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Medizin

COVID-19: Sterberate an deutschen Unikliniken gesunken

Freitag, 26. März 2021

/picture alliance, Luca Bruno

Erlangen – Die Chancen, eine schwere Erkrankung an COVID-19 zu überleben, sind im Verlauf des ver­gangenen Jahres gestiegen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Medizininformatik-Initiative von 14 deutschen Unikliniken, die demnächst in Anästhesiologie und Intensivmedizin veröffentlicht werden. Die Mediziner führen den Rückgang der Sterberate auf die zunehmenden Erfahrungen mit der Erkrankung und eine verbesserte Therapie zurück.

Auch die Behandlung an einer Klinik der Maximalversorgung mit einer ausreichenden Zahl von Beat­mungsplätzen und der Möglichkeit zur extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) bietet keine Ge­währ dafür, eine schwere COVID-19 zu überleben.

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In den ersten Monaten der Epidemie (bis 19. April) starben an den Universitätskliniken 20,7 % der CO­VID-19-Patienten. Bei den beatmeten Patienten lag der Anteil sogar bei 39,8 %. In den Monaten danach (bis 18. September) kam es dann jedoch zu einem Rückgang auf 12,7 % in der Gesamtsterb­lichkeit und auf 33,7 % bei den beatmeten Patienten.

An den 14 Kliniken wurden im Gesamtzeitraum 1.318 Patienten mit COVID-19 behandelt. Von ihnen wurden 490 Patienten (37,2 %) beatmet, bei 124 Patienten (9,4 %) wurde eine ECMO durchgeführt (von denen 58 Patienten gerettet werden konnten). Bei 17,5 % der Patienten war eine Hämofiltration, Hämo­dialyse oder Hämodiafiltration notwendig. Dies war vor allem bei den beatmeten Patienten der Fall.

Die häufigsten Komorbiditäten der Patienten waren eine Niereninsuffizienz (35,2 %), eine Anämie (26,0 %) und ein Diabetes mellitus (21,1 %). Bei 10,1 % der Patienten lagen Störungen mit Beteiligung des Immunsystems vor.

Der wichtigste Risikofaktor für einen tödlichen Ausgang ist das Alter. Das Durchschnittsalter aller COVID-19-Patienten betrug 61,2 Jahre. Die beatmeten Patienten waren im Durchschnitt 63,7 Jahre und die verstorbenen Patienten 71,2 Jahre alt.

Auch das männliche Geschlecht ist ein Risikofaktor: Der Anteil männlicher COVID-19-Patienten lag ins­gesamt bei 63,4 Prozent, bei den beatmeten Patienten waren 74,9 Prozent männlich, bei den verstor­be­nen 72,6 Prozent.

Das Team um Jürgen Schüttler, Direktor der Anästhesiologischen Klinik am Universitätsklinikum Erlan­gen, bringt den Rückgang der Sterberate mit zunehmenden Erkenntnissen zur Pathophysiologie, zum Krankheitsverlauf und zu den Therapieoptionen in Verbindung.

Die RECOVERY-Studie hatte Mitte Juni 2020 gezeigt, dass die Behandlung mit Dexamethason die Sterb­lichkeit von beatmungspflichtigen Patienten senkt. Die Ergebnisse wurden in Deutschland rasch in die S1-Leitlinie der AWMF aufgenommen. Auch der Erkenntnisgewinn zur Antikoagulationstherapie bei COVID-19-Patienten könnte lautSchüttler einen Einfluss gehabt haben.

Die Behandlungsergebnisse stehen im Einklang mit internationalen Erfahrungen. Auch in anderen Län­dern sind die Sterberaten gesunken gemeldet. Besonders erfolgreich scheinen Mediziner aus New York zu sein.

Leora Horwitz von der New York University meldete kürzlich im Journal of Hospital Medicine (2021; DOI: 10.12788/jhm.3552) einen Rückgang der Mortalitätsrate von 25,6 % im März auf nur 7,6 % im August. Die außerordentlich guten Zahlen könnten jedoch auch mit einem Rückgang des Alters von 63 auf 49 Jahre und des Anteils der Komorbiditäten von 80,7 % auf 71,6 % zusammenhängen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #659995
Claus Günther
am Samstag, 27. März 2021, 21:30

COVID-19: Sicher ist der nichtletale Verlauf bei Patienten < 40 Jahre

Die retrospektive Analyse von Schuettler et al. stellt zwar eine niedrigere Letalität im Zeitraum 20.04. – 18.09.2020 im Vergleich zu 06.01. – 19.04.2020 fest, begründet jedoch nicht die Wahl des Cutoff-Wertes für die zwei Perioden. Im ersten Zeitraum lag die Spitzenbelastung der 1. COVID-19-Welle (siehe Abb. 3 der Arbeit). Belastungsspitzen werden jedoch als Grund für eine höhere Letalität gar nicht diskutiert. Diskutierte Faktoren einer geringeren Letalität waren leider auch gar nicht Gegenstand der bisherigen deskriptiven Analyse.
Die für mich herausragende - bisher leider auch in der Ärzteschaft nicht allgemein verankerte – Erkenntnis ist die geringe Betroffenheit von und die noch geringere Schwere der Erkrankung bei Menschen < 40 Jahre (siehe Tabelle 2): Sie machten nur 13% (170/1318) der COVID-19-Patienten in den 14 Universitätskliniken aus, sogar nur 5% (24/490) der Beatmungspflichtigen und nur 1 Patient < 40 Jahre verstarb (von 248 = 0,4%). Bei der Fülle an schweren Begleiterkrankungen betraf dieser 1 Todesfall wahrscheinlich einen bereits schwer vorerkrankten Patienten < 40 Jahre.
Für Menschen < 40 Jahre ist COVID-19 weniger gefährlich als die Grippewelle 2017/18, während der keinerlei allgemeine Hygienemaßnahmen ergriffen wurden.
Avatar #850553
wichi
am Samstag, 27. März 2021, 19:58

Dieses Schulterklopfen könnte verfrüht sein

Merkwürdig, das die Fallsterblichkeit an den Unikliniken gesunken ist, obwohl diese in Deutschland insgesamt von Mitte November (1,5%) bis Mitte März um fast Faktor 2 (2,9%)gestiegen ist.
Entweder die Statistik endete Mitte November oder es sind danach doppelt so viele Patienten zu Hause oder in nicht Uniklinken gestorben, so diese in der Statistik der Unikliniken nicht auftauchen.
Momentan sinkt die Fallsterblichkeit aus 2 Gründen etwas. Es gibt es nicht so viele schwere Fälle unten den Geimpften, und es gibt es den statistischen Effekt, das bei einer steigenden Infektionskurve die Fallsterblichkeit sinkt, weil die Erkrankten verzögert sterben.

Tatsächlich wird sie aber für alle, die nicht geimpft, weiter konstant ansteigen. Wenn man die Grade von November bis März verlängert, kommt man wieder auf eine Fallsterblichkeit von 4,7%, die wir Mitte Juni 2020 auch hatten. Diese ist dann bis Mitte November auf die erwähnten 1,5% gesunken.
Gut zu sehen in der Grafischen Darstellung von "ourworldindata.org
Dazu mit Google nach "Case fatality rate of the ongoing COVID-19 pandemic" suchen

Danach hätte sich nicht viel verändert gegenüber 2020.
Vielleicht klopft man sich zu früh auf die Schultern, und hat den Einfluss des Vitamin-D Spiegels, der Saisonabhängig ist nicht berücksichtigt. Denn die Kurve der Fallsterblichkeit korreliert gut mit dem saisonalen Verlauf des Vitamin-D Spiegels der Bevölkerung.

Da dieses Jahr der Effekt des Ansteigens des Vitamin-D Spiegels durch Urlaubsreisen in Februar/März entfallen ist, hat die Bevölkerung eine etwa 6ng/ml niedrigeres Niveau als letztes Jahr.
Im letzten Jahr erreicht sank dieser bis auf 22ng/ml ab, dieses Jahr wird er auf ca. auf 18ng/ml absinken (Defizitär).

Wie viel die Kunst der Ärzte also zur niedrigeren Sterblichkeit beigetragen hat, wird man im Juni wissen, denn es ist zu erwarten, dass aufgrund des niedrigeren niedrigeren Vitamin-D Spiegels die Fallsterblichkeit größer wird als letzes Jahr.

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