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Nach Beschlüssen: Intensivmediziner rechnen mit mehr Coronafällen

Donnerstag, 4. März 2021

/picture alliance, Robert Michael

Berlin – Intensivmediziner gehen angesichts des Öffnungsfahrplans von Bund und Ländern in der Pan­demie von einer deutlichen Zunahme der Coronafälle aus. „Ich rechne damit, dass wir durch die be­schlossenen Öffnungsszenarien deutlich steigende Zahlen von Neuinfektionen erleben werden – und dann auch vermehrt Intensivpatienten mit COVID-19“, sagte der Präsident der Deutschen Interdis­ziplinä­ren Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx. „Die Sorge ist, dass wir in eine dritte Welle rutschen.“

„Auch wenn der Lockdown grundsätzlich verlängert wurde, sind diese Beschlüsse ein Strategiewechsel in Richtung Öffnung – und das auch schon vor dem 1. April“, betonte Marx, der vergangene Woche eine Lockdownverlängerung bis Anfang April gefordert hatte. Hintergrund sind Prognosen der Fachgesell­schaft, wonach frühe Lockerungen, je nach Impftempo und Ausbreitung der ansteckenderen Varianten, zu einer erneut hohen Belastung der Intensivstationen führen könnten.

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Im schlimmsten Szenario war von einer nicht mehr zu bewältigenden Zahl von 25.000 zu versorgenden COVID-19 Patienten die Rede. Zum Höhepunkt der zweiten Welle lagen rund 6.000 Betroffene auf Inten­sivstationen. „In welchem Umfang die Beschlüsse die Intensivstationen belasten könnten, wird in unsere Modellrechnungen einfließen – dazu können wir aber erst kommende Woche Zahlen vorlegen“, erläu­terte Marx von der Uniklinik Aachen.

„Wir hätten uns drei weitere Wochen Zeit für das Umsetzen der Impfstrategie gewünscht“, bilanzierte Marx. So würden die Entscheidungen von gestern angesichts der steigenden Infektionszahlen mit Sorge betrachtet. „Vor allem, da die Mutante B.1.1.7 bereits 46 Prozent Anteil an den Infektionen hat. Die Re­produktionszahl liegt etwa bei eins – und sollte aus Sicht von uns Intensivmedizinern auf keinen Fall höher ausfallen. Aber man muss ja bedenken: Das ist alles noch unter den aktuellen Lockdownbe­din­gungen.“

Der DIVI-Präsident appellierte an die Menschen, nun beim Verhalten nicht nachlässig zu werden: „Bitte halten Sie die Regeln zu Abstandhalten, Hygiene, Maskentragen und Lüften weiter ein. Man sollte auch weiter Kontakte vermeiden, auch wenn jetzt das ein oder andere erlaubt ist. Bitte lassen Sie sich impfen, auch mit Astrazeneca!“

Auf die Frage, in welchem Umfang es überhaupt zu Lockerungen kommen könnte, sagte Marx: „Die be­schlossenen Maßnahmen sind relativ komplex. Es ist zu früh zu beurteilen, in welchem Umfang Locke­rungen tatsächlich möglich sein werden angesichts des Fallzahlenanstiegs, der bereits eingesetzt hat.“

Als richtig wertete Marx die Beschlüsse zum Impfen und Testen. „Wir erhoffen uns, dass es gelingt, zeit­nah schneller zu impfen in Deutschland. Das ist der Weg, die Pandemie gemeinsam zu bewältigen. Die Hausärzte einzubeziehen, wäre ein Durchbruch.“ Optimal wären aus Sicht der DIVI 300.000 Impf­ungen pro Tag, das ist ungefähr gut ein Drittel mehr als in den vergangenen Tagen.

„Eine deutlich umfangreichere Teststrategie könnte ebenfalls dazu beitragen, Infektionsherde schneller zu erkennen, zum Beispiel an Schulen und Arbeitsstätten“, so Marx. Dies werde aber vermutlich noch einige Vorbereitung brauchen.

Der Lockdown zur Bekämpfung der Coronapandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infek­tionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öf­fnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Minis­terpräsi­den­ten gestern in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen.

Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Re­gion einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichte­rungen wieder gestrichen. © dpa/aerzteblatt.de

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