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Medizin

Antigenschnelltests: Große Qualitäts­unterschiede, genaueste Ergebnisse in 1. Krankheitswoche

Donnerstag, 25. März 2021

/picture alliance, Weber/ Eibner-Pressefoto

Birmingham – Die Antigenschnelltests zu SARS-CoV-2 weisen erhebliche Qualitätsunterschiede auf. Ob der Nachweis einer Infektion gelingt, hängt zudem stark vom Stadium der Erkrankung ab. Zu dieser Ein­schätzung gelangt eine Metaanalyse in der Cochrane Database of Systematic Reviews (2021; DOI: 10.1002/14651858.CD013705.pub2), die jedoch bei Experten auf Kritik stößt.

Das erste Mal hatte die Cochrane-Gruppe um Jonathan Deeks von der Universität Birmingham die Quali­tät von Schnelltests im August 2020 bewertet. Damals standen erst 22 Studien zur Verfügung. Die neue Analyse berücksichtigt 58 Studien.

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Der Stichtag war allerdings der 16. November. In den schnellen Zeiten einer Pandemie sind die Ergeb­nisse fast schon überholt, meint Louise Kenny von der Universität Liverpool gegenüber dem Science Me­dia Center. Ein weiterer fundamentaler Einwand betrifft den Vergleich mit dem PCR-Test. Dieser Ver­gleich benachteilige den Antigentest, findet Irene Petersen vom University College London.

Denn es sei bekannt, dass viele Menschen noch Virusmaterial im Abstrich haben, wenn sie nicht mehr infektiös sind (es könnte sich um genetische Reste von zerfallenen Viren handeln). Der Antigentest könnte deshalb besser sein, als die Vergleiche mit dem PCR-Test vermuten lassen.

Diese Vergleiche zeigen, dass die Sensitivität bei symptomatischen Patienten mit 72,0 % (95-%-Konfi­denzintervall 63,7% bis 79,0 %) besser ist als bei asymptomatischen Teilnehmern (58,1 %; 40,2 % bis 74,1 %). In der 1. Woche nach Auftreten der Symptome war die Sensitivität mit 78,3 % (71,1 % bis 84,1 %) am höchsten. In der 2. Woche der Symptome ging sie bereits auf 51,0 % zurück (40,8 % bis 61,0 %).

Die Sensitivität des Tests hängt stark vom Ausmaß der Virusmenge ab. Bei einem Zyklusschwellenwert (Ct) der PCR von 25 oder weniger, der eine hohe Viruskonzentration anzeigt, betrug die Sensitivität 94,5 % (91,0 % bis 96,7 %). Wenn die PCR mehr als 25 Vermehrungszyklen benötigt, um die Virusgene nachzuweisen, sinkt die Sensitivität auf 40,7 % (31,8 % bis 50,3 %). Dies lässt sich als Schwäche oder als Stärke werten.

Als Schwäche, weil der Antigentest nicht 100-%ig ist, als Stärke, weil er genau jene Personen erkennt, die aufgrund einer starken Viruslast am ehesten als Überträger infrage kommen und als Superspreader die meisten Personen infizieren könnten.

Eine sensible Frage sind die Qualitätsunterschiede der einzelnen Tests. Die Cochrane-Metaanalytiker attestieren dem Test von Coris Bioconcept nur eine Sensitivität von 34,1 % (29,7 % bis 38,8 %). Am besten schnitt mit einer Sensitivität von 88,1 % (84,2 % bis 91,1 %) der SD Biosensor STANDARD Q ab.

Da die Tests nur selten in direktem Vergleich miteinander geprüft wurden und sich die Personengruppen der einzelnen Studien unterscheiden können, dürften die Hersteller eine andere Einschätzung zur Quali­tät ihrer Tests haben als die Cochrane-Analytiker. Diese diskutieren das Für und Wider ihrer Ergebnisse in dem 409-seitigen Dokument.

Die Forscher haben auch 5 molekulare Schnelltests untersucht, die wie der PCR-Test Virusgene nach­weisen. Die meisten Daten lagen zum „ID NOW COVID-19“-Test und zum „Xpert Xpress“-Test vor. Die Sensitivität von „ID NOW“ liegt laut der Cochrane-Analyse bei 73,0 % (66,8 % bis 78,4 %). Der „Xpert Xpress“ erreichte eine Sensitivität von 100 % (88,1 % bis 100 %). Die Spezifitäten der beiden Tests lagen bei 99,7 % und 97,2 %. © rme/aerzteblatt.de

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