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Medizin

SARS-CoV-2: Adipositas könnte Impfstoffwirkung abschwächen

Donnerstag, 4. März 2021

/saiyood, stock.adobe.com

Rom – Der Impfstoff BNT162b2 des Herstellers Biontech/Pfizer hat in einer Kohortenstudie nach der 2. Dosis zwar bei 99,5 % der Geimpften die Bildung von Antikörpern induziert. Der Antikörpertiter zeigte jedoch zwischen den verschiedenen Gruppen erhebliche Schwankungen. Am niedrigsten war er laut einer Studie in medRXiv (2021; DOI: 10.1101/2021.02.24.21251664) bei adipösen Impflingen.

Die Vakzine BNT162b2 hat in der für die Zulassung maßgeblichen Studie eine Impfstoffwirksamkeit von 95 % erzielt. Laut dem Supplement der Publikation im New England Journal of Medicine gab es keine wesentlichen Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen. Auch Personen mit Begleiterkrankungen oder einer Adipositas, der vielleicht wichtigsten Risikofaktor neben dem Alter, sind laut den Studien­ergebnissen gleich gut vor einer Erkrankung geschützt.

Die Studie ermittelte allerdings nur das Risiko auf eine Erkrankung an COVID-19, nicht aber das Risiko einer Infektion insgesamt. Es bleibt möglich, dass sich Personen weiterhin asymptomatisch infizieren und das Virus dann auch weitergeben. Ein wenngleich auch unsicherer Marker hierfür ist der durch die Impfung induzierte Titer, also die Menge der erzeugten Antikörper.

Hier könnte es nach den jetzt von einem Team um Gennaro Ciliberto vom Istituto Nazionale Tumori Regina Elena in Rom vorgestellten Ergebnissen größere Unterschiede unter den einzelnen Risikogruppen geben.

Die Forscher haben am 7. Tag nach der 2. Dosis von BNT162b2 Blutproben bei 248 Mitarbeitern des Gesundheitswesens entnommen und die Antikörpertiter bestimmt. Dabei zeigten sich deutliche Unter­schiede hinsichtlich Alter, Geschlecht und Körpergewicht.

Jüngere Angestellte im Alter unter 37 Jahren hatten mit 453,5 AU/ml die höchsten Titer. Bei den 37- bis 47-Jährigen fiel der Titer auf 330,9 AU/ml. Im Alter von 47 bis 56 Jahren waren es noch 239,8 AU/ml und im Alter von über 56 Jahren nur noch 182,4 AU/ml. Der Rückgang der Titer mit dem Alter war signifikant.

Einen signifikanten Unterschied gab es auch beim Geschlecht: Frauen erreichten mit 338,5 AU/ml höhere Titer als Männer mit 212,6 AU/ml.

Der 3. Risikofaktor für einen geringen Antikörpertiter war der Body-Mass-Index (BMI): Hier erzielten Untergewichtige (BMI unter 18,5 kg/m2) mit 455,4 AU/ml das beste Ergebnis vor Normalgewichtigen (BMI 18,5 bis 24,9), bei denen die Impfung 325,8 AU/ml erzeugte. Bei Übergewichtigen mit einem BMI von 25 bis 29,9 waren es nur noch 222,4 AU/ml. Bei Adipösen (BMI 30 oder höher) waren es nur noch 167,0 AU/ml.

Personen mit einer Hypertonie erzielten mit 172,18 AU/ml ebenfalls einen niedrigeren Antikörpertiter als Angestellte mit normalem Blutdruck, bei denen im Durchschnitt 307,42 AU/ml gemessen wurden. Der Unterschied war hier jedoch statistisch nicht signifikant.

Die niedrigeren Titer könnten nach Einschätzung von Ciliberto ausreichen, um die Geimpften vor einer Erkrankung zu schützen. Ein Titer von über 80 AU/ml korreliere nach Angaben des Herstellers mit einer 100-prozentigen Effektivität bei einem Titer von 1:160 im Neutralisationstest PRNT90, in dem unter­sucht wird, ob die Antikörper Viren von einer Infektion von Zellen abhalten.

Dennoch bliebe ein gewisses Restrisiko. Ciliberto weist darauf hin, dass Adipöse, wenn sie sich infizieren, häufiger schwer erkranken. Bei den jüngeren Menschen gehören sie zu den Hauptrisikogruppen für einen schweren Verlauf von COVID-19. Dass die Impfantwort bei adipösen Menschen schwächer ausfällt, ist übrigens nicht neu. Ähnliche Erfahrungen wurden auch nach Impfungen gegen Influenza, Hepatitis B und Tollwut gemacht. © rme/aerzteblatt.de

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