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Medizin

Morbus Crohn: Häufiger Pilz in Nahrungsmitteln kann Heilung der Darmläsionen verzögern

Freitag, 30. April 2021

/skd, stock.adobe.com

Cleveland/Ohio – Der Pilz Debaryomyces hansenii, der häufig bei der Herstellung von Käse und Wurst­waren verwendet wird, kann Schleimhautläsionen im Darm besiedeln und deren Abheilung verzögern.

Eine Studie in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abd0919) bringt den als harmlos eingestuften Hefepilz mit der Pathogenese des Morbus Crohn in Verbindung. Der häufige Einsatz von Antibiotika könnte eine Schlüsselrolle spielen.

Der Morbus Crohn beginnt mit rezidivierenden Ulzerationen in der Schleimhaut, die anders als bei gesunden Menschen nur schwer abheilen und über Wochen und Monate bestehen bleiben können. Die Entzündung greift dann auf alle Schichten der Darmwand über und kann durch die Bildung von Fisteln den gesamten Bauchraum in Mitleidenschaft ziehen.

Ein Team um Thaddeus Stappenbeck von der Cleveland Clinic hat nach den Ursachen für die Wundhei­lungsstörungen gesucht. Den Ausgangspunkt bildete die Untersuchung von Mäusen, bei denen es nach der Behandlung mit mehreren Breitspektrumantibiotika (Vancomycin, Neomycin, Ampicillin und Metronidazole, VNAM) ebenfalls zu Wundheilungsstörungen kommt, wenn der Darm vorher mechanisch verletzt wird.

Die genaue Untersuchung der Läsionen zeigte, dass die Antibiotika nicht direkt für die Wundheilungs­störung verantwortlich waren. Sie begünstigten allerdings die Besiedlung der Wunden mit Pilzen, die die Forscher mittels Färbemethoden und PCR-Nachweis der Gene aufspüren konnten. Außerdem konnten die Wundheilungsstörungen durch die zusätzliche Behandlung mit dem Antimykotikum Amphotericin B verhindert werden.

Nähere Untersuchungen ergaben, dass die schwer verheilenden Wunden vor allem mit dem Hefepilz Debaryomyces hansenii besiedelt waren. Die Wundheilungsstörungen konnten in einem Experiment auch ohne VNAM-Vorbehandlung ausgelöst werden, wenn den Tieren in größerer Menge Debaryomyces hansenii ins Futter gemischt wurde. Dies gelang auch bei keimfrei aufgewachsenen Tieren. Damit war bewiesen, dass die Bakterien nicht an der Wundheilungsstörung beteiligt waren. Die Bakterien könnten im Gegenteil eine protektive Funktion haben, indem sie eine Besiedlung der Wunden durch die Pilze verhindern.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Pilze von Makrophagen aufgenommen werden, die dann durch Freisetzung des Zytokins CCL5 T-Zellen anlocken. Tiere, denen das Gen für CCL5 fehlt, entwickel­ten jedenfalls keine Wundheilungsstörungen. Ähnliches gilt für Typ 1 Interferone, deren Bildung durch die Pilze angestoßen wird. Tiere, die keine Typ 1 Interferone bilden können, entwickelten ebenfalls keine Wundheilungsstörungen.

Im nächsten Schritt haben die Forscher Biopsien von Crohn-Patienten untersucht. Bei allen wurde Debaryomyces hansenii gefunden und zwar überwiegend in den entzündlichen Läsionen.

Die Ergebnisse deuten auf eine mögliche Rolle des Hefepilzes in der Pathogenese des Morbus Crohn hin. Sie liefern zudem Anregungen für neue therapeutische Ansätze. So könnte untersucht werden, ob die Schübe der Erkrankungen durch eine Behandlung mit Antimykotika verkürzt werden. Diese Studien könnten die von Stappenbeck aufgestellte Hypothese belegen (oder widerlegen, wenn sie sich als wirkungslos erweisen).

Eine andere zu erkundende Therapie könnte in der Blockade von CCL5 bestehen. Die heute häufige Behandlung des Morbus Crohn mit Immunsuppressiva, die Pilzinfektionen begünstigen, könnte sich ebenso wie der Einsatz von Antibiotika als kontraproduktiv erweisen. Auch diese Hypothese müsste jedoch zunächst in klinischen Studien überprüft werden.

Die Verbindung mit Debaryomyces hansenii könnte auch die epidemiologische Assoziation des Morbus Crohn mit einer westlichen Lebensweise und Ernährung erklären. Die Erkrankung tritt in Europa und Nordamerika sehr viel häufiger auf als in ärmeren Ländern.

In Ostasien ist sie mit der Aufnahme westlicher Lebensgewohnheiten deutlich häufiger geworden. Debaryomyces hansenii ist hierzulande in vielen Nahrungsmitteln vorhanden, neben fast allen Käse­sorten auch in Wurst, Bier, Wein und fermentierten Lebensmitteln. © rme/aerzteblatt.de

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