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Ärzteschaft

Intensivmediziner: Stationen könnten in vier Wochen voll sein

Donnerstag, 1. April 2021

/picture alliance, Sebastian Gollnow

Berlin – Der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, warnt vor einer Überfüllung von Deutschlands Intensivstationen wegen der Coronapandemie innerhalb von vier Wochen.

„Seit Mitte März sind unterm Strich 1.000 Intensivpatienten zusätzlich in den Krankenhäusern gelandet. Wenn sich diese Geschwindigkeit fortsetzt, sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapa­zitätsgrenze angelangt“, sagte Karagiannidis der Rheinischen Post heute. Aktuell seien noch 1.500 In­tensivbetten für COVID-Patienten frei.

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Karagiannidis, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) ist, sagte: „Wir malen keine Schreckensbilder, unsere Warnungen sind von den Zahlen gedeckt. Es braucht jetzt dringend einen harten Lockdown für zwei Wochen, verpflichtende Tests an Schulen zweimal in der Woche und deutlich mehr Tempo bei den Impfungen in den Zentren und Arztpraxen.“

Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, kritisierte in der Rheinischen Post solche Warnungen: „Ich bin auch davon überzeugt, dass die Schreckensszenarien, die aus dem Bereich der Intensivmedizin seit Tagen verbreitet werden, weder in der Politik noch in der Bevölkerung zu den damit wahrscheinlich beabsichtigten Reaktionen führen werden.“

Auf die Kommunikation im Allgemeinen bezogen sagte Gaß: „Die derzeitige politische Kommunikation sorgt weder für Glaubwürdigkeit noch für Vertrauen in der Öffentlichkeit.“ Wenn der eine Ministerpräsi­dent vor Inzidenzraten von 700 warne und der andere sein gesamtes Bundesland zum Modellversuch erklärten, sei dasdas genaue Gegenteil dessen, was die Bürger von der Politik erwarten dürften. Gaß trat zum 1. April die Nachfolge von Georg Baum als Hauptgeschäftsführer der DKG an. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 6. April 2021, 21:57

Eine ITS ist immer voll

Dies hat zwei Gründe, einerseits machen Krankenhäuser einen Großteils ihrer Umsätze mit elektiven Eingriffen und benötigen für die postoperative Nachbeobachtung eine ITS. Andererseits ist der Flaschenhals auf einer ITS nicht die Zahl der Betten oder Beatmungsgeräte, sondern seit der Einführung der PpUGV die Menge des verfügbaren qualifizierten Pflegepersonals.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen in der zweiten Welle wird bei steigenden Covid-Fallzahlen die Zahl der elektiven Eingriffe heruntergefahren. Aber selbst ohne Elektiveingriffe gibt es Notfallpatienten und unaufschiebbare Operationen (z.B. Tumor-OPs). Die absolute Belastungsgrenze ist erreicht, wenn etwa 1/3 der ITS-Betten mit Notfall-Patienten belegt ist und 1/2 der Betten mit Covid-Patienten. 1/2+1/3 ist weniger als eins, aber erstens sind Covid-Patienten auf ITS aufwändiger als andere Patienten, zweitens häufen sich durch Infektion oder Überlastung die Personalausfälle, so dass nach PpUGV nicht mehr alle Betten betreut werden können.

https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/reports
Beim aktuellen Tagesreport vom 06.04.21 sind 4355 ITS-Betten mit Covid belegt. Die Gesamtzahl der Betten beträgt 20332 (belegt) + 3417 (frei) = 23749, dazu eine 7-Tage Notfallreserve von 10424 Betten. Im Bundesdurchschnitt sind aktuell ca. 18% der ITS-Betten mit Covid belegt, das ist auf den ersten Blick unkritisch. Im Tagesreport gibt es aber auch eine Karte mit der Belegung auf Kreisebene, und dort gibt es einige dunkelblaue Cluster mit einer kritischen Menge an Covid-Patienten. Theoretisch kann man ITS-Patienten verlegen, in der Praxis ist der Rettungsdienst schnell überfordert, wenn es weiter als in die Nachbarkreise geht.

Die Notfallreserve sind z.B. Beatmungsplätze im Aufwachbereich von Op-Sälen, diese würden dann aber nur mit fachfremdem Personal betrieben. Mehr als 50% Covid-Patienten auf ITS in einem größeren Cluster bedeutet Verzicht auf eine leitliniengerechte Versorgung.
Avatar #878974
Future06
am Dienstag, 6. April 2021, 08:21

Vergleich mit Österreich

Auffällig ist, dass die ICU Belegung in Deutschland bezogen auf die Anzahl aktiver Fälle und umgerechnet auf die Bevölkerungszahl ca. 1/3 höher ist als z.B. in Österreich.
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