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Politik

„Die Bundesregierung will nun einen Test pro Woche finanzieren, das halte ich für zu wenig“

Samstag, 6. März 2021

Berlin – Notärztin Lisa Federle hat für ihr Schnelltestkonzept mehrere Auszeichnungen bekommen und ist mit dem „Tübinger Weg“ bundesweit bekannt geworden. Bei den derzeitigen Plänen zum für Schnell-, Selbst- und Bürgertests mahnt sie zur Differenzierung und wirbt vor allem für eine bessere Aufklärung in der Bevölkerung. Das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) sprach mit ihr.

5 Fragen an Lisa Federle

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DÄ: Testen, Testen, Testen – das ist ja seit Monaten ihr Thema. Ist es jetzt der richtige Zeitpunkt oder ist es zu spät dafür?
Lisa Federle: Ich hätte mir gewünscht, dass früher was passiert. Im Oktober war ich zum ersten Mal beim Sozialministerium Ba­den-Württemberg und habe die Pläne vorgetragen. Seitdem for­dere ich immer wieder, dass die Tests in der ganzen Breite kom­men müssen. Nun bin ich aber froh, dass ich in vielen Medien in­zwischen den „Tübinger Weg“ und meine Teststrategie vorstellen konnte. Auch dank der Medien ist das Thema nun in der Diskus­sion.

DÄ: Wie bewerten Sie den Beschluss der Bund-Länder-Konferenz zu den Schnell- und Selbsttests?
Federle: Die Bundesregierung will nun einen Test pro Woche finanzieren, das halte ich für zu wenig. Das müssen zwei sein. Man braucht keine Angst zu haben, dass man da völlig überrannt wird. Man muss berücksichtigen, dass es Berufsgruppen gibt, wie bei­spielsweise Fahrschullehrer, die wie ihre Schüler viel öfter testen müssen. Ein IT-ler, der im Home­office arbeitet und mit FFP2-Maske einkaufen geht, der muss sich nicht ständig testen lassen. Da sollte man Unterschiede machen. Das ist jedenfalls unsere Erfahrung aus Tübingen und wir testen ja seit Monaten hier kostenlos.

DÄ: Was erleben Sie als Resonanz auf Ihre Tests in Tübingen?
Federle: Wir haben seit dem 26. November 2020 mindestens 20.000 Schnelltests im Rahmen unseres Spendenprojektes gemacht. 350 der Getesteten waren positiv, wohlgemerkt lauter Menschen, die vorher symptomlos waren. Und da geht es nur um die Schnelltests, die wir als Deutsches Rotes Kreuz in Tübin­gen kostenlos gemacht haben.

Viele Menschen sind total dankbar, dass wir das fünf Tage die Woche machen. Ich erwarte, dass die Re­so­­nanz noch einmal steigt, wenn es jetzt die neuen Tests gibt. Es macht ja einen Unterschied, ob das Stäbchen sehr tief oder nur zwei Zentmeter in die Nase eingeführt werden muss wie bei der zweiten Generation. Das Interesse ist aber auch bei anderen Landkreisen und Kommunen sehr groß.

DÄ: Das Thema Beschaffung: Ist es momentan schwer, die Schnelltests zu bekommen?
Federle: Überhaupt nicht! Ich bin mit Firmen seit Monaten in Kontakt, die mir seit Wochen sagen, ich könnte auch 20 Millionen Tests bestellen und innerhalb von vier Wochen geliefert bekommen. Aber bei den Angeboten, die jetzt auch in die Supermärkte kommen, rate ich zur Vorsicht. Hier gibt es keine Test­konzepte, wie die eingesetzt werden.

Aufgrund meiner Erfahrung mit der kostenlosen Schnelltestaktion in Tübingen ist es so, dass da asymp­tomatische Personen kommen, die davon ausgehen, sie sind nicht erkrankt. Die sind dann entweder ge­schockt oder sagen: „Das kann nicht sein.“ Die Leute müssen angeleitet werden, wie sie damit umge­hen müssen, wenn sie solch einen positiven Test haben. Wo sie hingehen müssen, was sie wissen müssen.

Und die Selbsttests können momentan auch kein Ersatz sein: Für den Besuch im Heim oder im Kranken­haus brauchen sie ein Attest. Kann ich mir dann mit dem Heimtest dieses Attest selbst ausstellen? Das ist noch nicht geklärt. Deswegen dränge ich darauf, ganz schnell die kommunalen Testzentren aufzu­bauen und die schon bestehenden deutlich auszuweiten und darüber hinaus die Leute so aufzuklären, dass sie auch mit Selbsttests zu Hause umgehen können.

DÄ: In die Zukunft geblickt, wird sich Testen in den kommenden Wochen verbessern, dass man eine Stra­tegie dazu hat oder wird das eher ein Chaos?
Federle: Ich hoffe inständig, dass sich das verbessert. Testen muss wie Zähneputzen werden, so lange, bis wir die Pandemie einigermaßen im Griff haben. Wir werden beispielsweise in Tübingen das alles noch mal deutlich ausbauen. Wir haben Lehrerinnen und Lehrer angelernt, wir haben Friseure den Test gegeben, ich selbst habe Videos zur Anwendung hochgeladen. Das muss alles dringend sofort gemacht werden. © bee/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #789658
2haeschen
am Dienstag, 9. März 2021, 21:07

@BB-DD

Zu Ihrer Frage folgende persönliche Erfahrung:

Person A muss einen C-Test vorlegen, um arbeiten zu dürfen (keine Kollegen, keine Kunden anwesend) ...

Test POSITIV ... Überraschung für alle ... Person B im gemeinsamen Haushalt von Berufswegen zufällig am selben Tag getestet: Test NEGATIV. Kind im Haushalt nicht getestet ...

Zu keinem Zeitpunkt hatte einer Symptome, andererseits hat sich keiner "angesteckt", da Person B wie gesagt, beruflich regelmäßig getestet wird.

2 junge, fitte Menschen 14 Tage in Quarantäne...

Warum können sich einige scheinbar (völlig ungeimpft) nicht anstecken? Wo ist die Forschung dazu?

Wie kann es denn sein, dass bei Pors... 150 Positive rausgefischt werden? Rein zufällig ... augenscheinlich völlig symptomlos, sonst hätte man sie heut zu Tage gar nicht arbeiten lassen?

Ich warte schon auf Berichte zu den ersten asymptom. Grippe erkrankten ...

Und die Schnelltests dafür ...

Wenn die Schnelltests wenigstens in den Behindertenwerkstätten bei uns hergestellt werden würden, dann würde ich auch mal einen kaufen, wegen dem guten Zweck.



Avatar #831974
BB-DD
am Dienstag, 9. März 2021, 16:12

Bitte um Information

Wie viele der 350 von 20000 symptomlosen waren PCR-positiv? Wie viele der PCR-positiven haben doch noch Symptome entwickelt, welche? Und bei wie vielen der PCR-positiven sind (symptombehaftete) Sekundärfälle aufgetreten? Das wäre eine Recherche, mindestens aber eine Nachfrage im Interview wert, liebes Ärzteblatt, oder?
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