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Weltgesundheitstag: Kritik an sozialer Kluft im Gesundheitssystem

Mittwoch, 7. April 2021

/sulit.photos, stock.adobe.com

Bonn – Alle Welt redet von Corona – jeden Tag. Wohl nie zuvor hat ein Gesundheitsthema so lange und intensiv Politik, Wirtschaft, Medien und die privaten Gespräche weltweit bestimmt. Kein Wunder, dass die Pandemie auch den offiziellen Weltgesundheitstag heute prägt, den die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO jedes Jahr zu ihrem Gründungsdatum am 7. April begeht.

Wie kann Gesundheitsversorgung weltweit gerechter werden? Diese Frage hat die WHO diesmal aus gutem Grund in den Mittelpunkt gestellt. „Building a fairer, healthier world“ („Eine fairere und gesündere Welt bauen“) lautet das Motto.

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Denn fest steht, dass Corona noch einmal verschärft hat, was auch vorher schon im Argen lag: Dass Ge­sundheit weltweit, aber auch in Deutschland, stark von sozialen Faktoren abhängt. Menschen mit niedri­gem Einkommen, Bildungsstand und Berufen mit geringer Verantwortung weisen deutlich erhöhte Krank­heits- und Sterblichkeitsrisiken auf.

„Globale Gesundheitskrisen verschärften bestehende gesundheitliche, soziale und geschlechterbasierte Ungleichheiten.“ Darauf wies gestern die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) hin. Die Hälfte der Weltbevölkerung habe keinen Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung.

Das hat Auswirkungen für alle. Denn die Coronapandemie zeigt, „wie anfällig unsere hochmobilen Ge­sell­schaften für infektiöse Krankheiten sind und wie wichtig eine funktionierende und flächendeckende Gesundheitsversorgung für die Prävention und Eindämmung von Pandemien ist“.

Auch der Präsident des World Health Summit, der Berliner Physiologe Axel Radlach Pries, zieht aus der Pandemie die Erkenntnis, dass „wir angesichts globaler Bedrohungen nur so stark sind wie das schwächs­te Glied in der Kette“. Eine bessere internationale Zusammenarbeit in Medizin und Forschung sei deshalb der Schlüssel, um globale Gesundheit zu verbessern. Gesundheit müsse als Quer­schnitts­thema in alle politischen Bereiche integriert werden.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Baustellen mit Blick auf eine gerechte Gesundheitsversorgung. Und das, obwohl die Ausgaben für Gesundheit seit Jahren stark steigen. Für 2020 sind nach Berech­nun­gen des Statistischen Bundesamtes von gestern Ausgaben in Höhe von 425,1 Milliarden Euro zu erwar­ten. 2019 waren es noch 410,8 Milliarden Euro und damit 4.944 Euro je Einwohner.

Die Dynamik ist enorm: 2018 hatten die Gesundheitsausgaben erstmals die Grenze von 400 Milliarden Euro überschritten, nachdem erst im Jahr 2012 die Grenze von 300 Milliarden Euro und davor im Jahr 1998 die 200-Milliarden-Euro-Grenze erreicht worden war. Der zeitliche Abstand zur jeweils nächsten 100-Milliardenmarke habe sich damit seit 1998 von 14 auf sieben Jahre halbiert, so die Statistiker. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag 2019 bei 11,9 Prozent und damit 0,2 Prozent­punkte höher als 2018.

Dennoch bleiben gravierende soziale Ungleichheiten. So sagt etwa der Gesundheitsbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass Angehörige sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen häufiger von chroni­schen Erkrankungen betroffen seien und zu einem größeren Anteil auch früher sterben als Angehörige sozial besser gestellter Gruppen.

So sterben 13 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe bereits vor Vollendung des 65. Lebensjahres. In der höchsten Einkommensgruppe trifft das lediglich auf 8 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer zu.

Corona verschärft diese Ungleichheiten. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kommen sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen vergleichsweise häufiger mit dem Virus in Kontakt und sind öfter von einem schweren Erkrankungsverlauf betroffen. Sie litten auch stärker unter den Einschränkungen der Coronaschutzmaßnahmen.

Eine im vergangenen Sommer veröffentlichte Studie der AOK Rheinland/Hamburg ergab, dass arbeits­lose Menschen in Deutschland offenbar stärker gefährdet sind, wegen einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Ein Grund dafür ist laut der Studie, dass viele von ihnen vorerkrankt sind. © kna/aerzteblatt.de

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