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Medizin

SARS-CoV-2: Viren in den Speicheldrüsen (auch bei asymptomatischen) Personen nachgewiesen

Freitag, 26. März 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – SARS-CoV-2 kann die Zellen der Mundschleimhaut und die Speicheldrüsen infizie­ren. Dies zeigen neue in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01296-8) vorgestellte Ergeb­nisse britischer und amerikanischer Forscher, die die Infektion der Speicheldrüsen mit oralen Sympto­men von COVID-19 in Verbindung bringen. Die Befunde erklären zudem, warum das Virus im Speichel von Infizierten in größerer Menge vorhanden ist.

Anfangs wurde vermutet, dass sich SARS-CoV-2 zu Beginn der Infektion nur in den Zellen des Nasenra­ch­en­­raums vermehrt. Die Folge waren unangenehme Abstriche, die von geübtem Personal vom hinteren Bereich der Nasenhöhle oder dem Rachen entnommen werden mussten. Inzwischen wird für viele Anti­gentests auch Speichel als Ausgangsmaterial akzeptiert, weil er die Viren in gleich hoher Konzentration enthalten kann.

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Dies führte zu dem Verdacht, dass auch die Zellen der Mundschleimhaut und insbesondere die Speichel­drüsen infiziert sein könnten. Ein Team um Blake Warner vom US-National Institute of Dental and Craniofacial Research in Bethesda hat deshalb die Möglichkeit einer Infektion der Mundschleimhaut systematisch untersucht.

Zunächst haben die Forscher in einzelnen Zellen nach der Messenger-RNA für die Proteine ACE2 und TMPRSS2 gesucht, die das Virus für das Eindringen in die Zellen benötigt. Diese Voraussetzungen waren sowohl in den Speicheldrüsen als auch in den Mukosazellen der Gingiva erfüllt.

Als nächstes untersuchten die Forscher Gewebeproben von Menschen, die an COVID-19 gestorben waren oder Biopsien zur Verfügung gestellt hatten. Sie konnten dort die Gene von SARS-CoV-2 nachweisen. Vor allem die kleineren Drüsen im Mund scheinen von SARS-CoV-2 infiziert zu werden. In den Gewebeproben war dann eine Entzündung der Drüsen nachweisbar.

Die Forscher konnten in einem Labortest mit dem Speichel von 8 asymptomatischen Personen in Schalen gezüchtete Affenzellen infizieren. Dies belegt, dass auch Menschen ohne Symptome das Virus auf andere übertragen können. Die Viren waren bei den asymptomatischen Personen zwischen einer halben und 3,5 Wochen nachweisbar. Bei einigen Infizierten blieb der Speicheltest länger positiv als der Rachenabstrich.

Die Infektion im Mundbereich könnte auch einige orale Symptome von COVID-19 erklären. Dazu gehören die Geschmacksstörungen, die bisher als Folge der Riechstörungen infolge einer Infektion des Riech­pithels in der Nase gedeutet wurden. Auch die Mundtrockenheit und vereinzelte Läsionen der Mukosa, die bei einigen Patienten gefunden werden, erhalten durch den Nachweis der Viren im Mundbereich eine plausible Erklärung. Die Forscher konnten auch IgG-Antikörper in den Speicheldrüsen nachweisen, was auf eine lokale Immunantwort hinweist. © rme/aerzteblatt.de

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