NewsPolitikSARS-CoV-2: RKI rechnet mit deutlichem Anstieg an Neuinfektionen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

SARS-CoV-2: RKI rechnet mit deutlichem Anstieg an Neuinfektionen

Montag, 15. März 2021

/Photocreo Bednarek, stock.adobe.com

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) prognostiziert in der Woche nach Ostern höhere Neuinfek­tions­zahlen als rund um Weihnachten. „Die Extrapolation der Trends zeigt, dass mit Fallzahlen über dem Ni­veau von Weihnachten ab KW 14 zu rechnen ist“, heißt es im Lagebericht vom Freitagabend.

Die Kalenderwoche 14 beginnt am 5. April, dem Ostermontag. Die Inzidenz könnte dann bei 350 liegen. Demnach zeigt sich bei der Variante B.1.1.7 ein exponentiell ansteigender Trend der Sieben-Tage-Inzi­denz seit der zweiten Kalenderwoche.

Anzeige

Alle zwölf Tage habe sich diese verdoppelt. Demgegenüber zeige der Verlauf bei allen übrigen Varianten einen Rückgang um etwa 19 Prozent pro Woche. Diese beiden Trends würden sich zurzeit noch über­la­gern, was insgesamt zu der nur langsam ansteigenden Sieben-Tage-Inzidenz der vergangenen vier Wo­chen geführt habe.

Die Bundesregierung rief die Länder angesichts der steigenden Zahlen eindringlich zur Einhaltung der beschlossenen Notbremse auf. „Wir müssen den Beschluss vom 3. März umsetzen, nicht nur in seinen erfreulichen Passagen, sondern eben auch in seinen schwierigen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert heute in Berlin.

Bund und Länder hatten beschlossen, dass die Lockdown-Regeln wieder in Kraft treten, wenn die Inzi­denz in einem Bundesland oder einer Region an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt, es also mehr Infektionen als 100 pro 100.000 Einwohnern und sieben Tagen gibt. „Dieser Beschluss ist umzusetzen“, sagte Seibert.

Lauterbach für Schulstopp bis Ostern

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat angesichts stark steigender Coronainfektionszahlen ein Maßnahmenpaket gefordert, darunter einen Schulstopp bis Ostern. „Die dritte Welle rollt bereits seit zwei Wochen durch Deutschland", sagte Lauterbach der Rheinischen Post von heute. Um die Lage be­herrschbar zu halten und die Krankenhäuser nicht zu überfordern, seien drei Maßnahmen erforderlich.

„Erstens muss die bei der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossene Notbremse konsequent gezogen werden, wenn in Regionen die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 steigt“, forderte Lauterbach. „Ich rechne damit, dass wir trotz bestehender Lockdownregelungen Anfang April bundesweit diese Marke reißen werden. Es darf keine lokalen Ausnahmen bei der Notbremse geben.“

Zudem müssten die Impfzentren konsequent die Erstimpfungen mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Astrazeneca fortsetzen und die Prioritätsgruppen strikt einhalten. „Das Thrombose-Risiko ist nicht erhöht, wie jüngste Studien aus den vergangenen Tagen zeigen“, betonte der SPD-Politiker.

„Drittens bin ich für einen Schulstopp, weil die Virusmutationen sich insbesondere bei den Jüngeren rasant ausbreiten“, sagte Lauterbach. „Ich appelliere an die Länder, alle Schulen bis Ostern wieder zu schließen, auch die Grundschulen.“

Nur wenige Abweichungen sollten erlaubt sein. „Eine Ausnahme dürfen nur die Schulen machen, die bereits die Schüler zweimal pro Woche mit Schnelltests testen können.“ Es sei ein Fehler gewesen, die Schulen „ohne flächendeckend funktionierende Testabläufe zu öffnen“.

Sieben-Tage-Inzidenz bei 82,9

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner ist unterdessen zum fünften Mal in Folge deutlich gestiegen. Heute lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 82,9 und damit weit höher als am Vortag (79,1), wie aus den Zahlen des RKI hervorging. Einen solchen Wert hatte es zuletzt am 3. Februar gegeben. Danach war die Inzidenz noch einige Zeit gesunken, ein Tiefstand wurde mit 56,8 am 19. Februar erreicht.

Seither geht es mit dem Wert in der Tendenz wieder merklich aufwärts. Wie stark dabei neben ansteck­enderen Virusvarianten und dem Verhalten der Menschen im Zuge erster Lockerungen zuletzt auch die eingeführten Schnelltests einen Einfluss haben könnten, ist noch unklar.

Angenommen wird, dass sich darüber mehr Infektionen aufspüren lassen, die dann mit einem PCR-Test bestätigt werden und in die Statistik einfließen. In den bisher verfügbaren Daten sticht allerdings noch keine sehr starke Zunahme bei der Zahl der wöchentlichen PCR-Tests ins Auge.

Bestätigt wird der Hinweis auf eine zunehmend in Schwung kommende dritte Welle von der Entwicklung der Reproduktionszahl. Der im abendlichen Lagebericht des RKI angegebene bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag in den vergangenen zwei Wochen (seit 1. März) nur fünf Mal unter 1 und vor allem in den vergangenen Tagen deutlich darüber.

Ein Wert über 1 bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch mehr als 100 weitere Menschen anstecken – ein anhaltend über 1 liegender Wert gilt darum als Signal für eine Zunahme beim Infektionsgeschehen. Das Sieben-Tage-R von gestern Abend lag laut RKI-Lagebericht bei 1,19 (Vortag 1,19). Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab.

Auch bei der Zahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Patienten zeichnet sich nach Wochen sinkender Zahlen inzwischen eine Trendwende ab. Der wissenschaftliche Leiter des Intensiv­re­gis­ters der Fachgesellschaft DIVI, Christian Karagiannidis, hatte kürzlich mit Blick auf die dritte Corona­welle gesagt, dass nur genug Kapazitäten vorhanden seien, um eine leichte Infektionswelle zu verkraf­ten.

Eine starke Welle bedeute hingegen eine Katastrophe, weil die Zahl der freien Betten derzeit nicht rasch genug steige und das Personal erschöpft sei. „Entscheidend ist, dass die Ansteckungsrate nicht über den sogenannten R-Wert von etwa 1,2 steigt“, sagte er. Das sei etwa die Grenze, bei höheren Werten werde es kritisch.

Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt 6.604 Coronaneu­infektionen – 1.593 mehr als vor einer Woche, wie aus den Zahlen des RKI von heute hervorging. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 47 weitere Todesfälle verzeichnet. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 6.30 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich.

Vor einer Woche waren dem RKI binnen eines Tages 5.011 Neuinfektionen und 34 Todesfälle gemeldet worden. Experten nehmen an, dass die COVID-19-Impfungen von Menschen höherer Altersgruppen be­reits Auswirkungen haben: Es sterben demnach wohl bereits merklich weniger Menschen als ohne Im­pfungen der Fall wäre.

Der Höchststand von 1.244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den bin­nen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden – er enthielt jedoch 3.500 Nachmeldungen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.575.849 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht er­kannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.365.100 an. Die Gesamtzahl der Men­schen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 73.418. © dpa/afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #550935
Arco
am Montag, 15. März 2021, 19:01

R Wert, Inzidenzwert, PCR Tests, Schnelltests....

Wer bei symptomlosen "Infektionen" viel testet findet viel.
Anstatt auf diese Zahlen zu schauen und fortgesetzt das Grundgesetz ausser Kraft zu setzen, Unternehmen zu ruinieren, Arbeitsplätze und Existenzen zu vernichten, Kinder zu quälen, Familien und Menschen zu zerstören, ist es die Pflicht der Machthaber*innen, die Risikogruppen mit absoluter Priorität zu impfen und medizinisches Personal mit absoluter Priorität zu motivieren, ihren Job zu machen.
Dann müssen die verfassungswidrigen Maßnahmen endlich beendet werden.
Wer 1.000.000.000.000 Euro für den Lockdown ausgibt, muss 1.000.000.000 Euro für den einzig gangbaren Weg aus der Krise übrig haben.
Gnade uns Gott bei dieser Bundesregierung!
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER