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Medizin

JAK1-Hemmer Abrocitinib lindert Atopische Dermatitis

Donnerstag, 27. Mai 2021

/joey333, stock.adobe.com

New York – Der orale Januskinase 1 (JAK1)-Hemmer Abrocitinib hat in einer internationalen Phase-3-Studie die Symptome einer mittelschweren bis schweren Atopischen Dermatitis (AD) deutlich gelin­dert. Eine Überlegenheit gegenüber dem Antikörper Dupilumab, der an der gleichen Stelle in die Patho­genese eingreift, konnte laut den im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2019380) publizierten Ergebnissen jedoch nicht gezeigt werden.

Bei Patienten, die mit zahlreichen topischen Behandlungen keine Linderung ihrer AD erzielen, kann eine systemische Therapie notwendig werden. Zur Behandlung stand lange neben Steroiden nur das Immun­suppressivum Ciclosporin zur Verfügung. Beide Mittel sind jedoch für eine Dauerbehandlung zu riskant.

Seit 2017 ist mit Dupilumab erstmals ein Mittel zur Langzeitbehandlung zugelassen. Der monoklonale Antikörper, der eine Untereinheit der Rezeptoren von Interleukin (IL) 4 und IL 13 blockiert, ist das erste systemische Medikament, das gezielt in die Pathogenese der AD eingreift. Die beiden Zytokine, die normalerweise für die Abwehr von Parasiten zuständig sind, werden bei der AD vermehrt in der Haut gebildet.

Den gleichen Angriffspunkt hat der JAK1-Hemmer Abrocitinib. Das Mittel, das anders als Dupilumab nicht injiziert werden muss, blockiert die Weiterleitung der Signale von IL 4 und IL 13 (sowie laut Hersteller auch von IL 31, IL 22 und dem „thymic stromal lymphopoietin“ TSLP), was im Prinzip eine bessere Wirkung verspricht, weshalb die „JADE COMPARE“-Studie neben 2 Gruppen mit 100 mg und 200 mg Abrocitinib pro Tag und der Placebogruppe auch einen Studienarm hatte, in dem die AD-Patienten mit Dupilumab (600 mg Anfangsdosis, danach alle 2 Wochen 300 mg subkutan) behandelt wurden.

An der Studie nahmen in 18 Ländern (mit deutscher Beteiligung) 837 erwachsene Patienten teil, die im Durchschnittsalter von 37,7 Jahren seit 22,7 Jahren an einer AD litten, die sie zuletzt mit topischen Mitteln nicht ausreichend kontrollieren konnten. Jeder 3. litt an Asthma, jeder 4. an einer Nahrungs­mittelallergie oder einer allergischen Konjunktivitis.

Der 1. primäre Endpunkt war die globale Einschätzung der Dermatologen („Investigator’s Global Assessment“, IGA), die sich um mindestens 2 von 4 Punkten verbessern musste. Der 2. primäre Endpunkt war ein Rückgang des EASI („Eczema Area and Severity Index“) um mindestens 75 %. Der zentrale sekundäre Endpunkt war die Linderung des Juckreizes um mindestens 4 Punkte auf der „Peak Pruritus Numerical Rating Scale“, die von 0 bis 10 Punkte reicht.

Wie Hernan Valdez vom Hersteller Pfizer, New York, und Mitarbeiter berichten, wurde das IGA-Ziel in den 12 Wochen der Studie in der 200 mg-Abrocitinibgruppe von 48,4 % und in der 100 mg-Abrocitinib­gruppe von 36,6 % der Patienten erreicht gegenüber 36,5 % in der Dupilumab-Gruppe und 14,0 % in der Placebogruppe.

Das EASI 75-Ziel erreichten in den 4 Gruppen 70,3 %, 58,7 %, 58,1 % beziehungsweise 27,1 % der Patien­ten. Die Wirkung in der Placebogruppe dürfte vor allem auf der konsequenten topischen Behand­lung mit Emollientien beruhen, mit der die Patienten in allen 4 Gruppen mindestens 7 Tage vor der Studie begonnen hatten.

In beiden Endpunkten erzielte Abrocitinib in beiden Dosierungen ein besseres Ergebnis als Placebo. Gegenüber Dupilumab war kein Vorteil erkennbar. Die etwas besseren Ergebnisse in der Gruppe mit der höheren Dosierung von Abrocitinib waren nicht signifikant. Eine Überlegenheit lässt sich deshalb aus den Studienergebnissen nicht ableiten. Einzig die juckreizlindernde Wirkung trat unter der höheren Dosis von Abrocitinib etwas schneller ein als nach der Gabe von Dupilumab.

Allerdings litt unter der höheren Dosis die Verträglichkeit von Abrocitinib. Hier berichteten 11,1 % über Übelkeit gegenüber 4,2 % der Patienten, die täglich 100 mg Abrocitinib eingenommen hatten, und 2,9 % in der Dupilumabgruppe.

Eine weitere Nebenwirkung von Abrocitinib ist eine Akne, die unter der höheren Dosis bei 6,6 % und unter der niedrigen Dosis bei 2,9 % auftrat gegenüber 1,2 % in der Dupilumabgruppe. Dort kam es dagegen häufiger zu einer Konjunktivitis (6,2 %) gegenüber 1,3 % unter der höheren Dosis und 0,8 % unter der niedrigen Dosis von Abrocitinib (was sich nicht von der Placebogruppe unterschied).

In den beiden Abrocitinibgruppen erlitten 6 Patienten einen Herpes Zoster (ohne Komplikationen) und 2 Patienten schwere Infektionen (von denen sich die Patienten jedoch erholten). Ob Abrocitinib langfristig das Infektionsrisiko erhöht, lässt sich nach einer Behandlungszeit von 12 Wochen nicht beurteilen. Der Hersteller hat in den USA und in Europa die Zulassung beantragt. Eine Entscheidung der FDA wird noch für den April erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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