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Ärzteschaft

Corona: Ärzte bereiten sich auf das Impfen vor

Donnerstag, 4. März 2021

/picture alliance, Ulrich Stamm, Geisler-Fotopress

Berlin – Seit Monaten wollen sich die niedergelassenen Ärzte beim Impfen gegen SARS-CoV-2 einbrin­gen. Gestern hatten Bund und Länder die Weichen dafür gestellt. Die Reaktionen fallen positiv aus, es gibt aber auch mahnende Worte. Die ersten Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) kündigten Startter­mine fürs Impfen und Modellvorhaben an.

„Der eigentliche Gamechanger werden die Praxen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sein. Sie müssen schnell in die Impfkampagne eingebunden werden“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzen­der der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in einer ersten Reaktion auf die gestrigen Beschlüs­se.

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„Das Impfen in vertragsärztlichen Praxen ist tägliche ärztliche Routine und vor allem dann schnell, wenn die Rahmenbedingungen unbürokratisch sind und man die Praxen machen lässt“, ergänzte Stephan Hof­meister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Zudem sei der vermehrte Einsatz von Schnell­tests grundsätzlich gut, dürfe aber nicht zu einer falschen Sicherheit bei den Menschen führen.

Der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, warnte untedes­sen bei der Änderung der Impfverordnung zur Impfung in Arztpraxen vor zu viel Umständlichkeit. „Die neue Impfverordnung darf kein Bürokratiemonster werden“, mahnte er. Die Impfungen müssten sich problemlos in den Praxisalltag integrieren lassen. Die Ärzte müssten auch weiterhin für alle Patienten da sein können.

Nach KVBB-Angaben haben mittlerweile Ärzte aus über 1.000 Praxen im Land signalisiert, Coronaschutz­impfungen vornehmen zu wollen. Wenn jede Praxis nur 100 Menschen wöchentlich impfe, könnten lan­des­weit mehr als 100.000 Menschen pro Woche geimpft werden, sagte Noack. „Nur so ist das politische Ziel zu erreichen, eine Herdenimmunität bis zum Ende des Sommers aufzubauen.“

Kinder- und Jugendärzte: „Impfen in Praxen so schnell wie möglich! Bürokratie nur so viel wie unbedingt nötig!

Die Bund-Länder-Vereinbarung sieht eine stärkere Beteiligung niedergelassener Ärzte bei Corona-Impfungen vor. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) betonte heute in Köln, dass ein Großteil der circa 7.000 niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte auf Abruf zum Impfen bereitstehen. Um neben der Versorgung der Patienten auch die Impfungen und eventuell Tests vornehmen zu können, müsse aber jegliche vermeidbare Bürokratie wegfallen.

Das regt auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) an. „Wir wollen impfen, aber wir wollen unsere Zeit nicht mit dem Ausstellen ärztlicher Atteste zur Impfpriorisierung zubringen“, sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.

Wenn die Politik weiterhin auf der durchaus sinnvollen Priorisierung bestehe, müsse sie Wege finden, dieses Procedere aus den Praxen herauszuhalten. Der BVKJ halte ein flächendeckendes Einladungssys­tem für sinnvoll, bei dem die Krankenkassen die Vorrangprüfung übernehmen und die Patienten an­schreiben würden.

Bund und Länder hatten gestern vereinbart, dass Hausärzte zum Monatswechsel mit den Coronaimpfun­gen in ihren Praxen beginnen können. Dazu muss die jeweilige Impfverordnung in den Ländern noch ge­ändert werden.

Baden-Württemberg startete heute mit einem Pilotprojekt für erste Coronaimpfungen in Arztpraxen. Ab dem kommenden Montag soll es in fast jedem Stadt- und Landkreis eine Hausarztpraxis geben, die Co­ro­naimpfungen anbietet, wie ein Sprecher des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums in Stuttgart bekanntgab.

Das Angebot richtet sich demnach zunächst nur an über 80-Jährige aus der ersten Impfgruppe. Die Ter­mine werden von den Praxen vereinbart, man muss nicht von sich aus nach einem Termin fragen, hieß es.

Der Probebetrieb bei den Hausärzten in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) und den Kommunalen Landesverbänden soll zunächst sechs Wochen dauern. Im Bezirk eines Impfzentrums soll es maximal eine Hausarztpraxis geben, die Coronaimpfungen anbietet.

Auch die KV Berlin zielt auf schnelle Impfungen in Arztpraxen. Mit Inkrafttreten der neuen Impfverord­nung in der kommenden Woche beginne man mit dem Impfen in den Praxen. Im ersten Schritt sollen rund 100 Praxen an den Start gehen, unter ihnen befinden sich diabetologische und onkologische Schwerpunktpraxen sowie Hausarztpraxen. Im zweiten Schritt wird eine flächendeckende Einbeziehung aller Arztpraxen vorbereitet.

Die KV Berlin geht davon aus, dass in den Praxen in der Startphase Astrazeneca verimpft wird und je nach Lieferaufkommen weitere Impfstoffe folgen. Die rund 100 Modellpraxen werden nach den Priorisie­rungsvorgaben der Impfverordnung impfen. Abhängig von der gelieferten Impfstoffmenge laden sie ausschließlich Bestandspatienten ein, die an einer chronischen Erkrankung laut Impfverordnung leiden und zwischen 18 und 64 Jahre alt sind. © may/dpa/aerzteblatt.de

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rohiwa
am Samstag, 13. März 2021, 04:10

Impfverordnung vom 11.03.21 schliesst potentiell impfwillige Praxen aus- Machterhalt des BMG??

Da eröertern und planen wir Basisärzte und unsere Funktionäre, ob,wie und wann wir unseren Patietenten eine Schutzimpfung anbieten - und dann erklärte das BMG in seriner Verornung vom11.03.21 alles zur Makulatur: laut §6 impfen nur "beauftragte Arztpraxen, die an einem bestimmten Impfzentrum engegliedert werden" - und somit nicht die impfwilligen Haus- oder Fachärzte. Tua res agitur collega? Es ist Vorwahlzeit, und das BMG will sich- koste es was es wolle - profilieren.
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