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Politik

Ärzte sollen nach Ostern mit Coronaimpfungen beginnen

Freitag, 19. März 2021

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) /picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Berlin – Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland sollen unmittelbar nach Ostern routinemäßig in die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus einsteigen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder heute bei einer Telefonkonferenz beschlossen. Vorgesehen ist allerdings die Möglichkeit, dass Länder bis zum 22. März erklären, sich daran nicht zu beteiligen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfüge man nun über eine gute Grundlage mit verfügbaren Impfstoffen, um die Niedergelassenen an der Impfkampagne zu beteiligen. So wolle man „schneller und flexibler“ werden – die Devise laute „impfen, impfen, impfen“.

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Dabei bleibe man bei „verlässlichen Lieferungen“ an die Impfzentren, so Merkel. Für einen planbaren Betrieb sollen die Anlieferungsstandorte der Länder im April laut des Beschlusses wöchentlich kontinuierlich mit 2,25 Millionen Dosen beliefert werden. Darüber hinaus zur Verfügung stehende Mengen sollen an die Praxen gehen.

Umgerechnet auf rund 50.000 Hausärzte in Deutschland geht es demnach Anfang April um eine Größenordnung von 20 Impfdosen pro Praxis – insgesamt rund eine Millionen Impfdosen. In der letzten Aprilwoche sollen dann jedoch schon fast 3,2 Millionen Impfdosen an Praxen gehen. Man habe „tiefes Vertrauen“ in die Ärzte, dass diese verantwortungsvoll mit der gewährten Flexibilität bei der individuellen Priorisierung umgehen, so Merkel.

Vereinbart wurde ferner, dass fünf Bundesländer zum Schutz vor dem Eintrag mutierter Coronaviren durch Pendler aus Nachbarstaaten zusätzliche Impfdosen bekommen sollen. Dies betrifft Thüringen sowie das Saarland und Rheinland-Pfalz mit ihrer Grenze zu Frankreich sowie Bayern und Sachsen wegen der hohen Infektionszahlen in Tschechien. Dem Beschluss zufolge soll Bayern 100 000 zusätzliche Impfdosen bekommen, Sachsen 100 000, das Saarland 80 000, Thüringen 30 000 und Rheinland-Pfalz 20 000 Dosen.

Zusammen sind das 330 000 Dosen. Dieser Impfstoff soll aus der Zusatzlieferung von 580 000 Dosen des Herstellers Biontech/Pfizer kommen, die dieser Hersteller zugesagt hat. Die restlichen 250 000 Zusatzdosen sind in der Woche nach Ostern für die Hausarztpraxen eingeplant.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte diese Einigung von Bund und Ländern unmittelbar nach der Telefonschalte beim Kurznachrichtendienst Twitter ein „gutes Signal beim Impfgipfel“. Er lobte auch die Einigung von Bund und Ländern, die Arztpraxen in Deutschland und die Betriebsärzte ab der Woche nach Ostern in schrittweise stärker in die Corona-Impfungen einbinden zu wollen. „Wir brauchen mehr Flexibilität und Geschwindigkeit beim Impfen“, schrieb Söder bei Twitter.

Wegen der stark steigenden Coronainfektionszahlen muss aus der Sicht von Bundeskanzlerin Merkel die von Bund und Ländern beschlossene Notbremse gezogen werden. „Ich hätte mir gewünscht, ohne Notbremse auskommen zu müssen“, betonte sie nach dem Impfgipfel.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, begrüßte die Beschlüsse von Bund und Ländern zwar als "gut und richtig", da jetzt der Impfstart in den Arztpraxen beginnen könne. Gerade für ältere Patienten sei ein Impfangebot bei ihrem vertrauten Hausarzt und in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld eine echte Alternative zu dem Besuch eines möglicherweise weit entfernten Impfzentrums. Daher sei es für ihn aber unverständlich, dass der Beschluss eine Opt-out-Regelung für Bundesländer enthalte, die sich im April noch nicht an den Impfungen in den Praxen beteiligen wollen. Positiv bewertete Reinhardt , dass die Hausärzte eine gewisse Flexibilität beim Impfschema erhielten, wenn dies aus ihrer fachlichen Sicht medizinisch geboten sei. "Schließlich wissen sie am besten, welche Patienten besonders gefährdet sind“, so Reinhardt. Die Beschlüsse blieben aber Makulatur, wenn nicht ausreichend Impfstoff sowohl für die Impfzentren als auch für die Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden könne.

„Wenn alle Impfzentren unter Volllast laufen, vor allem aber 50.000 Arztpraxen mit ihrem Knowhow aus den jährlichen Grippeschutzimpfungen in die Impfkampagne eingebunden werden, haben wir eine echte Chance, bis zum Sommer allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen“, sagte Reinhardt. Dafür müssten Bund und Länder jetzt auf die ursprünglich zugesagten Impfstoff-Liefermengen drängen und zudem für ausreichend Verbrauchsmaterialien wie Spritzen und Kanülen sorgen. „Auch wenn die Impfstoffmengen im Moment noch begrenzt sind, sollten alle Arztpraxen schnellstmöglich in die Lage versetzt werden, zumindest für besonders gefährdete Patientengruppen separate Impfsprechstunden anbieten zu können, forderte der Bundesärztekammer-Präsident.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen bewertete es positiv, dass die Kanzlerin die wichtige Rolle der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen erkannt habe. Dennoch habe man weiter auf die Bundesländer und deren Impfzentren gesetzt, kritisierte er. Damit sei einen Chance vertan worden. "Jetzt müssen die Länder aber auch liefern und wöchentlich 2,25 Millionen Impfdosen verimpfen. Schaffen sie das nicht, müssen sie sich dafür verantworten", so der KBV-Chef.

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der KBV, Stephan Hofmeister, bedauerte, dass die vertragsärztlichen Praxen zunächst nur in sehr überschaubarem Rahmen einbezogen werden mit sehr geringen Mengen an Impfdosen einbezogen würden. "Der Vorteil und die Geschwindigkeit der dezentralen, wohnortnahen Impfung überwiegt zentrale Impfszenarien bei Weitem. Das gilt insbesondere für ältere Menschen und chronisch Kranke, die in den Praxen schon bekannt sind“, so Hofmeister. © dpa/aha/aerzteblatt.de

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Avatar #707486
Plastiker Berlin
am Samstag, 20. März 2021, 11:02

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Herr Reinhardt?
Das meinen Sie wirklich?
Treten Sie sofort zurück.
Mir fehlen die Worte!
LNS
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