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Medizin

Antibiotikapro­phylaxe: Kreuzallergie zwischen Penicillin und Cefazolin selten

Montag, 10. Mai 2021

Molekularmodell von Cefazolin / Alexey Novikov, stock.adobe.com

Aurora/Colorado – Viele Chirurgen vermeiden bei Patienten mit Penicillinallergie den Einsatz von Cefazolin, das ansonsten zu den am häufigsten verwendeten Mitteln zur perioperativen Antibiotika­prophylaxe gehört. Die Gefahr einer Kreuzallergie ist laut einer aktuellen Metaanalyse in JAMA Surgery (2021; DOI: 10.1001/jamasurg.2021.0021) jedoch geringer als bisher angenommen.

Fast jeder 10. Patient gibt in der präoperativen Anamnese an, unter einer Penicillinallergie zu leiden. Eine Bestätigung durch einen Allergologen liegt zwar in den wenigsten Fällen vor. Anästhesisten verzichten dennoch vorsichtshalber auf den Einsatz eines Penicillins. Dies ist unproblematisch, da Penicilline ohnehin kaum noch zur Antibiotikaprophylaxe verwendet werden.

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Anders ist dies bei dem kostengünstigen Cephalosporin der 1. Generation Cefazolin, das wegen seines breiten Aktivitätsspektrums zu den beliebtesten Mitteln zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe gehört. Cefazolin wird wegen der Gefahr einer Kreuzallergie ebenfalls gemieden, wenn der Patient eine Penicillinallergie angibt.

Die Sorge gründet sich auf Untersuchungen aus den 1960er und 1970er Jahren, in denen bei 8 % der Patienten eine Kreuzreaktivität zwischen Penicillinen mit Cephalosporinen der 1. Generation wie Cefazolin gefunden worden war.

Ein Team um Meghan Jeffres vom Anschutz Medical Campus der Universität von Colorado in Aurora kommt in einer aktuellen Metaanalyse zu einer deutlich niedrigeren Rate von Kreuzreaktionen. Die Pharmakologen haben die Daten von 77 Studien ausgewertet. Von den 6.001 Patienten mit Penicillin­allergie fiel bei 44 oder 0,7 % ein Allergietest auf Cefazolin positiv aus.

Etwas häufiger war die Kreuzallergie mit 3,0 % bei den Patienten, bei denen die Penicillinallergie durch Tests bestätigt wurde. Bei diesen Patienten rät Jeffres zur Vorsicht, bei den Patienten mit unbestätigter Penicillinallergie wäre ihrer Ansicht nach die Wahl von Cefazolin für die perioperative Antibiotikapro­phylaxe vertretbar (es sei denn, die Patienten erinnern sich an eine schwere allergische Reaktion auf Penicillin).

Anders ist die Situation bei einer bekannten Allergie auf Cefazolin. Sie wurde zwar in der Studie nur von 146 Patienten angegeben. Bei diesen Patienten wurde bei den Tests zu 3,7 % eine Allergie auf Penicillin gefunden. Bei den chirurgischen Patienten betrug der Anteil sogar 4,4 %. Hinzu kommt ein wegen der geringen Fallzahl weites Konfidenzintervall von 0 bis 23,0 %, das ein weiterer Grund zur Vorsicht sein sollte. © rme/aerzteblatt.de

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