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Medizin

Wie sich das viszerale Fettgewebe gegen das Intervallfasten wehrt

Mittwoch, 3. März 2021

/picture alliance, Christin Klose

Sydney – Das Intervallfasten, das sich derzeit einer großen Beliebtheit erfreut, führt nicht unbedingt zum Verschwinden des Bauchansatzes. Eine experimentelle Studie an Mäusen in Cell Reports (2021; DOI: 10.1016/j.celrep.2021.108804) zeigt, wie sich das viszerale Fettgewebe gegen den Abbau von Fetten schützt beziehungsweise deren Wiederaufbau vorbereitet. Ein Rückgang der Entzündungsparameter weist jedoch auf günstige Effekte auf die Gesundheit hin.

Das Intervallfasten ist derzeit populär, weil es eine Gewichtsabnahme auch ohne Ernährungsumstellung verspricht. Wer intervallfastet, darf sich weiter wie bisher ungesund ernähren, wenn er es nur schafft, gelegentlich ganz auf das Essen zu verzichten. Dass dieses Konzept auf Dauer aufgeht, wird von vielen Ernährungswissenschaftlern bezweifelt. Der Erfolg hängt wie bei allen Diäten davon ab, wie lange sie durchgehalten werden. Bei einer Aufgabe droht auch beim Intervallfasten ein Jo-Jo-Effekt.

Die Studie, die ein Team um Mark Larance von der Universität Sydney an Mäusen durchgeführt hat, zeigt, warum es schnell wieder zu einer Gewichtszunahme kommen könnte. Die Forscher haben eine Gruppe von Mäusen zu einer relativ extremen Variante des Intervallfastens gezwungen, indem sie ihnen jeden 2. Tag das Futter verweigerten.

Die Auswirkungen auf den Stoffwechsel wurden mit einer Proteomics-Analyse untersucht. Dabei wurde die Konzentration von mehr als 8.500 Proteinen im viszeralen Fettgewebe, im subkutanen Fettgewebe und im braunen Fettgewebe untersucht. Das braune Fettgewebe, das beim Menschen nach dem Säug­lings­alter nur noch in geringem Maße vorhanden ist, dient vor allem zur Wärmeproduktion.

Die wichtigsten Veränderungen fanden die Forscher bei den Enzymen, die an der Lipolyse beteiligt sind. Diese Enzyme bauen die Fettdepots ab, was bei jeder Reduktionsdiät der gewünschte Effekt ist. Nicht erwünscht ist allerdings, dass die Aktivität dieser Enzyme bei der Diät zurückgeht, da dann weniger Fette abgebaut werden. Genau dieser Effekt ließ sich nach dem Intervallfasten vor allem im viszeralen Fettgewebe der Mäuse nachweisen.

Hier wurde im Gegenteil die Bereitschaft zur erneuten Fettsäuresynthese gesteigert. Erreicht wird dies offenbar durch die verminderte Bildung des beta3-adrenergen Rezeptors, über den die beim Fasten vermehrt gebildeten Stresshormone den Fettabbau auslösen.

Larance fand heraus, dass dieser Rezeptor beim Intervallfasten im viszeralen Fettgewebe 4-fach weniger gebildet wird. Gleichzeitig steigt die Produktion von Proteinen, die in den Mitochondrien zur Energie­produktion benötigt werden. Dies ist ein ominöser Befund. Eine Zunahme der Mitochondrien ist eigent­lich ein Zeichen für den Umbau des weißen Fettgewebes (zu dem auch das viszerale Fettgewebe gehört) in braunes Fettgewebe.

Der Wandel wird auch mit einer verbesserten Insulinwirkung in Verbindung gebracht. Eine Neubildung von braunem Fettgewebe erfolgt beim Menschen jedoch selten. Larance befürchtet deshalb, dass sich der Energiestoffwechsel auf die vermehrte Zufuhr von Fetten vorbereitet, die dann zu einer stärkeren Gewichtszunahme führen könnte.

Einen günstigen Effekt entdeckten die Forscher im Bindegewebe zwischen den Fettzellen. Hier kam es zu einem Rückgang von Kollagen 4. Dieses Eiweiß wird mit entzündlichen Vorgängen in Verbindung gebracht, die das viszerale Fettgewebe zu einem Entzündungsherd im Körper machen. Dies könnte sich laut Larance günstig auf die Insulinwirkung auswirken und langfristig helfen, einen Typ-2-Diabetes zu vermeiden.

Ob das Intervallfasten gesund für den Menschen ist, lässt sich durch tierexperimentelle Studie nicht belegen. Die Untersuchungen dienen in erster Linie dazu Wirkungsmechanismen aufzudecken. Ob das Intervallfasten langfristig hilft, die Folgekrankheiten der Adipositas zu vermeiden, ließe sich nur in klinischen Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #766452
M.H.
am Montag, 15. März 2021, 11:48

An Adora Belle Dearheart

Erst mal herzlichen Glückwunsch für diese beachtliche Leistung an Gewichtsabnahme. Das war bestimmt kein Kinderspiel! Meine Frage ist: sind Sie in Begleitung eines anerkannt zertifizierten ernährungstherapeutischen Berater? Neben der Beratung durch die Ärzteschaft können Sie hier eine Messung der Körperzusammensetzung machen lassen, Ernährungsprotokolle qualifiziert auswerten und mit fundiertem Hintergrundwissen weitere Schritte besprechen. Eine Ernährungsberatung ist krankenkassenanerkannt und meist finanziell unterstützt, es ist eine sogenannte Kann-Leistung der KK. Der Einsatz lohnt sich allerdings!
Avatar #875182
Adora Belle Dearheart
am Sonntag, 7. März 2021, 10:50

Vergleichbarkeit Zeiträume Intervallfasten Mäuse/Menschen

Mich würde interessieren, welchen Zeiträumen bei Menschen der tägliche Wechsel zwischen Fasten und Füttern bei Mäusen in etwa gleichzusetzen ist, denn daß dieser Fastenrhythmus bei Mäusen entsprechenden Zeiträumen bei Menschen entspricht, kann ich mir nicht vorstellen.

Was ich - im vierten Jahr Intervallfasten bei knapp 50 kg Gewichtsabnahme seit einem Dreivierteljahr auf einem Plateau hängengeblieben (mir fehlen noch ca. 20 kg bis zum Wunschgewicht) - gerade suche, kann mit dem Faktor, den Larance fokussiert, nichts zu tun haben, aber vielleicht findet sich ja unter den Lesern, die sich für dieses Thema interessieren und einschlägige Fachkenntnisse haben, trotzdem jemand, der mir den richtigen Hinweis geben kann.

Ich nehme nämlich zwar leider nicht mehr ab, aber die ein- bis zweimal im Monat ergänzend zu meinem normalen 36-stündigen Fastenrhythmus (zweimal die Woche) eingeschobenen viertägigen Fastenintervalle reduzieren ungeachtet dessen sicht-, spür- und meßbar, und nebenbei bemerkt auch bis dato dauerhaft, speziell das Viszeralfett, derzeit vor allem am Bauch. Bis vor einem halben Jahr schrumpfte dagegen noch vor allem mein Brustumfang, an dem sich in letzter Zeit nicht mehr viel verändert hat, und zwar immerhin um ca. 10 cm innerhalb eines Jahres, bei anfangs auch schon bescheidener und später ganz ohne Gewichtsabnahme.

Irgendwas muß aber an anderer Stelle doch mehr werden, wenn mein Gewicht trotz schrumpfendem Brust- und Bauchumfang nicht heruntergeht. Nur was und wo und vor allem: Warum? Kann sich hier irgendwer vorstellen, was da gerade in mir abläuft, und es mir erklären?

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