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Medizin

SARS-CoV-2: Unterschiedliche Übertragungswege in Schulen und Kitas

Montag, 1. März 2021

/ShunTerra, stock.adobe.com

Heidelberg – In Schulen und Kitas kommt es unter den derzeitigen Hygienemaßnahmen insgesamt selten zur Übertragung von SARS-CoV-2. Die Befallsraten waren nach den Ergebnissen einer Unter­suchung aus Rheinland-Pfalz in medrxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.02.04.21250670) in den Kitas deutlich höher als in den Schulen. In Kitas gingen die Infektionen in erster Linie von den Betreuern aus, in den Schulen spielte sich das Infektionsgeschehen vor allem unter den Schülern ab.

Schulen und Kindertagesstätte standen lange im Verdacht, die Pandemie zu fördern. Sie blieben deshalb im ersten Lockdown weitgehend geschlossen. Seit dem Ende der Sommerferien hat ein Team um Philipp Zanger vom Institut für Global Health der Universität Heidelberg zusammen mit dem Landesunter­suchungsamt Rheinland-Pfalz in Koblenz die Übertragungsmuster an Schulen und Kitas des Landes untersucht. Die Grundlage bildeten die Ergebnisse aus den Kontaktuntersuchungen der einzel­nen Untersuchungsämter aus den Monaten August bis Dezember 2020.

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Das erste Ergebnis war, dass auch an Schulen und Kindertagesstätten die Superspreaderregel gilt, wonach etwa 20 % der Infizierten für 80 % der Ansteckungen verantwortlich sind. In der Studie waren 81 der 441 Indexfälle (18 %), die genau untersucht werden konnten, für 196 Folgeinfektionen verant­wortlich. Für die übrigen 360 Indexpersonen (82 %) wurde kein einziger Folgefall identifiziert.

Insgesamt ermittelten die Forscher eine Befallsrate („secondary attack rate“) von 1,34 %, die damit geringer ausfällt, als allgemein für Schulen und Kitas angenommen wird. Diese niedrige Rate gilt vor dem Hintergrund der anflutenden 2. Welle und den damals geltenden Hygieneregeln mit physischer Distanz, regelmäßigem Lüften, der häufigen Desinfektion von Oberflächen und einer allgemeinen Maskenpflicht, die ab November auch für den Aufenthalt in den Klassenzimmern galt.

In den Kitas war das Übertragungsrisiko insgesamt 2,9 mal höher als in den Schulen. Die meisten Indexfälle gab es hier unter den Erzieherinnen und Erziehern. Diese steckten etwa zur Hälfte andere Erzieherinnen und Erzieher und zur Hälfte die betreuten Kinder an. Übertragungen unter den Kindern waren selten und noch seltener steckten sie ihre Betreuer an.

In den Schulen war es anders: Fast alle Indexfälle fanden sich unter den Schülern und Schülerinnen und diese infizierten in erster Linie ihre Mitschüler. Das Lehrpersonal wurde von den Schülern nur selten angesteckt.

Zanger zieht aus den Ergebnissen den Schluss, dass bei den Hygienekonzepten mehr auf die Kontakte zwischen Erzieherinnen und Erziehern gelegt werden sollte. Dabei sollten auch Situationen beachtet werden, in denen die Erzieherinnen und Erzieher unter sich sind, etwa in Pausen- und Besprechungs­räumen. Hier könnte das größte Potenzial zur Reduktion der Infektionslast bestehen.

Neben allgemeinen Hygienemaßnahmen könnten auch gezielte Testungen und die Impfungen unter dem Personal das Infektionsgeschehen senken. © rme/aerzteblatt.de

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UdoSchlenz
am Dienstag, 2. März 2021, 11:46

Schüler keine Infektionsgefahr für Lehrer! =Studienergebnis Rheinland Pfalz

Wär hätte das gedacht?
Offenbar ist die wesentliche Aussage des Studienergebnisses sogar dem Ärzteblatt-Rechercheur dermaßen ungeheuer erscheinend, daß er es lieber unterlässt es explizit zu übermitteln.
Weshalb es hier nachgereicht sei:

The identification of a substantial teacher-to-teacher transmission risk in day-care, but a clearly mitigated child/student–to-teacher transmission risk in schools, indicates the need to shift the focus to hygiene among day-care teachers, including infection prevention during staff-meetings and in break rooms.
"day care" meint Kitas;
Desweiteren empfehle ich die Full-text-Lektüre um sich deutlich zu machen wie extrem gering das Risiko ist, das von Schülern für Schüler, und vor allem für Lehrer ausgeht, Zitat:
"a very low number of student/child-to-teacher transmissions in schools (mean number of secondary cases 0.004)."
Das heisst tatsächlich, daß im Mittel ein Indexfall unter Schülern nur 4/1000 einer Lehrperson ansteckt, anders ausgedrückt, daß es im Mittel 250 Indexfällen unter Schülern bedarf, damit eine/1 Lehrperson angesteckt wird. Was wiederum bedeutet, daß noch mehr Schüler (ca.312= 250+25%) in der Statistik als Cov2positiv erscheinen müssen um im Mittel 1 einzige Lehrkraft infiziert zu bekommen. Da aber ohnehin nur sehr wenig Schüler überhaupt je positiv testbar werden (und noch weniger jemals ansteckend) ergibt sich ein derart verschwindend kleines Risiko für Lehrkräfte von Schülerseite her angesteckt zu werden, daß das Klassenzimmer sicherer sein sollte als jeder denkbare Aufenthaltsort sonst, so der Lehrer nicht im strengsten Sinne als Single leben und sich ausschließlich zuhause aufhalten sollte.

Zu unterscheiden sind Kita- und Schul-Szenarien.
Für Erzieher zeigt sich sehr kleines Risiko, für Lehrer faktisch null.

Die Studie basiert auf richtig vielen belastbaren Daten,vergleichbar mit Impfstudien..
..of 14,594 institutional high-risk contacts (89% PCR-tested) of 441 index cases revealed 196 se
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