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Politik

Pflegeberufe: Pflegebeauftragter warnt vor Massenflucht

Donnerstag, 1. April 2021

/upixa, stock.adobe.com

Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, warnt vor einer Massen­flucht aus dem Pflegeberuf angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen. „Wenn wir nicht schnell das Ruder herumreißen, riskieren wir einen massenhaften Ausstieg aus dem Beruf“, sagte Wes­terfellhaus heute dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die Pflegekräfte seien nach über einem Jahr Dauerstress in der Pandemie körperlich und seelisch er­schöpft. Viele sähen sich nach beruflichen Alternativen um. Es gebe bereits Hinweise darauf, dass im vergangenen Jahr tausende Pflegekräfte in Krankenhäusern und der Altenpflege aufgehört hätten, sagte Westerfellhaus. „Viele haben das Vertrauen in die Politik verloren, dass sich die Situation grundlegend ändert.“

„Wenn man wegen knapper Stellenpläne und des Personalmangels immer wieder aus freien Tagen oder gar dem Urlaub zurückgerufen wird, wenn man ständig das Gefühl hat, seinem eigenen Anspruch an den Job nie gerecht werden zu können, weil nur gehetzt werden muss, dann zermürbt das die Beschäftigten“, sagte Westerfellhaus. Es gebe ein „Gefühl der Ohnmacht“, betonte er.

Westerfellhaus forderte Personalschlüssel, die sich am tatsächlichen Pflegebedarf orientieren und an der Leistungsfähigkeit der Pflegenden, „mit planbaren Arbeitszeiten und ohne Hetze“. Das gelte für die Kran­ken- wie für die Altenpflege. Nötig sei zudem eine bessere Bezahlung.

Zu dem vom Chef des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner, geforderten Einstiegsgehalts von 4.000 Euro für Pflegefachkräfte sagte Westerfellhaus: „Ich möchte keine konkreten Zahlen nennen, aber die Tendenz stimmt.“ Er fügte hinzu: „Wenn sich Tarifpartner jetzt dafür loben, dass sie eine Lohnerhöhung von 70 Euro vereinbart haben, dann ist das doch wirklich lächerlich.“ Gebraucht werde jetzt eine „richtig kräftige Anhebung“.

Zudem verlangte der Pflegebevollmächtigte mehr Kompetenzen für die Pflegenden. „Examinierte Pflege­kräfte können nach ihrer dreijährigen Ausbildung extrem viel, fühlen sich aber oft zu Assistenten der Ärzte degradiert“, sagte er. Sie seien in der Lage, Infusionen zu legen, die Wundversorgung zu überneh­men oder die Beatmungsentwöhnung zu steuern.

„Die Ärzte müssen ihren Widerstand gegen eine Übertragung von Aufgaben auf den Pflegenden endlich aufgeben“, forderte Westerfellhaus. „Sie müssen begreifen, dass eine flächendeckende Versorgung auch in ländlichen Regionen nur mit einer sinnvollen Arbeitsteilung zwischen Medizinern und Pflegekräften zu schaffen ist.“

Fachverbände forderten unterdessen weitreichende Maßnahmen, um die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege deutlich zu verbessern. Nötig seien unter anderem ein „verbindliches Personalbe­mess­ungsinstrument“, eine „Entlohnung entsprechend der Qualifikation“ und psychosoziale Unterstützungs­an­gebote, erklärten die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF). Auch müsse die Bürokratie „drastisch“ reduziert werden.

„Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte müssen sich dringend ändern“, erklärte DIVI-Präsident Gernot Marx. Sie seien in der Pandemie im Dauereinsatz und viele von ihnen spielten inzwischen mit dem Ge­danken, aus ihrem Beruf aussteigen. „Wenn wir jetzt nichts tun, und die Pflegekräfte gehen, dann be­kommen wir ein existentielles Problem in der Intensivmedizin", warnte der künftige Divi-Präsident Felix Walcher.

„Es gibt kein Intensivbett ohne Pflege“, betonten beide Mediziner. „Wir Ärzte stehen nicht den ganzen Tag am Bett der Patienten – das sind die Pflegenden.“ Die Forderungen der beiden Verbände wurden auf sechs Seiten ausformuliert und haben den Angaben zufolge auch die Unterstützung des Pflegebevoll­mächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus. © afp/aerzteblatt.de

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