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Medizin

SARS-CoV-2: Brasilianische Variante erreicht Großbritannien

Dienstag, 2. März 2021

/bluedesign, stock.adobe.com

London – In Großbritannien wurden mehrere Infektionen mit der brasilianischen Variante von SARS-CoV-2 entdeckt, die zuvor in der Stadt Manaus trotz vermuteter Herdenimmunität eine 2. Welle ausge­löst hat und deshalb im Verdacht steht, im großen Ausmaß Reinfektionen auszulösen.

Die Gesundheitsbehörde Public Health England hat alle Einwohner des Bezirks South Gloucestershire aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Behörde kontaktiert alle Passagiere eines Swiss Air-Flugs und sucht eine Person, die anonym positiv getestet wurde.

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Die Variante P.1 (oder 501Y.V3) weist Veränderungen im Spikeprotein auf, die nach Einschätzung von Experten das Virus infektiöser und resistenter gegen eine Immunantwort machen. Als besorgniserregend werden 3 Mutationen an Schlüsselstellen der Rezeptorbindungsdomäne (K417T, E484K und N501Y) des Spikegens eingestuft.

2 der Mutationen (E484K und N501Y) befinden sich direkt an der Schnittstelle zum menschlichen ACE2-Rezeptor. Die N501Y-Mutation ist die gleiche wie in der britischen Virusvariante, die sich innerhalb weniger Wochen weltweit ausgebreitet hat und deshalb als hoch infektiös eingestuft wird.

Die E484K-Mutation könnte dafür verantwortlich sein, dass das Virus nicht mehr von den Antikörpern erkannt wird, die nach einer Infektion gebildet werden. Die Variante P1 wird für eine erneute Zunahme von Infektionen in der Stadt Manaus verantwortlich gemacht, die Epidemiologen verblüfft hat.

In der Millionenstadt am Amazonas war es im Frühjahr 2020 zu einer großen Epidemie gekommen, die offenbar die Mehrzahl der Bevölkerung erfasst hat. Eine inzwischen in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abe9728) publizierte Studie ermittelte im Sommer eine Seroprävalenz von 66 %, die Manaus zur weltweit ersten Stadt gemacht haben könnte, in der eine Herdenimmunität erreicht wurde.

Dennoch kam es Ende des Jahres erneut zu einem heftigen Ausbruch, der nur durch ein Immunescape des Virus zu erklären wäre. Tatsächlich wurden einzelne Fälle einer Reinfektion beschrieben, die durch P1 oder durch eine weitere inzwischen P2 genannte Variante verursacht wurde.

Ob oder in welchem Ausmaß das Virus die Immunität durch eine frühere Infektion oder durch eine Impfung untergräbt, ist unklar, da die Informationen aus Brasilien unvollständig sind. Der gerade von der US-Arzneimittelbehörde (FDA) zugelassene Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson, der auch in Brasilen getestet wurde, scheint vor einer Ansteckung zu schützen.

Das Virus wurde außerhalb Brasiliens zuerst im Januar in Japan nachgewiesen. Inzwischen gibt es Meldungen aus Italien (37 Fälle), Belgien (17), der Schweiz (14), den USA (10), Kolumbien (9), Frankreich (8), Japan (6), den Niederlanden (4), Französisch-Guayana (3), Portugal (2), der Türkei (2) sowie Einzelfälle in Irland, Spanien, Südkorea, Mexiko, Peru und auf den Färöer-Inseln.

In Großbritannien sind 6 Fälle aufgetreten, davon 3 in Schottland und 3 in England. Die Personen aus Schottland sind den Behörden bekannt. Sie waren von Brasilien über Paris nach London eingereist. Von den 3 Infizierten aus England konnten 2 einem Haushalt im Bezirk South Gloucestershire (nordöstlich von Bristol) zugeordnet werden. Sie waren am 10. Februar mit dem Swiss Air-Flug LX318 von Sao Paulo über Zürich nach London Heathrow eingereist.

Damals wurden Einreisende aus problematischen Ländern noch zu einer Selbstquarantäne aufgefordert. Inzwischen gibt es eine überwachte Hotelquarantäne. Die Identität der 3. Person ist derzeit nicht bekannt, da sie das Formular zur Registrierung offenbar nicht vollständig ausgefüllt hat. Die Person wurde aufgefordert, sich zu melden. Sicherheitshalber sollen möglichst alle Personen aus South Gloucestershire getestet werden. In dem Bezirk leben etwa 280.000 Menschen. © rme/aerzteblatt.de

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