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Medizin

Studie: 5 Tage Antibiotika kurieren ambulant erworbene Pneumonie bei Kindern

Dienstag, 27. April 2021

/Crystal light, stock.adobe.com

Hamilton/Ontario – Die Dauer der Antibiotikabehandlung einer ambulant erworbenen Pneumonie kann bei Kindern von 10 auf 5 Tage verkürzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine randomisierte Studie aus Kanada in JAMA Pediatrics (2021; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.6735).

Die alte Regel, nach der jede Antibiotikabehandlung über 10 bis 14 Tage durchgeführt werden sollte, selbst wenn die Patienten sich bereits erholt haben, wird zunehmend in Frage gestellt, da mit der Dauer der Therapie die Störung der Darmflora zunimmt und möglicherweise die Entwicklung von Resistenzen gefördert wird.

Für Erwachsene mit einer unkomplizierten ambulant behandelten Pneumonie konnte die Nichtunter­legen­heit einer 5-tägigen Antibiotikabehandlung bereits belegt werden. Für Kinder liegen jetzt die Ergebnisse einer ersten randomisierten Studie vor.

An der SAFER-Studie („Short-course Antimicrobial Therapy for Paediatric Respiratory Infections“) hatten an 2 Kliniken in der kanadischen Provinz Ontario 281 Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 10 Jahren (median 2,6 Jahre) teilgenommen, bei denen die Kinderärzte eine ambulant erworbene Pneumonie dia­gnos­tiziert hatten, die in den meisten Fällen von einem Radiologen bestätigt wurde.

Zu den Ausschlusskriterien gehörten schwere Grunderkrankungen wie angeborene Herzkrankheiten, oder Krebs, die zu einer Infektion mit atypischen Bakterien prädisponieren. Auch Kinder mit einer frühe­ren Behandlung mit Beta-Laktam-Antibiotika durften nicht teilnehmen, um die Gefahr einer Infektion mit resistenten Erregern zu minimieren.

Die Patienten wurden auf eine 5- oder 10-tägige Behandlung mit hochdosiertem Amoxicillin randomi­siert. Der primäre Endpunkt war eine klinische Heilung nach 14 bis 21 Tagen. Dazu musste das Fieber sich in den ersten 4 Tagen zurückgebildet haben. Danach war nur ein einziger Fieberschub erlaubt. Außerdem musste sich die Atmung normalisiert haben. Die Nichtunterlegenheitsspanne wurde auf 7,5 % festgelegt, die in einem 97,5-%-Konfidenzintervall nicht überschritten werden durfte.

Dieses Ziel wurde in einer Per-Protokoll-Analyse (die alle Patienten umfasst, die die vorgesehene Thera­pie erhalten) nicht ganz erreicht. Nach der 5-tägigen Behandlung war es bei 101 von 122 Kindern (88,6 %) zu einer klinischen Heilung gekommen gegenüber 99 von 114 Kindern (90,8 %), die über 14 Tage behandelt wurden. Die Risikodifferenz von -0,016 % überschritt die vorgegebene Grenze von -0,087 % knapp, so dass Jeffrey Pernica von der McMaster University in Hamilton/Ontario eine Non-Inferiorität nicht sicher belegen konnte.

In der Intention-to-treat-Analyse (die alle Patienten umfasst, die einer bestimmten Behandlung zuge­ordnet wurden, unabhängig davon, ob sie sie auch tatsächlich erhalten haben) wurde dagegen mit der 5-Tage-Therapie ein besseres Ergebnis erzielt: Bei 108 von 140 Kindern (85,7 %) heilte die Pneumonie aus gegenüber 106 von 141 Kindern (84,1 %) in der Kontrollgruppe zur 10-Tages-Gabe. Das Konfidenz­intervall reichte hier bis 0,061 %, was eine Non-Inferiorität belegt.

In einer Post-hoc-Analyse, die alle Kinder als geheilt einstufte, die keine weitere Behandlung benötigten, waren die Ergebnisse auch in der Per-Protokoll-Analyse gleich gut: Nach einer 5-tägigen Behandlung waren 107 von 122 Kindern (95,5 %) geheilt gegenüber 104 von 114 Kindern (95,4 %) in der Kontroll­gruppe. Das Konfidenzintervall reichte hier bis 0,055 %.

Die Ergebnisse der Studie sprechen nach Ansicht von Katherine Fleming-Dutra von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta für eine Verkürzung der Therapie, auch wenn die Studie Vor­teile (etwa eine verminderte Störung der Darmflora) nicht untersucht hat.

Weitere Erkenntnisse werden von der laufenden SCOUT-CAP-Studie („Short Course vs Standard Course Outpatient Therapy of Community Acquired Pneumonia in Children“) des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) erwartet, die 384 Kinder mit ambulant erworbener Pneumonie auf eine Behandlung mit Amoxicillin oder Amoxicillin-Clavulanat oder Cefdinir oder Placebo randomisiert hat.

Laut der Registrierung ist die Studie inzwischen abgeschlossen, so dass mit baldigen Ergebnissen zu rechnen ist. © rme/aerzteblatt.de

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