NewsVermischtesEchzeit-Doku: „Gut, dass die Pflege jetzt in der Primetime läuft“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Echzeit-Doku: „Gut, dass die Pflege jetzt in der Primetime läuft“

Donnerstag, 1. April 2021

Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt machten in „Joko und Klaas gegen ProSieben“ (Videoausschnitt) auf den Pflegenotstand aufmerksam. /picture alliance, Pro Sieben

Unterföhring/Münster/Berlin – Die Comedy-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben erneut Aufmerksamkeit auf ein ernstes Thema gelenkt. Der TV-Sender Pro Sieben hatte beiden gestern Abend sieben Stunden Sendezeit freigeräumt, um mit einer Doku ohne Werbeunterbrechung auf Deutschlands Pflegenotstand aufmerksam zu machen.

Unter dem Motto #Nichtselbstverständlich wurde mit Hilfe einer Bodycam in Echtzeit eine Schicht der Krankenpflegerin Meike Ista im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster ge­zeigt. Reaktionen darauf kamen sogar aus der Bundesregierung.

Anzeige

Die Visite bei den Patienten war mit jedem einzelnen Arbeitsschritt zu sehen. Zuschauer erlebten unmit­tel­bar mit, was es wirklich heißt, in der Pflege zu arbeiten. Die Sendung begann kurz nach 20.15 Uhr (dokumentiert am 18. März um 6 Uhr) – und war erst vorbei, als Ista Feierabend hatte. Das war im TV um 3 Uhr morgens.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bezog sich heute bei einer Pressekonferenz in Berlin auf die Sendung, als er Gespräche mit Verbänden ankündigte, um bessere Arbeitsbedingungen in der Bran­che zu erreichen.

„Damit nach dieser schweren Phase der Pandemie viele in dem Beruf bleiben und idealerweise zurück­kehren wollen, werden wir auch zügig in Gesprächen mit den Pflegeverbänden weiter darüber beraten, wie wir auch dafür die Arbeitsbedingungen noch weiter verbessern können.“

Spahn sagte zudem: „Es ist gut, dass die Pflege jetzt in der Primetime läuft. Pflegerinnen und Pfleger verdienen unseren Respekt, unser Dankeschön, aber vor allem bessere Arbeitsbedingungen.“

Der Deutsche Caritasverband begrüßte die Sendung ebenfalls. „Solche Formate können dazu beitragen, die Bedeutung der sozialen Berufe für die Gesellschaft greifbar zu machen", hieß es. Allein in den Ein­richtungen und Diensten der Caritas arbeiten bundesweit etwa 693.000 Menschen, darunter mehr als 200.000 in Krankenhäusern und über 170.000 in der Altenhilfe. „Was Joko und Klaas gezeigt haben, ist Alltag für viele unserer Kolleginnen und Kollegen.“

Großartige Arbeit werde dort „nicht nur in Pandemiezeiten“ geleistet, betonte die Organisation. Gerade in der momentanen kritischen Phase, in der viele Menschen den „Sinn von Lockdown und Vorsichtsmaß­nah­men“ hinterfragten, sei ein Einblick in Seniorenheime und Krankenhäuser allerdings besonders wich­tig.

„Wir brauchen den Blick auf die andere Seite, auf die Realität in den Einrichtungen, die vulnerable Menschen betreuen. Um ihre Arbeit nicht zu gefährden, sind viele der Maßnahmen, die unsere Freizeit einschränken, begründbar.“

Auch unabhängig von Corona müsse der Blick „viel stärker auf die gerichtet sein, die die soziale Infra­stuktur des Landes am Laufen halten“, mahnte die Caritas. Beiträge wie der von Joko und Klaas könnten junge Menschen ermutigen, sich in ihrem Beruf für ihre Interessen einzusetzen.

Schon in der Nacht hatte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz getwittert: „Danke Joko und Klaas für diese Sendung! Und – man kann es nicht oft genug sagen – Danke an alle Pflegerinnen und Pfleger! Ohne sie geht nichts. Antwort auf diese Erkenntnis ist nicht, Beifall zu klatschen. Respekt heißt: gute Löhne und Arbeitsbedingungen.“

Unter dem Tweet von Scholz sammelte sich Kritik. Der in der Sendung vorkommende Krankenpfleger Alexander Jorde twitterte: „Ich will keine Worte mehr, ich will Taten. Die SPD ist Teil der Bundesregie­rung. Du bist Vizekanzler, Olaf Scholz. Worauf warten wir?“

Auf dem Twitter-Account des öffentlich-rechtlichen Kulturkanals Arte hieß es am Abend: „Was da gerade bei Pro Sieben passiert, dürfte ein Stück deutsche TV-Geschichte sein.“ Konkurrenzsender RTL lobte: „Starke Aktion, Pro Sieben!“

Im Schnitt verfolgten 730.000 Menschen die Sendung „Joko & Klaas Live“. Pro Sieben sprach heute von einer „Nettoreichweite“ von 5,84 Millionen Menschen. Damit ist die Zahl der Menschen gemeint, die mindestens einmal kurz erreicht worden sind.

Der in Unterföhring bei München sitzende Sender twitterte: „Bitte helft, dass aus diesem Abend eine große Respektkundgebung wird, die etwas ändert.“ Und Senderchef Daniel Rosemann schrieb: „Wir sind heute Ort für eine Demo. Für eine Demo, für die die Teilnehmer vor lauter Überstunden keine Zeit haben.“

In der Doku sagte Pfleger Jorde: „Wir können nicht sagen: Morgen machen wir mal die Klinik zu oder morgen ist die Intensivstation mal zu und wir gehen auf die Straße. Dann sterben Menschen! Das zeigt ja wieder, wie hoch unsere Verantwortung ist. Aber es begrenzt uns eben auch in unseren Möglichkeiten, unsere Interessen durchzusetzen.“

Tausende twitterten am Abend und nachts zum Thema Pflege. Viele forderten mehr Engagement von der Politik. Tenor der Sendung war: Seit Jahrzehnten versäumten es Politik und Gesellschaft, faire Bezahlung und gut machbare Arbeitsmengen für Pflegekräfte zu organisieren. Es werde immer schlimmer.

Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning wies auf die andauernde Überbelastung hin. Er kenne Leute, die 23 Tage am Stück arbeiteten, das sei „völlig unmenschlich“. Er sei lange Soldat gewesen und ginge lieber wieder nach Afghanistan, als noch einmal so etwas Schlimmes zu erleben wie etwa während der zweiten Coronawelle im Herbst.

Winterscheidt (42) und Heufer-Umlauf (37) behandeln in der Sendung „Joko & Klaas Live“ immer wieder gesellschaftlich relevante Themen. Die Sendezeit zur ihrer freien Verfügung hatten sich die Moderatoren in der am vergangenen Dienstag ausgestrahlten Show „Joko & Klaas gegen ProSieben“ erspielt, in der sie in Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten.

Erstmals in der Geschichte der Show baten die Entertainer diesmal Pro Sieben, für ihren Sieg mehr Sen­de­zeit als die sonst übliche Viertelstunde zugestanden zu bekommen. Klaas sagte zum Auftakt der Son­dersendung: „Sowas stellt nämlich in so'nem Sender ein bisschen was auf den Kopf und widerspricht genau genommen jeder Regel des Fernsehens.“ © dpa/kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER