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Politik

Krankenkassen wollen einschneidende Reformen im Gesundheitswesen

Mittwoch, 7. April 2021

/Have a nice day, stock.adobe.com

Berlin – Deutliche Reformen im Gesundheitswesen wünschen sich die DAK-Gesundheit und die Innungs­kran­kenkassen (IKK) von der nächsten Bundesregierung. Dazu gehören etwa mehr Qualitätsorientierung, regional passgenauere Versorgungsmodelle, eine Deckelung der Pflegebeiträge, mehr Patientenrechten und Initiativen für Gesundheitskompetenz bei den Versicherten.

„Wir müssen in Deutschland die von der Krise und ihrer Bewältigung ausgehenden Impulse jetzt für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und der Pflege nutzen“, schreiben der DAK-Verwaltungs­rats­vorsitzende Dieter Schröder und sein Stellvertreter Horst Zöller im Vorwort eines neuen Positions­pa­piers. Nötig sei dazu „ein umfassendes und nachhaltiges Reformkonzept für die nächste Legislatur­perio­de“.

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„Patienten und Versicherte wollen verstehen, was mit ihrer Gesundheit passiert. Sie wollen aktiv und kompetent in Entscheidungen zum Behandlungsverlauf und Genesungsmöglichkeiten eingebunden sein“, sagte der IKK-Vorstandschef Hans-Jürgen Müller. Daher müsse das Thema Gesundheitskompetenz als ge­samtgesellschaftliche Aufgabe verankert werden.

Der Verwaltungsrat der DAK-Gesundheit kritisiert die in den vergangenen Jahren stark gestiegene finan­zi­elle Belastung von Pflegebedürftigen und verlangt, ihre Eigenanteile bei einer Heimunterbringung künf­tig zu deckeln. Zudem sollten die Bundesländer verbindlich an den Investitionskosten für stationäre Einrichtungen beteiligt werden.

„Pflege ist die soziale Frage der 2020er-Jahre“, heißt es in dem Positionspapier. Deshalb solle zur solida­rischen Finanzierung der Pflegeversicherung und insbesondere zur Deckung der gesamtgesell­schaftli­chen Kosten ein pauschaler Bundeszuschuss aus Steuermitteln eingeführt werden.

Die DAK-Gesundheit fordert darüber hinaus eine Stärkung der Patientenberatung. Dazu sollte ein Patien­ten­beauftragter künftig vom Bundestag gewählt und nicht mehr wie bisher von der Bundesre­gierung er­nannt werden. Zudem plädiert der Verwaltungsrat dafür, diesem Amt auch die Unabhängige Patienten­be­ratung (UPD) zuzuordnen und diese künftig aus Steuermitteln zu finanzieren.

Der Verwaltungsrat plädiert vor dem Hintergrund der Coronakrise für weitreichende Reformen im Kran­kenhaussystem. Erforderlich sei bei den Kliniken eine „qualitätsorientierte Strukturbe­reinigung bei gleich­zeitiger Definition von regionalen Umkreis- oder Verantwortungskorridoren“. Für die Grundversor­gung fordert das Gremium einen verstärkten Aufbau ambulanter medizinischer Versorgungs­zentren und regionaler Pflegekompetenzzentren.

Bei Arzneimitteln sieht der Verwaltungsrat besondere Herausforderungen. „Seit 2010 haben sich die Preise neuer Arzneimittel in Deutschland fast vervierfacht“, heißt es in dem Papier. Insbesondere bei hochpreisigen Arzneimitteln zur Behandlung seltener Erkrankungen seien neue Erstattungsmodelle notwendig.

Der DAK-Verwaltungsrat fordert darüber hinaus eine stärkere Berücksichtigung der geschlechterbeding­ten Unterschiede in der Gesundheitsversorgung. Es sei wichtig, Forschung und Lehre zur Gendermedizin stärker als bislang zu fördern.

Die IKK schlägt Reformen in vier Bereichen vor. Neben der Gesundheitskompetenz der Versicherten for­dern die Innungskrankenkassen einen intensiveren Austausch von Daten zwischen Versicherten, Kran­ken­kassen und Leistungserbringern.

„Je mehr Informationen die Beteiligten untereinander austauschen, umso zielgerichteter, aber auch indi­vidueller können die Therapien und Hilfsangebote sein“, erklärte Hans Peter Wollseifer, Vorstandsvor­sitz­­ender des IKK.

Die sichere Handhabung der sensiblen Daten müsse dabei „selbstverständlich garan­tiert werden.“ Er wies daraufhin, dass es den Kassen zurzeit auch nach Einwilligung ihrer Versicherten nicht möglich sei, die vorhandenen Daten zur Versorgungssteuerung zu nutzen.

Qualitätskriterien und Qualitätssicherungsverfahren müssten sektorenübergreifend verein­heitlicht wer­den. Zudem sollten Versicherte die Möglichkeit erhalten, sich ein genaueres Bild von der Qualität der Arbeit ihrer Krankenkasse zu machen.

„Versicherte haben das Recht zu erfahren, wie ihre Kasse nicht nur bei den Beiträgen, sondern auch bei der Bewilligung von Leistungen abschneidet. Wir fordern klar eine Initiative für mehr Qualitätstranspa­renz unter den Kassen“, so IKK-Vorstandschef Müller. © hil/aerzteblatt.de

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