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Medizin

No pain, no gain: Nur schmerzhaftes Gehtraining verlängert Gehstrecke bei pAVK

Mittwoch, 2. Juni 2021

Körperliche Aktivitäten mit geringer Intensität einschließlich Gehen und Gartenarbeit könnten das Frakturrisiko im Alter senken. /sarymsakov-com, stockadobecom

Chicago – Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) sollen durch regelmäßigen Sport ihre Gehstrecke verbessern. Einen objektiven Gewinn erzielten in einer randomisierten klinischen Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.2536) jedoch nur Patienten, die bei einem hochintensiven Training an ihre Schmerzgrenzen gingen.

Ein Gehtraining gehört bei der pAVK zu den wichtigsten nicht-medikamentösen Maßnahmen. Im Idealfall kann sie die gleiche Wirkung erzielen wie eine Gefäßintervention oder die Notwendigkeit einer Gefäßoperation hinausschieben. Empfohlen wird ein täglicher Spaziergang von etwa 1 Stunde.

Umstritten ist, welche Intensität das Gehtraining haben soll. Bei vielen Patienten kommt es infolge der Erkrankung schnell zu Schmerzen, die sie zu Pausen zwingt. Sollten sie sich deshalb Zeit lassen oder gezielt bis zum Belastungsschmerz gehen?

Dieser Frage ist eine randomisierte Studie nachgegangen, an der an 4 US-Kliniken insgesamt 305 Patienten teilnahmen. Die Patienten hatten einen Knöchel-Arm-Index von durchschnittlich 0,67 und gingen nur 1 bis 2 Mal die Woche für etwa eine halbe Stunde spazieren.

In der Studie sollten 240 Teilnehmer 5 Mal in der Woche für 50 Minuten ein Gehtraining absolvieren. Die Hälfte wurde gebeten, so langsam zu spazieren, dass möglichst keine Schmerzen auftreten. Die andere Hälfte wurde gebeten, regelmäßig an die persönliche Schmerzgrenze zu gehen. Eine 3. Gruppe von 65 Patienten wurde nicht zu Spaziergängen motiviert.

Wo sich die Schmerzgrenze befand, wurde in einem Probespaziergang mittels eines Akzelerometers bestimmt, den die Teilnehmer an der Hüfte trugen. Die beiden Gruppen, die das Gehtraining absolvier­ten, erhielten im folgenden Jahr regelmäßig telefonische Anrufe, um sie zu motivieren (die 3. Gruppe wurde ebenfalls angerufen, aber nicht zum Training angehalten). Ob die Teilnehmer der beiden Gehgruppen tatsächlich ihr Trainingsprogramm absolvierten, wurde über die Akzelerometer kontrolliert.

Am Ende hatte die Gruppe, die zu einem niedrigintensiven Gehen angeregt wurde, am häufigsten trainiert. Sie waren im Durchschnitt an 3,5 Tagen der Woche unterwegs gewesen. Die Gruppe mit dem hochintensiven Training hatte es nur auf 2,8 Tage pro Woche gebracht (was vermutlich auf die mit dem Training verbundenen Schmerzen zurückzuführen ist).

Dennoch hatte die Hochintensivgruppe sich am Ende des Jahres verbessert. Im 6-Minuten-Gehtest, dem primären Endpunkt der Studie, steigerten sie sich von 338,1 auf 371,2 Meter, während es in der Gruppe mit der niedrigen Intensität zu einer minimalen Verschlechterung von 332,1 auf 327,5 Meter kam. In der Kontrollgruppe kam es vermutlich krankheitsbedingt zu einem Rückgang der 6-Minuten-Gehstrecke von 328,1 auf 317,5 Meter.

Der Unterschied zwischen der Hoch- und der Niedrigintensivgruppe von 40,9 Metern war nach den Berechnungen von Mary McDermott von der Feinberg School of Medicine in Chicago und Mitarbeitern mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 20,0 bis 61,7 Meter signifikant. Das Hochintensivtraining hatte sich demnach gelohnt, auch wenn die Teilnehmer zu etwa 50 % weniger trainiert hatten.

Der Vorteil der Niedrigintensivgruppe von 8,7 Metern zur Kontrollgruppe war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 17,0 bis 34,4 Metern nicht signifikant. Die Teilnehmer der Niedrigintensiv­gruppe gaben zwar eine Verbesserung im „Walking Impairment Questionnaire“ an, einem Fragebogen zur Gehfähigkeit im Alltag. Dies ist allerdings eine rein subjektive Einschätzung, die darauf beruhen könnte, dass die Patienten als Teilnehmer einer Studie eine Besserung erwarteten.

Eine objektive Verbesserung ist laut McDermott nur zu erwarten, wenn die Patienten bereit seien, an ihre Schmerzgrenze zu gehen. Welche Mechanismen zur Verbesserung führen, ist unklar. Die Forscher haben bei 47 Teilnehmern vor Studienbeginn und nach 1 Jahr Gewebeproben aus der Wadenmuskulatur untersucht und keine Veränderungen gefunden.

Das intensive Gehtraining ist für die Patienten zwar schmerzhaft, aber in der Regel nicht gefährlich. Bei 2 Patienten traten beim Training kardiale Probleme auf. Beide wurden mit einem Koronarstent versorgt. © rme/aerzteblatt.de

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