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Biden kritisiert Coronalockerungen in US-Bundesstaaten

Donnerstag, 4. März 2021

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Alex Brandon

Washington – US-Präsident Joe Biden hat die Lockerung von coronabedingten Beschränkungen in meh­re­ren US-Bundesstaaten kritisiert. „Ich glaube, dass es ein großer Fehler ist“, sagte der Demokrat gestern im Weißen Haus zur Aufhe­bung von Restriktionen in Texas und Mississippi.

Erst Ende Mai werde es genug Impfstoff geben, um alle erwachsenen Amerikaner impfen zu können.
„Das letzte, was wir brauchen, ist ein Neandertaler-Denken, dass in der Zwischenzeit alles in Ordnung ist.“ Es sei „entscheidend“, die von der Wissenschaft empfohlenen Schutzmaßnahmen zu befolgen.

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Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte vorgestern angekündigt, die Masken­pflicht und alle Kapazitätsgrenzen für Restaurants und andere Betriebe in seinem Bundesstaat aufzu­heben.

Auch der republikanische Gouverneur von Mississippi, Tate Reeves, hatte erklärt, alle Anordnungen zum Tragen von Masken und Kapazitätsgrenzen für Restaurants und Firmen würden beendet. Weitere Bundes­staaten, darunter Ohio und Michigan, kündigten zumindest Lockerungen ihrer Coronaauflagen an.

Abbott und Reeves wehrten sich gestern auf Twitter gegen Kritik. „Wir sind in der Lage, COVID einzu­däm­men und Texas sicher zu 100 Prozent zu öffnen“, schrieb Abbott. Reeves kritisierte, Biden habe es als „Neandertaler-Denken“ bezeichnet, den Menschen in Mississipi die Entscheidung zu überlassen, wie sie sich schützten. Diese Menschen bräuchten keine „Betreuer“, schrieb der Gouverneur. „Ich denke, wir sollten den Amerikanern vertrauen und sie nicht beleidigen.“

Der Immunologe und Biden-Berater Anthony Fauci nannte die Rücknahme der Schutzmaßnahmen „unerklärlich“ und „unüberlegt“. Fauci sagte dem Sender CNN, bereits vor Monaten hätten die USA erlebt, wie die Fallzahlen wieder bedenklich zugenommen hätten, nachdem manche Bundesstaaten die Richtli­nien der Experten nicht befolgt hätten. Die täglichen Fallzahlen in den USA seien zwar auf 55.000 bis 70.000 zurückgegangen, lägen damit aber immer noch hoch – und der Rückgang sei inzwischen ge­bremst.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, übte Kritik an Politikern, die die Expertenratschläge seit Beginn der Coronakrise nicht ernst genommen hätten. Die USA hätten seit einem Jahr mit der Pandemie zu tun, sagte Psaki. „Und das gesamte Land zahlt den Preis für politische Anführer, die die Wissenschaft mit Blick auf die Pandemie ignoriert haben.“

Psaki betonte, Bidens Appell an die Amerikaner, in seinen ersten 100 Tagen im Amt Masken zu tragen, basiere auf Experteneinschätzungen, die davon ausgingen, dass so 50.000 Menschenleben gerettet werden könnten. „Wir müssen wachsam bleiben.“

Die Chefin der US-Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky, mahnte: „Jetzt ist nicht die Zeit, alle Auf­lagen zu lockern.“ Sie appellierte an die Menschen, sich weiter an die Vorsichtsmaßnahmen zur Ein­dämmung der Pandemie wie das Tragen von Masken zu halten, „unabhängig von der Entscheidung des Bundesstaates“.

Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatte zu Beginn der Pandemie die von dem Virus ausgehende Ge­fahr geleugnet, sich später ohne wissenschaftliche Belege für bestimmte Medikamente als vermeint­liche Wundermittel eingesetzt und bis zuletzt erkennen lassen, dass er das Tragen von Masken eher lästig fand. Biden hat den Kampf gegen die Pandemie zu einem seiner wichtigsten Ziele erklärt.

Seit Beginn der Pandemie sind in den USA fast 520.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Corona­virus ums Leben gekommen, wie aus Statistiken der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Mehr als 28,7 Millionen der rund 330 Millionen Amerikaner steckten sich mit dem Virus an. Die Infektions­zahlen sind deutlich unterhalb von denen zu Jahresbeginn, lagen in den vergangenen Tagen aber weiterhin bei jeweils mehr als 50.000. © dpa/aerzteblatt.de

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