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Medizin

Blutgerinnsel: EMA sieht kein erhöhtes Risiko durch Coronaimpfungen

Donnerstag, 11. März 2021

/picture alliance, NurPhoto, Roberto Silvino

Kopenhagen – Das Risiko von Blutgerinnseln erhöht sich nach Einschätzung der Europäischen Arznei­mittel­agentur (EMA) durch eine Coronaimpfung nicht. Nach bisherigen Erkenntnissen sei „die Zahl der thromboembolischen Ereignisse bei geimpften Menschen nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung“, teilte die EMA heute mit.

Zuvor hatten Dänemark und Norwegen den Gebrauch des Astrazeneca-Impfstoffs wegen eines befürch­teten Zusammenhangs zwischen einer Impfung und einem Blutgerinnselfall ausgesetzt. Die dänische Gesundheitsbehörde hatte die vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Vakzin von Astra­zeneca bekannt gegeben.

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Hintergrund seien Berichte über „schwere Fälle der Bildung von Blutgerinnseln“, wie die Behörde mitteil­te. Es sei allerdings noch nicht abschließend geklärt, ob es einen Zusammenhang zwischen den Impfun­gen und den Gerinnungsstörungen gebe. Kurze Zeit später verkündete auch Norwegen die Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca.

Wie zuvor die Dänen machten auch die Norweger deutlich, dass ein Zusammenhang zwischen Blutge­rinn­sel und Impfung nicht festgestellt worden sei. Aus Vorsicht unterbreche man die Impfungen mit dem Astrazeneca-Mittel je­doch, während die Untersuchungen liefen, sagte Bukholm. Diese Pause bedeute aber nicht, dass man von Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca in Zukunft abrate. Wie lange die Unterbrechung währen soll, ist unklar. In Dänemark sollen es 14 Tage sein.

Bislang haben rund 122.000 Menschen in Norwegen den Astrazeneca-Stoff erhalten. Sie werden vom FHI gebeten, sich nicht unnötig Sorgen zu machen. Wenn sich ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und Blutgerinnsel herausstelle, würde dies eine äußerst seltene Nebenwirkung darstellen, hieß es in einer Behördenmitteilung.

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin sah heute zunächst keinen Anlass für einen Stopp der As­tra­zeneca-Impfungen in Deutschland. „Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Coronaimpfung ursächlich in Verbindung steht“, erklärte ein Ministe­ri­umssprecher.

Das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) erklärte, es stehe mit der dänischen Arznei­mit­tel­be­hörde und der EMA in Kontakt und untersuche „die Sachlage“ in Deutschland. Bisher habe die EMA bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass die Zahl der Thromboembolien niedriger sei als bei der Zahl von Impfungen zu erwarten wäre.

„Ein direkter Zusammenhang ist nicht richtig vorstellbar, das kann auch Zufall sein“, sagte auch der In­fek­tiolo­ge Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. „Das ist etwas Außergewöhnliches. Gefäßverschlüsse sind weder in den Zulassungsstudien aufgetaucht noch bei den Impfungen in England, und dort ist man sehr wachsam.“ Allerdings müsse man dem Vorfall nachgehen, sagte Salzberger. „Wenn man ein solches Phänomen sieht, dann muss man das untersuchen, und das tun die Dänen derzeit.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte auf Twitter: „Der Impfstoff hätte aus meiner Sicht auf Grundlage eines Falles in Dänemark nicht gestoppt werden sollen.“ Die Schädigung des Vertrauens sei immens. Thrombosen seien eine häufige Folge von COVID-19. Davor schütze der Astrazeneca-Impf­stoff. Er bleibe dabei, dass der Impfstoff sicher sei. „Ich würde ihn jederzeit nehmen.“

Astrazeneca gab sich zunächst zurückhaltend. Man sei sich der dänischen Entscheidung bewusst, sagte ein Sprecher des britisch-schwedischen Pharmakonzerns. „Die Sicherheit des Impfstoffs ist in klinischen Phase-III-Studien ausführlich untersucht worden und die von Experten begutachteten Daten bestätigen, dass der Impfstoff generell gut verträglich ist“, hieß es auf Anfrage.

Der Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca ist seit Januar in der EU zugelassen. In Deutschland und mehreren anderen europäischen Länder war das Vakzin zunächst nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen worden, weil belastbare Daten für die Wirksamkeit bei älteren Menschen zunächst fehlten. Inzwischen wird der Impfstoff aber auch für Senioren empfohlen. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #830245
Hortensie
am Sonntag, 14. März 2021, 14:48

@ 2haeschen: Völlig richtig

Ich meine auch, dass man die statistische Wahrscheinlichkeit allein nicht heranziehen darf, wenn es um mögliche Risiken geht.
Ich bin sogar der Meinung (und wohl nicht nur ich), dass es, wenn astrazeneca tatsächlich bei bestimmten Personen Gerinnungsstörungen auslöst, es sehr lange dauern wird, bis die Wissenschaft zu dieser Erkenntnis gelangt.
Wie lange dauerte es, bis man bei der Pille sicher war, dass diese auch Thrombosen verursachen kann?
Man sollte m. E. aus Vorsichtsgründen Menschen, die Vorerkrankungen wie Gerinnungsstörungen, Lebererkrankungen, etc haben, ein Wahlrecht beim Impfstoff lassen.
Avatar #789658
2haeschen
am Freitag, 12. März 2021, 18:27

@docnemo

Danke für Ihren Beitrag... ich habe hier ausdrücklich keine Kritik an diesem Impfstoff geäußert.

In meinem Kommentar geht es darum, dass es nicht in Ordnung ist, vorsätzlich eventuelle Risiken für den Einzelnen herunter zu spielen.
Diese, bereits bisher übliche Vorgehensweise: " ganz selten ... höchst selten bis hin zu gar nicht vorstellbar" ist doch der Knackpunkt.

Im Schadensfall (der durchaus 1:1.000.000 liegen kann) geht es darum, ein (mit einer Schädigung) menschenwürdiges Leben zu führen.
Durch solche Vertuschungen (von vornherein festlegen, dass diese Schäden ohne Impfung STATISTISCH auch passieren können) -ohne diesen Fall zu kennen- od. aus lauter Sorge, dass d. "dumme" Bevölkerung davon etwas erfahren könnte, wird dem möglicherweise durch diese Impfung geschädigten anschließend das Leben massiv erschwert.

Ich habe das nicht irgendwo gelesen oder gehört ...

Meine Tochter hatte als Säugling 2 x schwere Nebenwirkungen. Es ist unbestritten durch die verwendeten Impfstoffe, ( 1 x wurde stationär geimpft). Bis heute (11 Jahre später) hat mir keiner der Gutachter erläutern können, wie es überhaupt dazu kommen kann, man versucht es natürlich auch nicht. Man weiss, dass die Kombination der Impfstoffe eine Rolle spielt (welche Rolle, bleibt geheim). Aber man ist sich sicher, dass der tatsächliche (spätere) Schaden eine andere Ursache haben muss.

Ich mache mir schwerste Vorwürfe, auf die Ärzte gehört zu haben. Ich mache mir auch schwerste Vorwürfe, aus Unwissenheit heraus nicht auf weitere Beweissicherung durch geeignete Untersuchungen bestanden zu haben. Welche Untersuchungen dafür geeignet gewesen wären, musste jedem Arzt bekannt sein, ebenso dem Gesundheitsamt, welches seiner Beratungspflicht zu keinem Zeitpunkt nachkam.

Mit diesem Wissen, kritisiere ich jeden Versuch der Vertuschung u. Verharmlosung aufs Schärfste.

Ich beeinflusse and. Menschen nicht, lehne persönlich jedoch aus diesen rechtlichen Gründen jede Impfung für mich u. me
Avatar #674615
Holger_7
am Freitag, 12. März 2021, 10:55

@ 2haeschen

Ich impliziere Sie sind weiblich. Es könnte alos sein, dass Sie eine Kontrazeption einnehmen. Diese Einnahme erhöht Ihr individuelles Risiko einer klinisch relevanten Thrombembolie um das 2-6 fache.
Wenn Sie Covid bekämen, wäre es an Ihren individuellen Risikofaktoren ob Sie einen schweren verlauf durchlaufen. Das Risiko im Rahmen eines schweren Covid Verlaufs eine klinisch relevante Thrombembolie zu bekommen ist das 5-fache gegenüber der Normalbevölkerung. Noch einmal fünfach ist das Risiko an Covid zu versterben, sollten sie eine Thrombembolie haben, gegenüber eines Covid ohne Thrombembolie. Da der AZ Impfstoff eine protektive Wirkung vor schweren verläufen aufweist ist das Risiko einer Thrombembolie durch AZ gegen das Risiko einer Thrombembolie mit Covid zu berechnen, unter Berücksichtigung Ihres individuellen Risikos. Ich gehe davon aus, selbst wenn ihre Riskiko für einen schweren Verlauf ein Promill wäre, wäre Ihr Risiko eine Thrombembolie nach Applikation von AZ zu bekommen ein Promill von einem Promill.
Besser Sie nehmen AZ als Covid und besser Sie nehmen AZ als Kontrazeption, bleibt als Quintessenz.
Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 12. März 2021, 09:33

Re: Werter Herr Lauterbach, treten Sie zurück!

Hier muss ich Karl Lauterbach, ausnahmsweise, einmal recht geben und das PEI für seine Entscheidung loben, AZ nicht zurückzurufen. Selbst wenn dieser eine Todesfall ursächlich auf AZ zurückzuführen wäre (was absolut unwahrscheinlich ist), würde dies das bislang gute Sicherheitsprofil des Impfstoffs, das aus Dutzenden Millionen von Impfungen gewonnen wurde, nicht beeinträchtigen. Ein Einbruch der Impfkampagne würde weitaus mehr Todesfälle verursachen als die Inkaufnahme einer absolut seltenen Komplikation. Wer sich vor AZ fürchtet, muss sich ja nicht impfen lassen - er muss dann halt noch länger auf Biontec warten... freie Entscheidung, die auch für Sie gilt! Den rational abwägenden Impfwilligen aus einer impfkritischen Ideologie heraus das Recht auf eine Impfung abzusprechen, ist für mich nicht verständlich.
Avatar #789658
2haeschen
am Freitag, 12. März 2021, 08:43

Werter Herr Lauterbach, treten Sie zurück!

Als Politiker sind Sie ein Vertreter des Volkes, nicht der Pharmaindustrie!

"Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte auf Twitter: „Der Impfstoff hätte aus meiner Sicht auf Grundlage eines Falles in Dänemark nicht gestoppt werden sollen.“ Die Schädigung des Vertrauens sei immens."

Die Schädigung des Vertrauens in den Impfstoff wiegt schwerer die (mögliche) Schädigung von Menschen?

Schon diese Überlegung, die ja sinngemäß bedeutet, dass man "über so seltene Nebenwirkungen" am besten schweigt, sorgt bei mir für Misstrauen.
LNS
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