Team beziffert die Zahl auf 15,5 Millionen, von denn 3,0 Millionen sogar ein hohes Gefährdungspotenzial haben.

Gesundheit ist in Deutschland zum großen Teil eine Frage der Bildung. Unter den Menschen mit geringer Bildung gehören 49,2 % zur Hochrisikogruppe, bei mittlerer Bildung sind es nur 21,9 % und bei hoher Bildung 23,9 %.

Der Familienstand hat ebenfalls einen Einfluss: Unter der Hochrisikogruppe sind nur 7,3 % aus Familien mit Kindern, bei den Personen ohne erhöhtem Risiko liegt der Anteil bei 29,1 %. Demgegenüber sind 53,5 % der Hochrisikogruppe alleinstehend. In der Gruppe ohne hohes Risiko sind es nur 30,3 %.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass in den ostdeutschen Bundesländern die Prävalenz von Diabetes, Bluthochdruck, Asthma und COPD höher ist als im Westen, wobei hier der Lebensstil nach Süden hin gesünder wird. Dies wirkt sich auch auf die Coronarisiken aus.

In Ostdeutschland (mit der Ausnahme von Berlin) gehören mehr Menschen zur Risiko- oder zur Hoch­risikogruppe. Einziger „Hotspot“ im Westen ist das Saarland. Dort haben 750.000 Einwohner über 15 ein erhöhtes COVID-19-Risiko. Läge das Saarland bei den Risikofaktoren im Durchschnitt, müssten sich nur 440.000 Saarländer Sorgen machen. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #710698
Friedrichs_Aachen
am Sonntag, 28. Februar 2021, 19:58

Asthma als Risiko? Wer hat die Evidenz auf seiner Seite? Irrt das RKI?

"Somit wird aufgrund der umfangreichen aktuellen Datenlage davon ausgegangen, dass Asthma (aller Schweregrade) kein unabhängiger Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe ist [53]. Es gibt sogar die Vermutung, dass dieses Risiko bei Patienten mit Asthma erniedrigt sein könnte [54 – 56], u. a. aufgrund einer verminderten Expression des für die Aufnahme von SARS-CoV-2 verantwortlichen ACE-2-Rezeptors in den Atemwegen [57]. Dies wurde insbesondere bei Patienten mit Allergien [58] und/oder Typ-2-Entzündung [59 – 62] beobachtet." Zitat aus der Stellungnahme der DGP vom 26.11.2020.
Avatar #873382
JS63
am Freitag, 26. Februar 2021, 14:14

Salutogenese vs. Pathogenese

Wann wird endlich die Form der Kommunikation geändert? Anstelle weiterer reißerischer Artikel ein Hinweis für die Bevölkerung, wo und wie genau selbstwirksam diesem Trend gegengesteuert werden kann. Denn Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, etc. sind seit vielen Jahren ansteigend unsere täglichen Begleiter. Doch versuchen wir lediglich reaktiv anstelle von proaktiv und präventiv diesem kostenträchtigen Trend entgegenzuwirken. Wann findet endlich der so lange ersehnte Paradigmenwechsel statt von der rein biomedizinischen Betrachtungsweise hin zu einer biopsychosozialen, und somit menschlichen Perspektive. Beides, die Schulmedizin Hand in Hand mit Bereichen aus der Psychoneuroimmunologie und anderen interdisziplinären Bereichen. Den Menschen selbst wieder in den Mittelpunkt bringen, die eigenen Kompetenzen stärkend um somit alle Beteiligten zu entlasten. Klingt zu futuristisch? Nein, denn so wird es bereits in einigen Bereichen gelebt und erlebt. E lohnt sich und es wird höchste Zeit. Und vielleicht sind COVID und andere kommende Herausforderungen ein Anstupser für uns als Gesellschaft. Anstelle von Angst, Vertrauen schaffen = Selbst Bewusstsein -> Selbst Vertrauen -> Selbst Sicherheit = Selbstwirksamkeit
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