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Medizin

Antibiotika: US-Leitlinie empfiehlt Behandlung auf 5 Tage zu verkürzen

Mittwoch, 7. April 2021

/picture alliance, JIRI HERA

Philadelphia – Das American College of Physicians, die führende Fachgesellschaft der US-Internisten, spricht sich in einer Leitlinie bei 4 häufigen ambulanten behandelbaren Infektionen für eine Verkür­zung der Antibiotikagabe auf 5 Tage aus. Die Empfehlungen werden in den Annals of Internal Medicine (2021; DOI: 10.7326/M20-7355) begründet.

Niedergelassene US-Ärzte verschreiben im Durchschnitt jedem 10. Patient ein Antibiotikum. Im Jahr 2014 wurden mehr als 250 Millionen Rezepte ausgestellt. Etwa 30 % der Antibiotika werden nach Ein­schätzung des American College of Physicians unnötig oder zu lang verschrieben. Noch immer ist eine Behandlungsdauer von 10 bis 14 Tagen die Regel, obwohl Studien gezeigt haben, dass die Infektionen häufig bereits unter einer 5-tägigen Behandlung ausheilen. Die Experten halten die Kurzzeitbehandlung in 4 Indikationen in unkomplizierten Fällen für ausreichend.

Die 1. Indikation umfasst eine akute unkomplizierte Bronchitis oder Exazerbationen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Bei einer akuten unkomplizierten Bronchitis kann nach einer früheren Empfehlung ganz auf ein Antibiotikum verzichtet werden, da die Erkrankung in der Regel von selbst ausheilt und in den meisten Fällen ohnehin von einem Virus verursacht werde, heißt es in den Empfehlungen.

Bei der COPD sei eine Antibiotikagabe nur bei einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auf eine bakterielle Genese (eitriges Sputum, erhöhte Dyspnoe und/oder einem erhöhten Sputumvolumen) angezeigt. Die „Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease“ (GOLD) empfiehlt bereits, die Antibiotika-Behandlung auf 5 bis 7 Tage zu verkürzen. Nach Einschätzung der US-Internisten sollten 5 Tage in der Regel ausreichen.

Die 2. Indikation ist eine ambulant erworbene Pneumonie (CAP). Auch hier besteht bei vielen Ärzten die Neigung zu einer längeren Antibiotikagabe. Nach Ansicht des Teams um Amir Qaseem vom American College of Physicians in Philadelphia sollten die Ärzte nach 5 Tagen prüfen, ob sich die Krankheits­zeichen gebessert haben.

Neben verschiedenen Metaanalysen wird auf eine Non-Inferioritätsstudie in JAMA Internal Medicine (2016; DOI: 10.1001/jamainternmed.20163633) verwiesen, in der diese Strategie erfolgreich war.

Die 3. Indikation, in der eine 5-tägige Antibiotikabehandlung ausreichen könnte, ist laut den US-Internisten eine unkomplizierte Zystitis oder eine Pyelonephritis. Bei Frauen mit einer unkomplizierten Zystitis könnte eine 3-tägige Behandlung mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol oder sogar eine Einmal-Antibiose mit Fosfomycin ausreichen.

Bei Männern und Frauen mit unkomplizierter Pyelonephritis raten die Experten zu einer Kurzzeittherapie entweder mit Fluorchinolonen über 5 bis 7 Tage oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol über 14 Tage. Wegen der zunehmenden Verbreitung von Resistenzen wird zu einem Antibiogramm geraten.

Auch nicht-purulente Haut- und Weichteilinfektionen („Zellulitis“), die 4. Indikation in den Empfeh­lungen, kann nach Einschätzung der US-Internisten eine 5- bis 6-tägige Antibiotikabehandlung ausrei­chen. Voraussetzung sei allerdings, dass das Antibiotika wirksam gegen Streptokokken sei – oder gegen methicillinresistente Staphylococcus aureus, die sich in dieser Indikation in den letzten Jahren stark ausgebreitet hätten.

Eine weitere Bedingung für eine Kurztherapie sei, dass der Patient mitarbeitet und eine Nachbeob­achtung gewährleistet sei. Die Internisten verweisen unter anderem auf die Ergebnisse der DANCE-Studie. Dort war die Infektion nach einer 6- und 12-tägigen Therapie gleich schnell abgeheilt. Nach der Kurzzeit-Antibiose war es jedoch häufiger zu Rezidiven gekommen (Clinical Microbiology and Infection, 2020; DOI: 10.1016/j.cmi.2019.09019). © rme/aerzteblatt.de

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