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Medizin

PET zeigt, wo das „Gebrochene Herz“ im Gehirn entsteht

Freitag, 16. April 2021

/jaojormami, stock.adobe.com

Boston – Einem Takotsubo-Syndrom, das die Pumpleistung des Herzens durch eine plötzliche Schwä­chung der Herzmuskulatur mit einer ballonartigen Vergrößerung der linken Herzkammer gefährdet, gehen häufiger emotionale Krisen voraus.

Eine Fall-Kontroll-Studie im European Heart Journal (2021; DOI 10.1093/eurheartj/ehab029) zeigt, dass die Patienten in den Jahren vor der kardialen Krise in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) eine vermehrte Aktivität in den Corpora amygdaloideum haben, den Angst- und Stresszentren des Gehirns.

Das Takotsubo-Syndrom ist nach der eigentümlichen apikalen Erweiterung des linken Ventrikels benannt, die einer japanischen Tintenfischfalle ähnelt. Die Erkrankung wurde zunächst in Japan bei zumeist weiblichen Patienten beschrieben, bei denen wegen der Symptome eines akuten Herzinfarkts eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wurde.

Die Koronarien waren jedoch durchgängig, ein Herzinfarkt konnte demnach ausgeschlossen werden. In der Ventrikulographie wurde dagegen eine akute Pumpstörung des Herzmuskels gesehen, von der sich die Patienten meist spontan erholten.

Seit längerem wird vermutet, dass Angststörungen die Ursache des Takotsubo-Syndroms sind, für das Frauen in Japan aus kulturellen Gründen besonders anfällig zu sein scheinen. Die Störung wird aller­dings auch in westlichen Gesellschaften und keineswegs nur bei Frauen diagnostiziert. Etwa 10 % der Betrof­fenen sind Männer.

Die Evidenz für eine psychische Genese beruht vor allem auf psychiatrischen Untersuchungen, die sich allein auf die Befragung der Patienten stützen. Vermutet wird eine chronische Stressreaktion, die durch die dauerhafte Ausscheidung von Katecholaminen den Herzmuskel belastet. Die genaue Pathogenese ist jedoch unbekannt.

Da die Störung durch Trauer, Wut oder Angst, manchmal aber auch durch glückliche oder freudige Ereig­nisse ausgelöst wird, könnte sie ihren Ursprung im Gehirn haben. Dort konnte ein Team um Ahmed Tawakol vom Massachusetts General Hospital in Boston sie jetzt erstmals mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sichtbar machen.

Die Forscher suchten unter den 4,5 Millionen Patienten des Krankenversicherers Partner HealthCare zunächst nach Personen, bei denen in den Jahren vor einem Takotsubo-Ereignis aus anderen Gründen eine PET durchgeführt worden war. Ein häufiger Anlass sind Krebserkrankungen. Hirnmetastasen können aufgrund ihres erhöhten Glukoseverbrauchs mit dem Tracer 18F-FDG, einem radioaktiv markierten Zuckermolekül, markiert werden.

Der Energiebedarf von Hirnzellen ist jedoch auch bei einer vermehrten Hirnaktivität gesteigert. Bei Angststörungen ist dies vor allem in den beiden mandelförmigen Corpora amygdaloideum der Fall.

Die Forscher identifizierten 41 Patienten, bei denen im Durchschnitt 2,5 Jahre vor dem Takotsubo-Ereignis eine PET durchgeführt worden war. Sie verglichen die Aufnahmen mit denen von 63 Kontroll-Personen, die den Patienten in möglichst vielen Eigenschaften ähnelten mit der Ausnahme, dass die Kontrollen nicht an einem Takotsubo-Syndrom erkrankt waren.

Die Fall-Kontroll-Studie ergab, dass bei den Takotsubo-Patienten die Aufnahme von 18F-FDG in den beiden Corpora amygdaloideum erhöht war. Die Mandelkerne sind im Gehirn für die emotionale Bewer­tung von Gefahren zuständig. Sie stehen in direktem Kontakt zu den Gedächtniszentren, in denen Erin­nerungen an frühere Gefahrensituationen gespeichert werden.

Treten diese Situationen erneut auf, lösen die Mandelkerne eine Angstreaktion aus. Diese geht mit einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen einher, die sich auf das Herz auswirken können. Auch das Immunsystem scheint beteiligt zu sein. Es könnte eine Entzündungsreaktion im Körper auslösen.

Wenn die Aktivität der Mandelkerne dauerhaft gesteigert ist, könnte es, so vermutet Tawakol, durch die permanente Stressreaktion und die Entzündungsreaktion zu einer Störung des Herzmuskels kommen, die in einem Takotsubo-Ereignis mündet. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #859775
Hartmut Hollerbuhl
am Dienstag, 20. April 2021, 13:10

Latein ist nicht mehr in

Bitte um Entschuldigung für meine Einmischung: Es heißt Corpus amygdaloideum, demzufolge im Plural Corpora amygdaloidea
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