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Medizin

RKI: Virusübertragung durch geimpfte Personen unwahrscheinlich

Donnerstag, 8. April 2021

/picture alliance, Kay Nietfeld

Berlin – Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 durch voll­ständig geimpfte Personen als geringer ein als durch symptomlose Personen mit einem negativen Antigen­schnelltest. Dies geht aus einem neuen Eintrag in der Rubrik „Antworten auf häufig gestellte Fragen“ im Internetauftritt der obersten Gesundheitsbehörde hervor.

Weder eine Impfung noch ein negativer Antigenschnelltest bieten eine 100-prozentige Gewähr dafür, dass eine Person nicht mit SARS-CoV-2 infiziert ist. Die Impfung schützt die meisten, aber nicht alle Personen vor einer Ansteckung. Und wer sich infiziert hat, kann das Virus an weitere Personen weiter­geben. Die Antigenschnelltests haben eine niedrigere Sensitivität als ein PCR-Test, der die Virusgene nachweist, sprich es werden nicht alle Infizierten erkannt.

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Die derzeit zugelassenen Impfstoffe senken laut RKI das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion (sympto­matisch oder asymptomatisch) um 65 % (nach der ersten Dosis von Vaxzevria von Astrazeneca) bis 90 % (nach der 2. Dosis von Comirnaty von BioNTech/Pfizer).

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert und PCR-positiv wird, sei „niedrig, aber nicht Null“, schreibt das RKI. Als vollständig geimpft gelten Personen, deren letzte Impfdosis mindestens 15 Tage zurückliegt.

Bei den Antigenschnelltests gibt es ebenfalls eine Unsicherheit. Bei Personen mit Symptomen wurden im Durchschnitt 72 % der Personen, die COVID-19 hatten, korrekt als infiziert identifiziert. Bei Personen ohne Symptome erkannten die Antigentests dagegen im Durchschnitt nur 58 % der Infizierten. Das RKI bezieht sich hier auf die Ergebnisse einer systematischen Übersichtsarbeit, die kürzlich in der „Cochrane Database of Systematic Reviews“ (2021; DOI: 10.1002/14651858.CD013705.pub2) publiziert wurde.

In beiden Gruppen gibt es demnach Personen, die infiziert sind und das Virus weitergeben können. Das Übertragungsrisiko könnte jedoch vermindert sein. Für die Gruppe der Personen, die sich trotz einer Impfung mit SARS-CoV-2 infizieren, beruft sich das RKI auf eine in in medRxiv (2021; DOI; 10.1101/2021.02.06.21251283) vorveröffentlichte Studie.

Ein Team um Roy Kishony vom Israel Institute of Technology (Technion) in Haifa hatte die Abstriche von Personen untersucht, die sich 12 bis 28 Tage nach einer Impfung mit BNT162b2 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Ihre Viruslast (gemessen an den Ct-Werten im PCR-Test) war 4-fach niedriger als bei nicht geimpften Personen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Diese deutlich verminderte Viruslast zeigt nach Einschätzung des RKI eine verminderte Infektiosität an. Auch die Dauer der Ansteckungsfähigkeit dürfte verkürzt sein.

Für die Antigenschnelltests gibt es ebenfalls Hinweise auf ein vermindertes Übertragungsrisiko durch falsch-negativ getestete Personen. Die Cochrane Collaboration fand nämlich heraus, dass die Sensitivität des Tests stark vom Ausmaß der Virusmenge abhängt. Bei einer hohen Viruslast betrug die Sensitivität 94,5 %. Bei einer niedrigen Viruslast sank sie auf 40,7 %. Es könnte demnach sein, dass die Antigen­schnelltests bevorzugt Personen erkennen, von denen aufgrund einer hohen Viruslast das größte Ansteckungsrisiko ausgeht.

In der Gesamtschau gelangt das RKI zu folgendem Fazit: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der 2. Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigenschnell­tests bei symptomlosen infizierten Personen.“ © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #831974
BB-DD
am Freitag, 9. April 2021, 12:18

@T.N.

Also, der Testorgie an sächsischen Schulen vor Ostern entsprechend lag die (scheinbare) Spezifität glücklicherweise höher als 98 %. Bei 146000 Tests (bei 380000 Schülern) hatten 191 Schüler mit dem Selbsttest einen positiven Befund (0.13 %). Auch bei den 32000 Lehrern, von denen nahezu jeder zweimal getestet wurde, kam eine Test-Positivrate von 0.14% raus. (Erstaunlich, dass zwei unterschiedliche Alterskohorten praktisch exakt das gleiche Ergebnis liefern). Evtl. dennoch zu unrecht angenommen, dabei wäre nicht ein einziger richtig gewesen - wie viele PCR-positiv waren, konnte mir das sächs. Bildungsministerium auf Anfrage leider nicht sagen, weil es nicht protokolliert wird - ergäbe sich eine (scheinbare) Spezifität von 99.86-99.87%. Ab nächsten Montag machen wir das in Sachsen noch "besser". Wir testen JEDEN Schüler und jeden Lehrer zweimal pro Woche. Sprich, wir machen nächste Woche in Sachsen 760000 Tests an Schülern und 64000 Tests an Lehrern - 824000 Tests zu 5 €. Wir dürfen also mit etwa 1100 positiven Selbsttests in den Schulen in Sachsen rechnen, falls sich nicht etwas geändert hat an der Prävalenz und an der scheinbaren Testgüte. Ich bin gespannt. Auf jeden Fall sollten sich nächste Woche schon mal mindestens 1100 Eltern in Sachsen und, falls die anderen Bundesländer das auch so handhaben, in der Größenordnung 25000 Eltern in Deutschland bereithalten, ihre Kinder aus der Schule abzuholen um sie zum PCR-Test zu bringen, selbst dann, wenn die Kinder nichts haben. Auch werden evtl. 250 Familien (750 Personen) in Deutschland zuzüglich 125 mal der Wochenendkontakte (250-500 Personen) und 125 Klassen samt Lehrer (3000 Personen) etc. zusätzlich in Quarantäne geschickt, obwohl die "positiven" Kinder kein Corona haben, sofern der PCR-Test in Realität 99.0 % Spezifität erreicht. Ob dem so ist, bleibt seit einem Jahr nicht untersucht und folglich unbekannt, auch, unter welchen Bedingungen die "Infizierten" ansteckend sind. Hauptsache, die "Gefährder" sind weggesperrt
Avatar #860401
T.N.
am Donnerstag, 8. April 2021, 21:40

falsch positiv Rate bei symptomlos getesteten Personen bei 98 %?

Aus der RKI Infografik für die Antigentests ergibt sich aus dem linken Szenario für 5 tatsächlich infizierte Personen von 10 000 eine falsch positiv Rate von 98 %. !!! (200 zu 5). Habe ich da etwas über sehen, oder ist das tatsächlich so? Dieses Szenario entspräche ja in etwa der Testung von symptomlosen Schülern bei den aktuellen Inzidenzen, wie sie jetzt nach den Ferien durchgeführt werden sollen.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Infografik_Antigentest_PDF.pdf?__blob=publicationFile
Wenn wie in dem Artikel hier beschrieben dabei tatsächlich 42 % der symptomlosen infizierten Personen nicht erkannt werden, wäre der Schaden durch die falsche Sicherheit und die vielen grundlos in Quarantäne geschickten Menschen ja deutlich höher, als der Nutzen.
Ich hoffe, ich habe hier einen Denkfehler!
Avatar #803303
Baerbel22
am Donnerstag, 8. April 2021, 18:56

Falscher Satz

Ihre Viruslast (gemessen an den Ct-Werten der PCR-Reaktion) war 4-fach höher 

In der Original Studie steht 4 Fach niedriger
Es ist ein Widerspruch zum nächsten Satz
LNS
VG WortLNS LNS
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