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Politik

Lockerer gegen Bremser: Richtungskampf vor Coronaberatungen

Dienstag, 2. März 2021

/London Photo, stock.adobe.com

Berlin – Einen Tag vor den Beratungen von Bund und Ländern über das weitere Vorgehen in der Corona­pandemie erscheinen die Positionen unversöhnlich. Lockerungsbefürworter trommeln ebenso wie die Ver­tre­ter eines vorsichtigen Kurses massiv für ihre Linie.

Handel, Mittelstandspolitiker und ein Teil der Ministerpräsidenten werben für zeitnahe Lockerungen. Ärzte und ein anderer Teil der Landesregierungschefs hingegen warnen vor übereilten Schritten – sie weisen auf die steigenden Infektionszahlen und das Anrollen einer dritten Welle hin.

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Zielmarke der Politik war ein Wert unter 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche (Sieben-Tage-Inzidenz). Bei der letzten Beratung am 10. Februar hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Landesregierungschefs vereinbart, Kitas, Grundschulen und Friseure im Abstand von einer Wo­che zu öffnen, die Schutzmaßnahmen ansonsten bis zum 7. März zu verlängern und bei einer stabilen Neuinfektionsrate von höchstens 35 einen nächsten Öffnungsschritt zu gehen: für Handel, Museen und weitere körpernahe Dienstleistungen.

Kitas und Grundschulen haben vor einer Woche geöffnet, gestern sind die Friseure hinzugekommen und je nach Land auch Gartenmärkte, Blumenläden, Fußpflegestudios und mehr. Die Auswirkungen der Schul- und Kitaöffnung dürften erst in etwa zwei Wochen absehbar sein, die der anderen Öffnungen noch später.

Obwohl die Folgen der Öffnungen sich in den Infektionszahlen noch nicht abbilden, steigen die Werte seit mehr als einer Woche bereits wieder an: Am 19. Februar lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 56,8, gestern bei 65,8. Heute ging der Wert auf 65,4 leicht zurück. Verantwortlich machen Wissen­schaft­ler die ansteckendere und wohl auch tödlichere Mutation B.1.1.7, die sich von Großbritannien aus verbreitet hat. Für die erste Aprilhälfte gelten bereits Werte um 200 als möglich.

Bis einschließlich vorgestern wurden laut Robert-Koch-Institut 8,8 Millionen Dosen Impfstoff geliefert und über 6,1 Millionen verabreicht. Bis übermorgen sollen weitere 1,1 Millionen von Astrazeneca hinzu­kom­m­en. Das Bundesministerium für Gesundheit schlägt zudem vor, kostenlos für alle wöchentlich zwei Schnelltests bereitzustellen, die geschultes Personal abnimmt. Daneben sollen Selbsttests für zu Hause kommen, die ersten sind zugelassen.

Der Handelsverband HDE warnt vor einer Pleitewelle, falls nicht gelockert werden sollte. Hauptge­schäfts­führer Stefan Genth sagte der Rheinischen Post: „Das Argument, mit geschlossenen Geschäften die Mobilität der Menschen gering zu halten, zieht nicht mehr. Die Innenstädte sind bei gutem Wetter trotzdem voll. Die Hygieneschutzkonzepte der Geschäfte reichen aus.“

Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) verlangt, von den bisherigen Kriterien abzurücken. „Wir for­dern einen klaren Fahrplan, mit dem Restaurants und Hotels noch vor Ostern wieder öffnen können“, sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges dem Tagesspiegel. „Die ausschließliche Ausrichtung am Inzidenzwert muss aufgegeben werden und andere vom RKI empfohlene Messwerte berücksichtigt werden.“

Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Union, Christian von Stetten (CDU), sagte der Augsburger Allgemeinen: Die Ministerpräsidenten müssten einen Öffnungspfad definieren und diesen dann auch einhalten. Und: „Wir können nicht bis Ostern warten.“

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) möchte auch über einer Inzidenz von 50 lo­ckern. Viele Menschen seien nach dem Lockdown erschöpft, sagte er den Zeitungen der Funke Medien­gruppe. „Daher sollten wir mehr erlauben – mit strengen Hygienemaßnahmen, Tests und Impfange­boten.“

Ärzteverbände warnen vor voreiligen und unkoordinierten Lockerungen. „Es wäre falsch, einfach einige Bereiche zu öffnen, weil die Menschen lockdownmüde sind“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Amtsärzte, Ute Teichert, der Rheinischen Post. Öffnungen sollten nur in Verbindung mit einer geziel­ten Test- und Nachverfolgungsstrategie erfolgen. „Das Virus ist im Augenblick immer noch schneller als unsere Maßnahmen, wir reagieren nur.“

Auch der Marburger Bund mahnte, langsam und nur stufenweise zu öffnen. „Es ist wichtig, Folgewirkun­gen abzuwarten, bevor man den nächsten Schritt macht“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna den Funke-Zeitungen. Die Gefahr einer dritten Infektionswelle mit hochansteckenden Varianten betreffe auch jüngere Menschen, besonders Risikopatienten. „Wir reden hier von einem Viertel der Bevölkerung.“

Die Überlegungen in der Politik zu regelmäßigen Coronatests bei Schülern stoßen bei den Kinderärzten auf Kritik. „Die zu erwartende hohe Zahl an falschen negativen und falschen positiven Ergebnissen wür­de aus unserer Sicht weit mehr Schaden anrichten als nutzen“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es bestehe „eine erhebliche Gefahr“, dass die Hygienemaßnahmen nach negativen Testergebnissen nicht mehr eingehal­ten würden, weil sich die Schüler in falscher Sicherheit wögen.

„Angesichts vieler falsch negativer Ergebnisse könnte das zu mehr Ansteckungen führen, als wenn nicht getestet würde; das wäre verheerend.“ Auf der anderen Seite müssten Kinder bei falsch positiven Ergeb­nissen unnötig in Quarantäne.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) warnte vor einem raschen Lockdownende. „Wir wür­den die Krise eher verlängern, wenn wir jetzt zu viele Beschränkungen gleichzeitig aufheben“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Wir müssen eine starke dritte Welle verhindern, bevor uns die Im­pfungen ausreichend Schutz vor Corona bieten.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder versucht, beides miteinander zu vereinbaren. „Wir brauchen eine Perspektive für den Handel und auch für die Frage der Kontaktbeschränkungen“, sagte er RTL/n-tv.
Allerdings sei eine regionale Differenzierung für diejenigen notwendig, die sehr niedrige Inzidenzen hätten – und umgekehrt eine Notbremse und Hotspotstrategie für die Bereiche, die sehr weit oben seien. Man müsse mit Vorsicht und Umsicht öffnen, forderte Söder. © dpa/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 3. März 2021, 14:09

Infektiologischer Grundsatz

Infektiologischer Grundsatz: 95% Nicht-Infizierte können Immune/Immunisierte/andere Nichtinfizierte nicht anstecken. Maximal 5% sind infiziert.

#NoCovid/#ZeroCovid sind Pseudo-Dummsprech/Wunschdenken: Konsequent vereinbarte AHA-Regeln/Impfen führen zum Pandemie-Ende auch in demokratischen Gesellschaften. INFIZIERTE/RISIKOPERSONEN 1.° in QUARANTÄNE; ERKRANKTE in ISOLIERUNG - was sonst? https://www.doccheck.com/de/detail/articles/31818-something-is-rotten-etwas-ist-faul

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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