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Medikamentöse Therapie, die Adipositaschirurgie simuliert

Mittwoch, 3. März 2021

/kwanchaichaiudom, stock.adobe.com

Berlin – Die Coronakrise lässt leicht vergessen, dass andere, seit Jahrzehnten wütende Epidemien wegen SARS-CoV-2 nicht Halt machen. Zum Auftakt des 64. Deutschen Kongresses für Endokrinologie erinnerte der Adipositas- und Diabetesforscher Matthias Tschöp daran, dass Adipositas und daraus resultierende Typ-2-Diabetes-Erkrankungen auch weiterhin zu den Top-Ten-Killern weltweit gehören.

„Ohne Adipositasepidemie hätten wir keine Typ-2-Diabetes-Epidemie“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Stoffwechselerkrankungen an der TU München heute bei einer virtuellen Pressekonferenz. Um die Adipositasepidemie einzudämmen, erforscht Tschöp Magen-Darm-Hormone und deren Wirkung im Ge­hirn – dem „wichtigsten Organ bei Adipositas“, wie der wissenschaftliche Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung am Helmholtz Zentrum München betonte.

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Sein Ziel: Die positiven Auswirkungen eines bariatrischen Eingriffs auf das Körpergewicht medikamentös zu erzielen. Einige dieser Wirkstoffkandidaten befänden sich bei verschiedenen Pharmafirmen bereits in Phase-II- und Phase-III-Studien, so Tschöp.

Bei diesen als Polyagonisten bezeichneten Substanzen handelt es sich um Hybrid-Moleküle verschiede­ner Peptidsequenzen aus Magen-Darm-Hormonen, in einigen Fällen gepaart mit Small Molecules. Bei Tieren und in frühen klinischen Studien haben diese Polyagonisten bereits signifikante Effekte bei Adi­po­sitas und Typ-2-Diabetes gezeigt. Entscheidend sei, so Tschöp, dass für einen signifikanten Einfluss auf das Körpergewicht ein Signal alleine nicht ausreiche, es sei ein Muster von Signalen in einem Wirkstoff notwendig.

Zwar wurden auch mit Monoagonisten bereits signifikante Effekte bei Adipositas erreicht. Ein gutes Bei­spiel ist die kürzlich im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie zu Semaglutid bei Nicht-Diabetikern (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2032183). Für Tschöp „ein wichtiger Schritt nach vorne, den wir so schnell noch nicht haben kommen sehen“, aber kein „echter Gamechanger“.

Für den Münchner Stoffwechselexperten ist die Kombination von Signalwegen die Zukunft der medika­men­tösen Adipositastherapie. Dies könnte sogar einen günstigen Effekt auf die Nebenwirkungen haben, die bei Monoagonisten mitunter die mögliche Wirkung begrenzten, meint Tschöp.

Eine mögliche Zulassung von Polyagonisten in der Adipositastherapie sieht Tschöp in den nächsten fünf Jahren als möglich an: „Ich war selten so zuversichtlich wie heute“, betonte er. © nec/aerzteblatt.de

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