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Medizin

England: Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech bei Senioren gleich gut wirksam

Dienstag, 2. März 2021

/picture alliance, Fleig, Eibner-Pressefoto

London – Die Impfkampagne, die in England bereits am 8. Dezember zunächst mit dem Biontech-Impfstoff BNT162b2 und später mit dem Astrazeneca-Impfstoff AZD1222 begonnen wurde, hat in der älteren Bevölkerung, die zu den priorisierten Gruppen gehört, eine gute Schutzwirkung erzielt.

Dies geht aus den jetzt von Public Health England veröffentlichten Daten einer Test-negativen Fall-Kontroll-Studie hervor. Beide Impfstoffe schützten die Senioren bereits nach der 1. Dosis in etwa gleich gut. Für den Biontech-Impfstoff war eine Verstärkung durch die 2. Dosis erkennbar.

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Die Entscheidung der ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut, Senioren von einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff auszuschließen, hatte unter britischen Experten für Stirnrunzeln gesorgt. Die Datenlage zur Impfstoffwirksamkeit von AZD1222 bei älteren Menschen war zwar begrenzt, die Zahlen deuteten jedoch auf eine Schutzwirkung hin und es schien keinen Grund zu geben, warum AZD1222 Senioren schlechter schützen sollte als BNT162b2.

Die britische Impfkommission sprach sich deshalb für den Einsatz von AZD1222 bei Senioren aus, als der Impfstoff am 30. Dezember zugelassen wurde. Der Biontech-Impfstoff war bereits seit dem 8. Dezember im Einsatz. In England wurden unter den Senioren zunächst die über 80-Jährigen geimpft. Ab dem 4. Januar kamen die über 70-Jährigen hinzu.

Public Health England hat die „real-world“-Wirksamkeit jetzt in einer sogenannten Test-negativen Fall-Kontroll-Studie untersucht, die auch zur Abschätzung der Wirksamkeit von Grippeimpfungen eingesetzt wird. Da Menschen nach einer Impfung nicht systematisch auf SARS-CoV-2 getestet werden, gibt es keine Möglichkeit, die Schutzwirkung direkt zu messen. Test-negative Fall-Kontroll-Studien liefern jedoch gute indirekte Hinweise.

Als Fälle fungieren Patienten, die wegen Symptomen von COVID-19 zum Arzt gehen und dort positiv auf SARS-CoV-2 getestet werden. Die Kontrollen sind Patienten, die aus denselben Gründen zum Arzt gehen, aber negativ getestet werden. Bei einer wirksamen Vakzine nimmt diese 2. Gruppe zu.

Test-negative Fall-Kontroll-Studien sind anfällig für Verzerrungen, was sich bei der Analyse der Daten zu BNT162b2 in der Gruppe der über 80-Jährigen zeigte. Für die ersten Tage nach der Impfung ermitteln Jamie Lopez Bernal von Public Health England, London, und Mitarbeiter sogar einen (scheinbaren) Anstieg des Erkrankungsrisikos für die Geimpften (Odds Ratio bis zu 1,48; 1,23-1,77).

Der Anstieg fiel in die Zeit vor Einsetzen der Impfwirkung und erklärt sich aus dem Umstand, dass zunächst Personen mit dem höchsten Risiko geimpft wurden. Ab den Tagen 10-13 war dann eine Wirk­sam­keit nachweisbar. In den Tagen 28-34 nach der 1. Dosis erreichte BNT162b2 bei den Über-80-Jährigen eine Wirksamkeit von 70 % (59-78 %). Ab Tag 14 nach der 2. Dosis stieg die Impfstoffwirk­samkeit in dieser Altersgruppe auf 89 % (85-93 %).

Für die Altersgruppe ab 70 Jahre, auf die die Impfung ab dem 4. Januar ausgedehnt wurde, betrug die Impfstoffwirksamkeit von BNT162b2 nach der 1. Dosis 61 % (51-69 %). Dieser Wert wurde an den Tagen 28 bis 34 erreicht und stieg danach nicht weiter an.

Mit AZD1222 wurde 28 bis 34 Tage nach der 1. Impfdosis eine Wirksamkeit von 60 % (41-73 %) erreicht, die danach weiter auf 73 % (27-90 %) anstieg.

Die Impfungen schützten nicht nur vor COVID-19. Unter den Erkrankten gab es auch weniger, die als Notfall im Krankenhaus behandelt werden mussten. Für die 1. Dosis von BNT162b2 betrug diese additive Schutzwirkung 43 % (33-52 %). Und für die hospitalisierten Patienten wurde das Sterberisiko zusätzlich um 51 % (37-62 %) gesenkt. In der Summe bedeutet dies für die mit BNT162b2 Geimpften ein um 80 % vermindertes Risiko auf eine Hospitalisierung und ein um 85 % vermindertes Sterberisiko.

Da die Impfungen mit AZD1222 später begonnen wurden, gibt es noch keine Wirksamkeitsdaten zur 2. Dosis. Die 1. Dosis senkte das Hospitalisierungsrisiko bei COVID-19 jedoch um 37 % (3-59 %). Der Einfluss auf das Sterberisiko ließ sich noch nicht ermitteln, aber es dürfte keinen Grund zur Annahme geben, dass AZD1222 hier weniger effektiv ist als BNT162b2. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #586775
Volker Peinke
am Samstag, 6. März 2021, 13:21

Vorsicht vor den Daten

Ein klein wenig Kritik sei angebracht. Hier werden die Effekte beobachtet, bevor der volle Impfschutz der zweiten Dosis eintritt. Die beobachteten Wirkungen sind zwar ordentlich, überzeugender sin aber Daten wie z.B. die aus Israel, die sich auf die Effekte nach vollständiger Impfung beziehen.Ich hoffe die Studiengruppe wird entsprechende Daten noch nachliefern.
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