NewsMedizinSchon 2 Fischmahlzeiten in der Woche könnten erneuten Herz-Kreislauf-Erkran­kungen vorbeugen
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Medizin

Schon 2 Fischmahlzeiten in der Woche könnten erneuten Herz-Kreislauf-Erkran­kungen vorbeugen

Donnerstag, 11. März 2021

/Deyan Georgiev, stockadobecom

Hamilton/Ontario – Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen können durch den regelmäßigen Ver­zehr von Fisch ihr Risiko auf weitere kardiovaskuläre Ereignisse senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in JAMA Internal Medicine (2021; DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.0036), die die Ergeb­nisse aus 4 Kohortenstudien zusammenfasst.

Die Auswirkungen der Ernährung auf die Gesundheit lassen sich nur schwer untersuchen. Die Beobach­tungs­studien haben heute zwar in der Regel eine große Teilnehmerzahl, die Ernährungsgewohnheiten werden jedoch in der Regel mit Fragebögen erfasst, die nicht immer korrekt ausgefüllt werden und oft nur die Ernährung in einem kurzen Lebensabschnitt betreffen. Nur wenige Studien befragen die Teil­nehmer regelmäßig nach ihren aktuellen Ernährungsgewohnheiten. Hinzu kommt, dass dem Verbraucher mit der zunehmenden Verbreitung von industriell erzeugten Nahrungsmitteln oft nicht bewusst ist, woraus seine Mahlzeiten eigentlich bestehen. Außerdem lässt sich der Einfluss der zugesetzten Subs­tanzen kaum bewerten.

Unter diesen Einschränkungen leidet auch die PURE-Studie („Prospective Urban Rural Epidemiology“), die bisher 166.742 Menschen in 21 Ländern auf 5 Kontinenten zur Ernährung befragt hat und seither die Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. In einer Nachbeobachtungszeit von 9,1 Jahren war bisher kein eindeutiger Einfluss des Fischverzehrs erkennbar – weder bei Personen mit Vor­erkrankungen noch bei gesunden Menschen.

Das Team um Andrew Mente vom Population Health Research Institute an der McMaster Universität in Hamilton/Ontario hat sich deshalb entschlossen, die Studie um die Teilnehmer von 3 randomisierten Studien zu erweitern, die das Institut für Arzneimittelhersteller durchgeführt hatte.

Die ONTARGET-Studie hatte die Wirkung des ACE-Hemmers Ramipril auf die Herz-Kreislauf-Erkran­kungen untersucht. In der TRANSCEND-Studie waren die Patienten mit dem AT-Antagonisten Telmisartan (oder Placebo) behandelt worden. Die ORIGIN-Studie hatte die Auswirkungen von Insulin glargin unter­sucht.

In allen 3 Studien waren die Teilnehmer zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt worden, sodass Mente die Daten (unabhängig von den Ergebnissen zu den Wirkstoffen) in seine Analyse einbeziehen konnte. Der wichtigste Unterschied war, dass an den 3 Arzneimittestudien nur Patienten mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen teilgenommen hatten.

In allen 3 Studien konnte Mente für die Teilnehmer, die häufiger Fisch verzehrten, ein vermindertes Risiko auf weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisen. In der Gesamtschau mit den (wenigen) Teilnehmern der PURE-Studie, die bereits unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten, ermittelt Mente eine protektive Assoziation bereits ab einem Fischverzehr von 175 bis 350 Gramm pro Woche, was in etwa 2 wöchentlichen Fischmahlzeiten entspricht. Das Risiko auf ein weiteres Herz-Kreislauf-Ereignis war um 14 % vermindert (Hazard Ratio 0,86; 95-%-Konfidenzintervall 0,80 bis 0,82). Ein noch höherer Fisch­konsum erzielte mit einer Hazard Ratio von 0,88 (0,82 bis 0,95) keine stärkere Wirkung.

Die PURE-Studie lieferte eine mögliche medizinische Erklärung für den Rückgang des Herz-Kreislauf-Risikos. Der hohe Verzehr von Fisch war dort mit einen Rückgang der Triglyzeride im Plasma verbunden. Die Bedeutung der Triglyzeride als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden. Ob der Abfall der Triglyzeride tatsächlich die präventive Wirkung erklärt, kann die Studie jedoch nicht belegen.

Ernährungswissenschaftler führen die Vorteile eher auf den hohen Gehalt der Fische an Eicosapenta­ensäure (EPA) und Docosapentaensäure (DPA) zurück, die zu den Omega-3-Fettsäuren gehören, denen günstige Wirkungen auf Immunsystem, Blutgerinnung und Blutdruck zugeschrieben werden.

Interessanterweise hatten die Teilnehmer der PURE-Studie mit dem höchsten Fischverzehr die höchsten Blutzuckerwerte, was eigentlich ungünstige Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-Risiko haben sollte. Dieser Zusammenhang war bereits in früheren Studien aufgefallen. Die Ursache ist nicht klar. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 11. April 2021, 23:13

Unsere Meere

sind völlig überfischt, nahezu alle Speisefischarten in ihremBestand gefährdet. Fischzucht ruiniert durch ihre Fäkalien marine Ökosysteme, die Fütterung erfolgt mit Fischmehlpellets aus Beifang mit hohen, ungeprüften Anteilen an Schwermetallen und Pestiziden.
Fische wie Pangasius entstammen gschlossenen Aquakulturen, in denen die Fische mit Antibiotika gefüttert werden, weil sie in ihren eienen Fäkalien schwimmen müssen...
Bitte kene Fischverzehr-Empfehlungen mehr!
Avatar #860967
DrÄnna
am Sonntag, 11. April 2021, 22:41

Fischverzehr ist nichtmehr zeitgemäß

Ich bin über diesen Artikel mit wohl altbekannte Erkenntnissen ohne Ideeen für eine nachhaltige Zukunft und Alternativen durchaus überrascht.
Die omega3 Fettsäuren von denen hier gesprochen wird nimmt der Fisch bekanntlich durch den Verzehr von Algen auf.
So können wir dies auch in Kapsel oder Ölform tun.
In unserer heutigen Welt sollte es keine Empfehlungen zu zweimal wöchentlichem Fischverzehr für eine Population von bald 8 Milliarden Menschen geben.
Ich wünschte wirklich, dass endlich mehr Menschen und V.a. Ärzte erkennen, dass dieser Lebensstil nichtmehr angemessen ist.
Avatar #827591
MattySyntax
am Sonntag, 11. April 2021, 04:18

Wie man es erklären haben will

Sie wollen das so erklärt haben, das es diesen Grund hat. Was aber nichts mit den Behauptungen der Studie zu hat. Es wird generell weniger Fisch gegessen in der Bevölkerung und wenn, dann vorallem an der Küste. Derweil auch von Gesundheitswissen zu schwadronieren, das vermögende hätten. Naja sehr schwach mit Verlaub die Erklärungen.
Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 12. März 2021, 11:24

Das übliche Ergebnis

"Möglicherweise könnte vielleicht unter Umständen manchmal…" Das übliche Ergebnis fast aller Ernährungsstudien zu dem Zweck Publish and Forget.
Avatar #114287
Trippel_A
am Donnerstag, 11. März 2021, 18:44

Unsere Meere sind bekanntlich vergiftet

...und wir nehmen alles das auf in uns was der Fisch auch geschluckt hat ( Nanopartikel aus Plastik, Schwermetalle etc.). das Omega 3-Fettsäuren gesund sind weiß ich schon lange, deshalb nehme ich diese auch nur noch als Kapsel oder in flüssiger Form von gezüchteten und unverseuchten Fischen zu mir. Mein Blutdruck hat es mir gedankt u. ist seitdem wieder normal. Ich sollte noch erwähnen, dass ich auch meine Ernährung geändert hatte (mehr Obst u. Gemüse).
Avatar #735550
rp__bt
am Donnerstag, 11. März 2021, 18:30

Natürlich, das ist leicht zu erklären.

Fisch ist in den Industrieländern teuer; das einzige Lebensmittel, das über die letzten Jahrzehnte im Verhältnis zur Kaufkraft teurer geworden ist. Die Leute, die viel Fisch essen, sind also finanziell eher gut gestellt, und diese Leute haben bekannterweise mehr Gesundheitswissen, geben mehr Geld für die Gesunderhaltung aus und betreiben mehr Prävention.
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