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Medizin

CAR-T-Zell-Therapie zeigt gute Wirkung bei multiplem Myelom

Donnerstag, 15. April 2021

Das Multiple Myelom entsteht durch die Entartung einer einzigen Plasmazelle, deren Klone sich im Knochenmark ausbreiten. /David A Litman, AdobeStock.com

Boston – Eine CAR-T-Zell-Therapie, die die Abwehrzellen des Körpers im Labor für den Angriff auf Krebs­zellen fit macht, hat in einer internationalen Phase-2-Studie bei Patienten mit austherapiertem multi­plem Myelom langandauernde Remissionen erzielt. Die im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2024850) publizierten Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Zulassung, die in den USA noch im März erfolgen könnte.

Die CAR-T-Zell-Therapie stattet T-Zellen, die per Leukapherese aus dem Blut der Patienten gewonnen werden, im Labor mit einem Gen für einen chimären Antigenrezeptor (CAR) aus. Er soll die Aufmerksam­keit der Abwehrzellen nach der Reinfusion auf die Krebszellen lenken.

Das Prinzip hat sich bereits bei bestimmten Formen der akuten Leukämie und bestimmten Lymphomen bewährt, bei denen die CAR auf das CD19-Antigen von B-Lymphozyten ausgerichtet sind, aus denen die Krebse entstanden sind. Das multiple Myelom kam als weitere Indikation infrage, weil es sich ebenfalls um eine verwandte hämatologische Krebserkrankung handelt.

Die Erkrankung wird durch eine Proliferation von Plasmazellen ausgelöst, die ebenfalls zur B-Zellreihe gehören. Als Angriffsziel bot sich das „B‑cell maturation antigen“ (BCMA) an, das die meisten Plasma­zellen auf ihrer Oberfläche ausbilden.

Nachdem eine Phase-1-Studie gezeigt hat, dass die CAR-T-Zellen die Plasmazellen angreifen, wurde im Dezember 2017 eine internationale Phase-2-Studie (KarMMa) begonnen, an der sich auch mehrere deutsche Zentren (Würzburg, Heidelberg, Hamburg und Tübingen) beteiligten. Insgesamt wurden 128 Patienten mit ide-cel („idecabtagene vicleucel“, vormals bb2121) in 3 verschiedenen Dosierungen behandelt. Wie üblich in derartigen Studien handelte es sich ausschließlich um Patienten, die zuvor erfolglos mit anderen Medikamenten behandelt worden waren.

Die Teilnehmer hatten zwischen 3 und 16 (median 6) frühere Behandlungsversuche hinter sich mit Mitteln aus allen 3 Wirkstoffklassen (immunmodulatorische Medikamente, Proteasominhibitoren und Anti-CD38-Antikörper), die in der Myelomtherapie als effektiv eingestuft werden, die jedoch alle das Krebswachstum nur vorübergehend stoppen können. Bei den meisten Patienten war außerdem eine Stammzellbehandlung versucht worden.

Vor diesem Hintergrund waren Nikhil Munshi vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston und Mitarbei­ter mit den erzielten Ergebnissen mehr als zufrieden. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 13,3 Monaten sprachen 94 Patienten (73 %) auf die Behandlung an. Bei ihnen kam es median 1,0 Monate nach der Infusion der CAR-T-Zellen zu einer messbaren Verringerung der Krebszellen. Bei 42 Patienten (33 %) verschwanden die Krebszellen ganz aus dem Blut. Bei allen 33 der 42 Patienten, bei denen das Knochenmark untersucht wurde, waren auch dort die meisten Krebszellen verschwunden. Dieser negative MRD-Status („minimal residual disease“) bietet die besten Voraussetzungen für eine länger dauernde Remission.

Tatsächlich vergingen bei den 42 Patienten mit stringenter Remission im Mittel 19,0 Monate bis zur erneuten Verschlechterung gegenüber nur 4,5 Monaten bei den 27 Patienten, die am schlechtesten auf die Behandlung angesprochen hatten. Hinzu kommt, dass die Effektivität mit der Dosis der CAR-T-Zellen stieg. Das mediane progressionsfreie Überleben von median 8,8 Monaten (95-%-Konfidenzintervall 5,6 bis 11,6 Monate) und das mediane Gesamtüberleben von 19,4 Monaten in der Gesamtgruppe muss deshalb noch nicht das Ende der therapeutischen Möglichkeiten anzeigen.

Die CAR-T-Zell-Therapie ist jedoch nicht frei von Nebenwirkungen. Bei 117 Patienten (91 %) kam es zu einer Neutropenie, bei 89 Patienten (70 %) zu einer Anämie und bei 81 Patienten (63 %) zu einer Thrombo­zytopenie. Bei 107 Patienten (84 %) kam es zu einem Zytokinfreisetzungssyndrom, bei 7 Patienten (5 %) vom Grad 3 oder höher. Neurotoxische Nebenwirkungen traten bei 23 Patienten (18 %) auf, sie waren bei 4 Patienten (3 %) vom Grad 3, aber niemals höher.

Eine zelluläre kinetische Analyse zeigte, dass die CAR-T-Zellen bei 29 von 49 Patienten (59 %) nach 6 Monaten und bei 4 von 11 Patienten (36 %) auch nach 12 Monaten im Blut nachweisbar waren.

Der Hersteller rechnet sich aufgrund der Ergebnisse der KarMMa-Studie gute Chancen auf eine baldige Zulassung aus. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) prüfen derzeit die Daten. Die FDA will sich bis Ende März entscheiden. © rme/aerzteblatt.de

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