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Medizin

Studie: Normaldruckglaukom zeigt Demenzrisiko an

Donnerstag, 1. April 2021

/dpa

Adelaide – Patienten mit einem Normaldruckglaukom hatten in einem kognitiven Test für Menschen mit Sehbehinderungen doppelt so häufig Zeichen einer beginnenden Demenz wie Patienten mit einem Hoch­druckglaukom.

Die Ergebnisse der Fall-Kontroll-Studie wurden im British Journal of Ophthalmology (2021; DOI: 10.1136/bjophthalmol-2020-317461) veröffentlicht.

Die Ursachen des Glaukoms, unter dem etwa 4 % der 75 bis 89-Jährigen leiden (in Deutschland etwa 950.000 Betroffene) sind nur unzureichend bekannt. Besonders mysteriös ist das Normaldruckglaukom, bei dem es ohne eine Erhöhung des Augeninnendrucks zu einer Schädigung des Sehnerven kommt. Zu den Hypothesen gehören eine „Gefäßdysregulation“, eine veränderte „zerebrospinale Flüssigkeits­mechanik“ und eine erhöhte Empfindlichkeit des Sehnerven.

Zuletzt wurde eine Verbindung zwischen dem Normaldruckglaukom mit Mutationen in den Genen OPTN und TBK1 entdeckt. Diese beiden Gene sind auch an der Entwicklung der frontotemporalen Demenz beteiligt, weshalb derzeit diskutiert wird, ob das Normaldruckglaukom möglicherweise Zeichen einer neurodegenerativen Störung ist.

Ein Team um Sean Mullany von der Flinders University in Adelaide hat deshalb 290 Glaukompatienten angerufen und einen kurzen telefonischen kognitiven Test durchgeführt. Dies war möglich, weil der „Montreal Cognitive Assessment" (T-MoCA) auf visuelle Tests verzichtet. Die Hälfte der Patienten litt an einem Hochdruckglaukom, das wie das Normaldruckglaukom zu den primär chronischen Offenwinkel­glaukomen gehört.

Die Patientendaten entnahm Mullany aus dem „Australian and New Zealand Registry of Advanced Glaucoma“. Die Patienten wurden so ausgewählt, dass Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft sowie mög­liche Risikofaktoren (Schlaganfall, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und psychiatrische Erkrankungen) in beiden Gruppen gleich verteilt waren.

Ergebnis: Die Patienten mit dem Normaldruckglaukom wiesen tatsächlich häufiger kognitive Störungen auf. Einen Score von weniger als 11 von 20 möglichen Punkten im T-MoCA, der auf kognitive Einschrän­kungen hinweist, hatten 21 von 144 Patienten (14,8 %) mit Normaldruckglaukom gegenüber 8 von 146 Patienten (5,4 %) mit Hochdruckglaukom. Mullany ermittelt eine Odds Ratio von 2,2, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,1 bis 6,7 statistisch signifikant war.

Eine Fall-Kontroll-Studie allein kann die Kausalität zwar nicht belegen. Im Kontext mit den genetischen Assoziationen stützen die Ergebnisse jedoch die Hypothese einer degenerativen Hirnerkrankung, die an der Entwicklung des Normaldruckglaukoms beteiligt sein könnte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #765340
Mr. Black
am Montag, 5. April 2021, 22:00

Geringe Aussagekraft

Ein t-MoCA oder vergleichbares Instrument zur Detektion kognitiver Impairments ist stets hinweisend und nie beweisend für eine Demenz. Hierzu ist eine umfangreiche Diagnostik (klinischer Eindruck, Fremdanamnese, Alltagskompetenzen, kognitives Ausgangsniveau, CCT/cMRT, neurolog. Befunde) durchzuführen. Zudem hat eine Telefonbefragung den Nachteil, dass einige alte Pat. die Fragen nicht akustisch hören können (Presbyakusis). Dass eine Korrelation nichts mit Kausalität zu tun hat wurde dankenswerter Weise bereits erwähnt. Dieser Kurztest hat keine ausreichende Aussagekraft. Der Titel des Beitrags ist damit irreführend und aus psychiatrischer Sicht falsch.
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