NewsAuslandEngpässe bei Impfstoffzutaten, Kapazitätsausbau nötig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Engpässe bei Impfstoffzutaten, Kapazitätsausbau nötig

Mittwoch, 10. März 2021

/picture alliance, TT NEWS AGENCY, Henrik Montgomery

Genf – Der beispiellose Bedarf und die Produktion der Coronaimpfstoffe bringen die Industrie offenbar an ihre Kapazitätsgrenzen. „Impfstoffhersteller und Zulieferer berichten zunehmend über Engpässe bei Roh- und Verpackungsmaterial und Ausrüstung“, berichtete gestern die Denkfabrik Chatham House in Genf.

Sie hatte ein Treffen mit Vertreter der Industrie, von Verbänden und der UN-Impfinitiative Covax organi­siert, um Lösungen zu suchen. In einem Strategiepapier, das bei dem Treffen diskutiert wurde, heißt es, größere Produktionsmengen seien durch Effizienzsteigerungen in den bestehenden Fabriken, dem Um­bau bestehender älterer Fabriken für die Herstellung der neuen Stoffe und den Bau neuer Fabriken nö­tig.

Anzeige

Die Beratungen sind heikel. Pharmaunternehmen stehen unter Druck, die Patente der von ihnen ent­wickel­ten Coronaimpfstoffe vorübergehend auszusetzen. Damit sollen mehr Betriebe in aller Welt in die Lage versetzt werden, die Impfstoffe zu produzieren. Südafrika und Indien sind Vorreiter dieser Forde­rung in der Welthandelsorganisation (WTO).

Die Länder mit ansässigen Pharmaunternehmen lehnen das ab, ebenso die Pharmaindustrie. Sie argu­men­tiert, dass die Produktionsprozesse hoch komplex seien und sie mit allen Herstellern, die zur Pro­duktion in der Lage seien, schon Lizenzverträge geschlossen hätten. Dahinter steckt auch Sorge, dass der Ruf einer Firma irreparablen Schaden nehmen könnte, wenn ein Hersteller im Produktionsprozess Fehler macht und der Impfstoff nicht wirkt oder schwere Nebenwirkungen hervorruft.

Die Industrie habe die Produktion von bis zu 14 Milliarden Impfdosen bis Ende 2021 in Aussicht gestellt, heißt es in dem Papier. Das wäre drei- bis viermal so viel Impfstoff, wie bislang pro Jahr hergestellt wur­de.

Engpässe bei den Rohmaterialien für die Impfstoffe und die Verpackung drohten aber, die Zusa­gen zu­nich­te zu machen. Die Lieferketten seien komplex, weil teils mehr als 100 Bestandteile für einen Impf­stoff sowie die Verpackung nötig seien. Sowohl Zuliefer- als auch Produktionskapazitäten müssten aus­ge­baut werden.

Herausforderungen seien, dass angesichts der Virusvarianten der Bedarf schwer zu schätzen sei. Man­cher­orts würden vorsichtshalber schon Glasfläschchen gehortet. Es gebe zu wenig Standardgrößen, so dass eine Bestellung bei anderen als den üblichen Zulieferern schwierig werde. Bestrebungen, Exporte zu begrenzen, erschwerten die Marktlage noch.

Große Produktionsanlagen lägen in Regionen, die bereits Exportkontrollen haben. Engpässe zeichneten sich bei vielem ab, etwa bei Bioreaktorbeuteln für Zellkulturen, fötalem Kälberserum als Medium für Zell­kulturen, bei Glasfläschchen und Nanopartikeln, in die manche Impfstoffe eingelagert werden müssen.

Die Diskussionen fanden hinter verschlossenen Türen statt und den Teilnehmern wurde Vertraulichkeit zugesichert. Konkrete Lösungen wurden zunächst nicht präsentiert. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER