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Politik

Impftermine: Regionale Parallelsysteme

Mittwoch, 3. März 2021

/picture alliance, CHROMORANGE, Christian Ohde

Berlin – Bei der Vergabe von Impfterminen gehen die Bundesländer oft eigene Wege. Teilweise benötigt es einer Einladung, andernorts sind Telefonhotlines eingerichtet, wieder andere setzen auf eine selbst­ständige Onlineanmeldung. Gleichzeitig drängen private Anbieter darauf, mit ihren Systemen den Ablauf zu beschleunigen.

Die Impfung von 83 Millionen Menschen wird zur organisatorischen Mammutaufgabe. Dazu erhält das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) die Impfstofflieferungen und verteilt sie an die jeweiligen geheim gehaltenen Lager der Bundesländer. Die weitere Logistik liegt in der Verantwortung der Landesregie­run­gen und ihrer Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Gemeinsam betreiben sie Impfzentren, planen den Einsatz mobiler Impfteams und vergeben die Termine.

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Doch die Kritik an den verschiedenen Vorgehensweisen der Länder wächst, zum Beispiel aufgrund langer Wartezeiten in den eingerichteten Telefonhotlines oder fehlender flächendeckender Wartelisten für Bür­ger aller Bundesländer. Mit Blick auf die vermeintlichen Schwächen der föderalen Organisation bieten einige private Unternehmen ihre Systeme an.

Berlin ist als erstes Bundesland eine Kooperation mit einem solchen privaten Anbieter eingegangen, dem verbreiteten Terminplanungssystem Doctolib. Wer sich zur Impfung anmelden möchte, muss seine persönlichen Daten auf der Webseite des Unternehmens preisgeben.

Ähnliches will der Plattformbetreiber „Principia“ anbieten. Laut eigener Aussage hat er eine Software­lösung „zur Koordination der Coronaimpfung von Mitarbeitern im Gesundheits- und Sozialwesen“ in Zu­sammenarbeit mit dem Universitätsklinikum rechts der Isar in München entwickelt.

Die mithilfe von Risikokapitalanlegern finanzierte „Impfbrücke“ wiederum will nach eigenen Angaben ein „Werkzeug für Impfzentren“ sein, mit dem bekannte Impfwillige schnell per SMS über kurzfristige freie Termine informiert werden könnten. Sie wirbt auf ihrer Internetseite damit, seit Mitte Februar in Duisburg im Einsatz zu sein.

Nach Informationen des Nachrichtenportals „Kommunal.de“ hat auch die Kreisverwaltung Borken in Nordrhein-Westfalen ein eigenes Vergabesystem „bei einem im Landkreis ansässigen namhaften Soft­ware­unternehmen in Auftrag gegeben“. Es soll parallel zur zentralen Impfterminvergabe der Kassen­ärztlichen Vereinigungen (KVen) laufen.

Damit würden die Vorgaben des Landes nicht übergangen, da die Terminvergabe für die über 80-Jähri­gen weiter über das KV-System laufe, schreibt die Onlinezeitung. Borken ist der Wahlkreis von Bundes­gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

„Wir wollten ein System schaffen, mit dem wir schnell und flexibel auf neue Gegebenheiten wie größere und kleinere Intervalle zwischen Erst- und Zweitimpfung reagieren können“, sagte Landrat Kai Zwicker (CDU) auf Anfrage von „Kommunal.de“. Die Pandemie habe gezeigt, „wie schnell sich manche Dinge än­dern können", so der Politiker.

Medizinisches Personal muss, zusätzlich zu einem Lichtbildausweis und der generierten Terminbestä­ti­gung, eine Beschäftigungsbescheinigung des Arbeitgebers zum Impftermin mitbringen.

Terminvergabe je KV-Bezirk unterschiedlich

Bürger in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Sachsen-Anhalt und im KV Bereich West­falen in Nordrhein-Westfalen (nicht für das Rheinland) können ihren Termin über den digitalen Impfterminservice der KVen buchen.

Dort kann mit wenigen Klicks der Impfanspruch geprüft werden, woraufhin ein Vermittlungscode per E-Mail oder SMS verschickt wird. Alternativ ist die Anmeldung über die Hotline 116117 möglich. Der Code ermöglicht die Anmeldung in dem Impf­zentrum der Wahl.

Einen ähnlichen Zugangscode erhalten Impfberechtigte in Berlin und Hamburg auch ohne eigenes Zutun per Einladungsbrief. Die Adressen werden dazu aus den jeweiligen Melderegistern gezogen. Die Termine können in der Hauptstadt anschließend online über die Terminplanungssoftware Doctolib gebucht wer­den. Hierzu benötigt es einer Registrierung. Zudem gibt es eine landeseigene Telefonnummer, über die Impftermine vergeben werden können.

Ähnlich läuft es beispielsweise in Bremen und Bayern. Doch dort laden die Impfzentren selbst diejenigen ein, die nach der Impfreihenfolge des BMG an der Reihe sind. In Bayern können zudem Impfwillige auf einem eigens geschaffenen Internetportal ihre Daten hinterlegen, auch wenn sie nach der bundesweiten Priorisierung noch nicht an der Reihe sind. Sie werden automatisch informiert, wenn sie einen Termin bekommen können. Personen ohne Internetzugang sollen sich telefonisch direkt bei dem Impfzentrum ihrer Wahl melden.

In Bremen ist eine eigenständige Anmeldung zur Impfung nicht möglich. So steht es auf der Seite der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen laden nach eigenen Angaben alle über 80-Jährigen postalisch zum ersten Impftermin ein.

Für alle anderen, inklusive dem medizinischen Personal, hat Mecklenburg-Vorpommern eine landes­spe­zifische Hotline eingerichtet. Ein digitales System gibt es hier nicht. In Schleswig-Holstein läuft es genau andersherum: Hier können nur die Ältesten, die eingeladen wurden, telefonisch Termine verein­baren. Alle anderen sollen ausschließlich das eigene Onlineportal nutzen.

In Nordrhein-Westfalen ist es komplizierter. Hier gibt es zwei Nummern, jeweils für den KV-Zuständig­keits­bereich Rheinland und Westfalen, sowie zwei getrennte Onlinebuchungssysteme: Termine in West­falen können über das zentrale System der KV gebucht werden. Das Portal gibt jedoch keinerlei Hinweis darauf, dass nur ein Teil des Bundeslands dort seine Termine bekommt. Das Rheinland hat ein eigen­stän­diges System.

Thüringen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland laden nicht aktiv zur Coronaimpfung ein. Dafür verfügen die Länder sowohl über jeweils eigene Hotlines als auch eigene Anmeldewebsiten. In Niedersachsen und dem Saarland können sich dort aktuell impfberechtigte Bürgerinnen und Bürger zudem auf eine Warteliste setzen (in Niedersachsen aktuell nur über 80-Jährige, Stand 2.3.2021). In Thüringen ist die Telefonnummer der Hotline nur auf den Informationsseiten der KV zu finden.

Auch Sachsen verschickt keine Impfeinladungen. Das Land betreibt in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz ein Onlineanmeldeverfahren und einen eigenen Telefonservice. © jff/aerzteblatt.de

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