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Ärzteschaft

Mediziner fürchten langfristige Notlage auf Intensivstationen

Mittwoch, 17. März 2021

/picture alliance, Bodo Schackow

Nürnberg – Intensivmediziner in Deutschland warnen für die kommenden Jahre vor einer verschlech­terten Versorgung von Patienten auf den Intensivstationen. Schon vor der Coronapandemie seien viele tausend Stellen unbesetzt gewesen, erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesio­logie und Intensivmedizin (DGAI), Frank Wappler, heute in Nürnberg. Derzeit verließen „jede Woche“ weitere Pflegekräfte den Beruf: „Ihr Wissen, ihre Arbeitskraft und ihr Können sind damit erst einmal für Jahre verloren.“

Nachwuchskräfte müssten lange und aufwendig ausgebildet werden, „so man sie überhaupt noch findet“, fügte Wappler hinzu. Bereits in den vergangenen Jahren habe es in vielen Städten gesperrte Intensiv­betten und abgemeldete Intensivstationen gegeben. In diesen Krankenhäusern konnten schwerkranke Patienten nicht mehr aufgenommen, mussten anderswo versorgt oder verlegt werden. „Durch die sinken­de Zahl an Arbeitskräften wird die Zahl solcher Situationen nach der Pandemie deutlich zuneh­men", so Wappler.

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Der DGAI-Präsident forderte die Bundesregierung auf, den Beruf als Pflegekraft auf der Intensivstation attraktiver zu machen. Schnelles Handeln sei erforderlich: „Es geht vor allem darum, auf die Wünsche der Bewerber zur Gestaltung ihres Lebens einzugehen, mit attraktiven Arbeitszeiten, Schichtdienst­ein­teilungen, Familienversorgung und Kitaplätzen.“ Eine gerechte Entlohnung sei ebenfalls ein wichtiger Anreiz für den Einstieg in die Intensivpflege, aber nicht mehr der wichtigste. Einmalige Prämien, die verpufften, reichten hier nicht aus.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) unterdessen binnen eines Tages 13.435 Coronaneuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI von heute hervor. Das sind deutlich mehr als die 9.146 Neuinfektionen, die vor genau einer Woche gemeldet worden waren. Damals hatten zwar die Angaben aus Hamburg gefehlt, diese bewegen sich pro Tag im dreistelligen Bereich. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 5.00 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Er­gänzungen sind möglich.

Auch die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) stieg wieder deutlich an: Sie lag laut RKI heute Morgen bei 86,2 und damit höher als am Vortag (83,7). Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 249 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es – ohne die Daten aus Hamburg – 300 gewesen.

Vor vier Wochen, am 17. Februar, hatte die Inzidenz noch bei 57,0 gelegen. Die Zahl der neuen Ansteck­un­gen in Deutschland war im Januar und Februar über Wochen deutlich zurückgegangen. Zuletzt stieg sie jedoch wieder an, was auch an der Verbreitung ansteckenderer Varianten liegen könnte.

Der Höchststand von 1.244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden – er enthielt jedoch 3.500 Nachmeldungen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.594.764 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht er­kannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.383.600 an. Die Gesamtzahl der Men­schen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 73.905.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von gestern Abend bei 1,06 (Vortag 1,15). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 106 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektions­geschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen. © kna/dpa/aerzteblatt.de

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