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Politik

Hausärzte starten mit Coronaimpfungen

Dienstag, 6. April 2021

/David Pereiras, stock.adobe.com

Berlin – In Deutschland beginnt die zweite Stufe der SARS-CoV-2-Impfkampagne: In dieser Woche wollen bundesweit 35.000 Hausärzte mit den Impfungen beginnen. Einige Praxen starten bereits heute, andere warten noch auf Impfstoff und wollen in den nächsten Tagen folgen.

Seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember wurden die Vakzine bisher vor allem in den bundesweit 430 Impfzentren verabreicht. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass bis Ende April 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten haben. Die Kampagne werde nun an Geschwindigkeit gewinnen.

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Zunächst steht den Hausärzten allerdings nur ein überschaubares Angebot zur Verfügung. In der ersten Woche erhalten alle Praxen zusammen 940.000 Impfdosen. Das sind rein rechnerisch gut 26 Dosen pro Praxis. In der Woche vom 26. April an soll es dann aber einen deutlichen Schub bei den Impfstoffliefe­run­gen geben, dann können die Praxen insgesamt mit mehr als drei Millionen Dosen rechnen. Das wären erstmals mehr als für die Impfzentren.

Auch für die Hausarztpraxen gilt grundsätzlich die festgelegte Impfpriorisierung. Eine zentrale Einladung für die Patienten gibt es allerdings nicht. Wie sie Impftermine vergeben, können die Arztpraxen selbst regeln – zum Beispiel per Telefon oder mit Online-Buchungen. „Endlich“ beginne das Impfen in den Pra­xen, begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, den Impfstart.

Der Deutsche Hausärzteverband riet dazu, nach dem breiten Start der Coronaimpfungen in den Arztpra­xen die Priorisierung beim Impfen mit steigenden Liefermengen an Impfstoff in den Hintergrund treten zu lassen. „Die Priorisierung war und ist eine gute Leitlinie für die Ärztinnen und Ärzte, solange der Impf­stoff noch in geringen Mengen verfügbar ist“, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der Rheinischen Post.

„Allerdings werden wir bald nicht mehr so sehr auf Zahlen, sondern zunehmend auf die Gesundheit der Menschen schauen müssen“, fügte Weigeldt hinzu. „Ein Mann von 69 Jahren mit Hypertonus und Diabe­tes sollte vielleicht eher die Impfung erhalten als eine 72-jährige Triathletin“, sagte der Verbandschef. Wenn die Impfstoffmenge ein bestimmtes Maß überschritten habe, müsse die Priorität sein: „Den zu­gelassenen Impfstoff schnellstmöglich allen, die können und wollen, zu impfen.“

Weigeldt rechnet zudem damit, dass die Hausarztpraxen zeitnah deutlich mehr Impfdosen bekommen. Wenn die Impfkampagne bei den Hausärzten erst einmal voll angelaufen sei, könnten Impfzentren bald überflüssig sein. „Ich glaube, dass die Menschen entscheiden müssen, wo sie geimpft werden wollen“, sagte er heute im RBB-"Inforadio". Es sei davon auszugehen, dass noch länger geimpft werde und außer­dem Auffrischungen anfielen. Angesichts der Virusmutationen könne zudem ein angepasster Impfstoff notwendig werden.

Für Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, bietet die geringe Menge bestellter Impfdosen zu Beginn auch einen Vorteil: Wenn die Ärzte mit wenig Impfstoff starten, könnten Prozesse eingeübt werden, sagte er heute im Deutschlandradio. „Und wenn es dann zunehmend aufwächst, dann sind wir sicher, wie es geht“, erklärte Henke.

Weitere Arztgruppen einbeziehen

„Der Impfstart in den Praxen hebt uns auf die nächste Stufe in der Bekämpfung der Pandemie. Dank mehr Impfstoff und mehr impfenden Haus- und Fachärzten werden die Impfquoten deutlich steigen“, prognostizierte der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich. 20 Millionen Impfungen in­nerhalb weniger Wochen seien realistisch, wenn neben den Hausärzten auch die niedergelassenen Fachärzte und Betriebsärzte einbezogen werden.

„Der Start der Impfkampagne auch durch Hausarztpraxen ist ein richtiger Schritt, doch er reicht nicht aus, um den Coronaimpfschutz so schnell wie irgend möglich an so viele Menschen wie möglich zu bringen“, betonte der Direktor des Verbandes der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV), Florian Reuther. „Schon jetzt muss die Politik den nächsten Schritt vorbereiten und die Impfung in den Betrieben und bei allen anderen Arzt- und Zahnarztgruppen ermöglichen, sobald in den nächsten Wochen die Impfstoff­lie­ferungen wie erwartet ansteigen.“

Die Infrastruktur der Betriebsärzte sei besonders geeignet, so Reuther. „Uns liegen schon jetzt zahlreiche Anfragen aus Kran­ken­ver­siche­rungsunternehmen vor, deren Betriebsärzte sofort zur Impfung der Beleg­schaften bereit stehen –​ aber derzeit leider noch keinen Impfstoff bestellen dürfen.“ Viele Unternehmen hätten sich auch angeboten, die Familienangehörigen von Mitarbeitern ebenfalls zu impfen. Dies wäre aus Reuthers Sicht auch sinnvoll. Er forderte die Bundesregierung auf, jetzt die nötigen Organisationsfra­gen zu lösen „und nicht erst dann, wenn sich die Impfstoffe auf dem Hof stapeln“.

Die Arztpraxen in Brandenburg sollen ab heute Nachmittag die ersten Impfstofflieferungen erhalten. Spätestens bis morgen Vormittag sollen die Lieferungen von den Großhändlern an die Apotheken und von da aus an die Praxen gehen, wie der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Christian Wehry, heute sagte. Wie viele Praxen in Brandenburg ab dieser Woche gegen das Coronavirus impfen, sei noch unklar, da sie ihre Impfdosen direkt über die Apotheken bestellt hätten, so Wehry.

Auch Thüringen sollen ab morgen die Coronaimpfungen in den Hausarztpraxen beginnen. Dafür stünden in dieser Woche zunächst rund 20.000 Dosen des Wirkstoffs von Biontech/Pfizer bereit, sagte der Leiter des Pandemiestabs der Kassenärztlichen Vereinigung (KVT), Jörg Mertz.

Mit dem morgen beginnenden Impfstart in allen impfbereiten Arztpraxen in Bayern beginnt für den Vor­stand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) eine „neue Zeitrechnung im Kampf gegen CO­VID-19“. „Wir hoffen, dass die Impfzusagen der Hersteller in Zukunft eingehalten werden, da die Impf­stoff­lieferungen bis auf weiteres der Flaschenhals der Impfkampagne bleiben. Ist die kontinuierliche Versorgung mit Vakzinen sichergestellt, ist der schnellste Weg zur so genannten Herdenimmunität die Verimpfung aller verfügbaren Impfstoffe über uns Niedergelassene“, so der Vorstand der KVB.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) gab an, theoretisch mindestens rund 85.000 Impfungen täglich gegen Corona durchführen zu können – „wenn genug Impfstoff vorhanden“.

Seitens der KV Hamburg hieß es, das System der Niedergelassenen werde die Impfkampagne entschei­dend voranbringen. Der KV-Vorsitzende Walter Plassmann betonte, auch in den Arztpraxen sei die Impf­priorisierung grundsätzlich einzuhalten. Allerdings sollten die Ärzte die Impfverordnung „großzügig auslegen“ dürfen. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Helen Maaß
am Dienstag, 6. April 2021, 19:49

Ja, und es sind nur die Vertragsärzte

Die rein privatärztlich praktizierenden Hausärzte, ja das sollte es geben, sieht es anders aus: Die Corona-Impfverordnung (CoronaImpfV) sieht vor, dass Privatarztpraxen ärztliche Leistungen im Zusammenhang mit der Corona-Impfverordnung über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen. Die KVBW setzt eine Registrierung als „Arztpraxis“ nach TestV voraus. Als Privatarztpraxis können sich bereits heute in der Online-Anwendung zur TestV dafür bei uns registrieren. Für die Bestellung und die Impfdokumentation an das Robert Koch-Institut (RKI) ist die Praxis selbst verantwortlich. Hier wird ein Aufwand betrieben, der typisch deutsch ist. Dr. Helen Maaß
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